Totenschändung in Afghanistan
Regierung zieht erste Konsequenzen aus Skandal-Fotos

Die Gebirgsjäger mit dem Edelweiß im Verbandsabzeichen sind eine der beliebtesten Einheiten der Bundeswehr und Vorzeigetruppe in Bayern. Dass nun ausgerechnet Angehörige dieser militärischen Elite für eine Totenschändung in Afghanistan verantwortlich sein sollen, sorgt nicht nur bei der Bundeswehr für Entsetzen. Die Bundesregierung zog nun erste Konsequenzen.

HB BERLIN. Sechs der an der mutmaßlichen Totenschändung in Afghanistan beteiligten Bundeswehrsoldaten sind bereits identifiziert worden. Wie Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) mitteilte, seien vier von ihnen inzwischen nicht mehr bei der Bundeswehr. Er sei sehr froh über die ersten Ermittlungserfolge, betonte der Minister.

Jung kündigte als erste Konsequenz aus dem Fall eine Überprüfung der Ausbildung für Auslandseinsätze der Bundeswehr an. Er habe Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan gebeten, die Ausbildungsgrundlagen zu untersuchen. Stelle sich Korrekturbedarf heraus, werde gehandelt. Fehlverhalten deutscher Armeeangehöriger im Ausland werde nicht toleriert.

Die Regierung und die Bevölkerung seien tief betrübt über die Nachricht aus Deutschland, erklärte das Außenministerium in Kabul und verurteilte die Tat. Die Bundesegierung müsse ihrem Versprechen nachkommen und für rückhaltlose Aufklärung sorgen. Die Schuldigen müssten vor Gericht gebracht werden. Alle sechs sollen unbestätigten Presseberichten zufolge aus der bayerischen Kaserne Mittenwald gekommen sein.

Ein Sprecher des Berliner Außenministeriums sagte: „Die Botschaften sind frühzeitig über die Bilder unterrichtet und sensibilisiert worden, damit sie die Sicherheitsmaßnahmen entsprechend anpassen konnten.“ Die Aufforderung richte sich vor allem an die deutsche Vertretung in der afghanischen Hauptstadt Kabul, aber auch an Botschaften in der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens. Vergangenen Winter war es in der islamischen Welt nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in Dänemark zu Massenprotesten gekommen.

Die „Bild“-Zeitung hatte am Mittwoch fünf Fotos veröffentlicht, auf denen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan in teils obszönen Gesten mit einem Totenschädel posieren. Der Vorfall hatte Sorge um die Sicherheit der Friedenstruppe ausgelöst. Nach Veröffentlichung der Bilder war darüber spekuliert worden, ob das hohe Ansehen der Bundeswehr in der afghanischen Bevölkerung durch die Fotos beeinträchtigt wird.

Der Vorgang wird nach Einschätzung von Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer keinen Einfluss auf die internationale Friedensmission in Afghanistan haben. Der Einsatz werde nicht erschwert, weil der Vorfall „keine Regel, sondern eine Ausnahme ist“, sagte er im Deutschlandfunk. Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Bundeswehrsoldaten „sehr viel gute Arbeit machen, dass sie in den Köpfen und Herzen der Leute“ sehr hoch geschätzt würden.

Auch in der Bundeswehr hielt die Debatte an. Der Vorsitzende des „Arbeitskreises kritischer Soldaten“, Helmuth Prieß, sagte der „Berliner Zeitung“: „Wir müssen endlich aufhören, von Einzelfällen zu sprechen.“ Das „Strukturproblem“ habe auch der Wechsel von der Verteidigungs- zur Einsatzarmee hervorgebracht. „Ganz sicher ist dieser Fall nicht der letzte seiner Art.“

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