Tourismusverband in Sorge
Neuer Affront - erneut keine Entschuldigung Italiens

Nach den abfälligen Äußerungen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs über die Deutschen bleibt auch in diesem Fall eine förmliche Entschuldigung aus.

Reuters BERLIN. Staatssekretär Stefano Stefani lehnte es am Dienstag ab, sich zu entschuldigen, lud Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) aber in sein Haus an den Gardasee ein. Der geplante Italien-Urlaub Schröders ist unterdessen wegen des Eklats weiter in der Schwebe. „Das muss man jetzt mal abwarten“, sagte ein Regierungssprecher in Berlin. Eigentlich wolle der Kanzler Ende Juli mit seiner Frau Doris und deren Tochter Klara für rund zwei Wochen an die Adria fahren. Italiens Außenminister Franco Frattini bemühte sich, die Wogen zu glätten und betonte die deutsch-italienische Freundschaft. Ähnlich äußerte sich das Italienische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt. Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) schloss negative Auswirkungen des Eklats auf den Tourismus nicht völlig aus.

Staatssekretär verweist auf seine deutsche Ex-Frau

Stefani hatte die Deutschen in einem Beitrag für die Zeitung „La Padani“ als „einförmige, supernationalistische Blonde“ beschrieben, die keine Gelegenheit ausließen, unverschämt zu werden und lärmend über italienische Strände herzufallen. Die Bundesregierung wertete dies als „eine Pauschalbeleidigung gegenüber allen Deutschen, die gerne in Italien Urlaub machen“.

Es ist der zweite deutsch-italienische Eklat innerhalb weniger Tage. Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hatte vor rund einer Woche den deutschen Europa-Abgeordneten Martin Schulz (SPD) als perfekte Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers in einem Film bezeichnet. Berlusconi hatte sich für die Äußerung ebenfalls ausdrücklich nicht entschuldigt.

Stefani sagte der Zeitung „La Padani“ vom Dienstag, er entschuldige sich nicht, würde Schröder aber gerne in sein Haus an den Gardasee einladen. „Ich habe nichts gegen die Deutschen. Ich hatte 20 Jahre lang eine deutsche Frau.“ Er bedaure die Äußerungen auch nicht: „Sicher nicht. In Bezug auf bestimmte Typen von Deutschen habe ich meine Meinung nicht geändert.“

Außenminister Frattini kritisierte die Äußerungen Stefanis. „Ich hoffe sehr, dass eine überflüssige Erklärung, eine einsame Stimme, in keiner Weise die traditionelle Freundschaft zwischen Italien und Deutschland stören wird“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Ansa. Der Tourismus sei der „lebende Beweis einer natürlichen und starken Verbindung zwischen den beiden Ländern“.

Der Reiseveranstalterverband DRV schließt negative Auswirkungen auf den Tourismus nicht völlig aus. „Diese Äußerungen sind voll daneben und ärgerlich für den Italien-Tourismus“, sagte DRV-Sprecher Christian Boergen. „Aber man sollte das Ganze auch nicht zu hoch hängen.“ Im Kern gehe es um eine politische Missstimmung zwischen der deutschen und der italienischen Regierung.

Fremdenverkehrsamt bedauert den Eklat

Deutsche Urlauber stellen in Italien mit Abstand den größten Anteil ausländischer Touristen. Von 138 Millionen Übernachtungen ausländischer Gäste gingen nach Angaben des Italienischen Fremdenverkehrsamts im vorigen Jahr 52 Millionen auf das Konto deutscher Besucher. Das Amt bedauerte die Äußerungen Stefanis.

„Das tut uns leid. Die Deutschen sind in Italien sehr willkommen. Es besteht eine große Freundschaft zwischen Deutschen und Italienern“, sagte eine Sprecherin. Natürlich komme es vor, dass sich Urlauber daneben benähmen. Das dürfe man aber nicht verallgemeinern, und dies sei auch nicht das Problem einer bestimmten Nation.

Berlusconis umstrittene Äußerung zu Schulz fiel vorige Woche bei seinem ersten Auftritt als EU-Ratspräsident im Europa-Parlament. Schröder forderte eine Entschuldigung Berlusconis und erklärte wenig später, telefonisch habe dieser ihm sein Bedauern ausgedrückt. Berlusconi teilte nach dem Telefonat aber mit, er habe sich keineswegs entschuldigt, und forderte vielmehr eine Entschuldigung von Schulz, der ihn zuvor kritisiert hatte.

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