Tourismusbranche in der Sächsischen Schweiz beunruhigt
Die malerische Hochburg der Rechtsextremen

Die Wahlerfolge der NPD und die braune Szene in der Sächsischen Schweiz beunruhigen die Tourismusbranche.

HB KÖNIGSTEIN. Immer wieder predigt Ivo Teichmann das Gleiche: „Eine Region, die vom Fremdenverkehr lebt, kann nicht fremdenfeindlich sein.“ Doch die Mahnungen des Chefs des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge in Königstein stoßen oft auf taube Ohren. In seiner Heimat, der landschaftlich einzigartigen Sächsischen Schweiz, holte die NPD bei der Landtagswahl am Sonntag überall zweistellige Ergebnisse, mancherorts mehr als 20 Prozent. Der malerische Landstrich südöstlich von Dresden gilt heute als eine Hochburg der Rechtsextremisten.

Am Tag nach dem politischen Beben ist Teichmann schon froh, dass der stadtbekannte NPD-Funktionär und Fahrlehrer Uwe Leichsenring diesmal nur 15,3 Prozent bekam. Bei der Kommunalwahl im Juni hatte der 36-Jährige, der enge Kontakte zur militanten Skinheadszene pflegt, noch 21 Prozent erhalten.

Die Touristen reagierten unterschiedlich auf solche Wahlergebnisse, sagt Teichmann: „Die einen lassen sich nicht beeindrucken, andere kommen jetzt erst recht, um uns zu unterstützen. Und die Dritten sagen, sie brächten doch in eine Region kein Geld, das die Rechten noch stärken würde.“ Um den Imageschaden zu begrenzen, tritt Teichmann die Flucht nach vorn an. „Wir bauen auf einen starken Tourismus, der den Leuten Perspektiven gibt.“

In der Sächsischen Schweiz sind indes die NPD und ihre Kader fest mit der Gesellschaft verwoben. Ein Arzt, ein Sozialarbeiter, ein Klempnermeister – die Parteigänger sind in ihren Heimatorten häufig anerkannt und sitzen in den Kommunalparlamenten. Laut Verfassungsschutz gibt es „dauerhaft rechtsextremistische Strukturen“.

Für Ärger sorgen vor allem die Gruppen rechter Schläger, die einst in der verbotenen Truppe „Skinheads Sächsische Schweiz“ organisiert waren und vom Dresdner Landgericht als kriminelle Vereinigung verurteilt wurden. In Reinhardtsdorf-Schöna etwa, wo die NPD regelmäßig über 20 Prozent holt, betrieb die SSS jahrelang einen Jugendclub für ihre „Aufbauorganisation“, bis der Bürgermeister endlich einschritt.

Irgendwann hätten die Jugendlichen selbst die Polizei mit „Heil Hitler“ begrüßt, sagt Petra Schickert, Sozialarbeiterin eines mobilen Beratungsteams, das die Bundesregierung 2001 gegründet hat. Zu „Gedenktagen“ fackeln die Jugendlichen in der Region Hakenkreuze aus Stroh ab, verprügeln Punker abends an der Elbe. Der Einzug der NPD in den Landtag wird – das fürchten Beobachter – die rechte Szene weiter stärken.

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