Totenschändung in Afghanistan
Skandal-Fotos offenbar von Gebirgsjägern

Die Skandal-Fotos deutscher Soldaten mit einem Totenschädel in Afghanistan bringen die Bundeswehr in Bedrängnis. Konkret wird gegen zwei Verdächtige ermittelt. Mehreren Berichten zufolge stammen sie aus einer bayerischen Einheit. Kenner Afghanistans warnen vor Unruhen und Angriffen auf deutsche Soldaten.

HB BERLIN. Die in der Bild-Zeitung abgebildeten Männer stammen offenbar aus den Standorten Mittenwald. Das berichten das ZDF und die Nachrichtenagentur dpa übereinstimmend. Laut ZDF ist einer der Männer aus dem Dienst ausgeschieden, der andere wird derzeit vernommen. Nach Informationen von „sueddeutsche.de“ handelt es sich um Gebirgsjäger. Dies habe ein nicht namentlich genannter Offizier bestätigt. Bei einem Verdächtigen soll es sich um einen Stabs- oder Hauptgefreiten der Reserve, bei dem anderen um einen Stabsunteroffizier handeln.

Bild hatte fünf Fotos veröffentlicht, die deutsche Soldaten der Afghanistan-Schutztruppe ISAF auf einer Patrouillenfahrt in der Nähe von Kabul zeigen. Sie präsentieren dabei mit zum Teil obszönen Gesten einen Totenschädel. Unklar ist, ob es sich bei dem Totenschädel um sterbliche Überreste eines Afghanen oder eines russischen Soldaten handele, der während der sowjetischen Besatzungszeit 1979-1989 gefallen sein könnte.

In dem Bild-Bericht heißt es, dass die Fotos im Frühjahr 2003 entstanden sind. Laut Lars Bessel, Chefredakteur des unabhängigen Bundeswehrportals truppen.info, seien Gebirgsjäger in diesem Zeitraum im Raum Kabul eingesetzt gewesen.

Der Fall löste bei Politikern und Kirchenvertretern einen Sturm der Entrüstung aus. Die Kanzlerin bezeichnete die Fotos nach Angaben von Vize-Regierungssprecher Thomas Steg als „schockierend und abscheulich“. Das Verhalten sei durch nichts zu entschuldigen und schade der Bundeswehr sowie „dem Ansehen unseres Landes“. Merkel forderte laut Steg, „mit aller Härte und allen Konsequenzen“ durchzugreifen.

Die Staatsanwaltschaft Potsdam leitete ein Ermittlungsverfahren ein. Die deutschen Soldaten in Afghanistan werden vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam aus befehligt. Eine Störung der Totenruhe kann mit einer Haftstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, ein solches Verhalten deutscher Soldaten dürfe unter keinen Umständen geduldet werden. Die Bilder erzeugten Abscheu. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, würden dienstrechtliche, disziplinarrechtliche und gegebenenfalls auch strafrechtliche Konsequenzen gezogen. Das Verteidigungsministerium wurde laut Schneiderhan von einem Soldaten informiert. Ein „Dienstgrad“, der zu der Zeit der mutmaßlichen Totenschändung im Jahr 2003 im Einsatz gewesen sei, habe sich bei der Bundeswehr gemeldet.

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