Touristen bleiben aus
"Es wird Zeit, dass der Gipfel vorbei ist"

Freie Fahrt für freie Bürger? Fehlanzeige. Blockaden stören den Verkehr und Helikopter die Ruhe, Touristen bleiben aus. Die Mecklenburger verlieren allmählich die Geduld mit dem G8-Gipfel und sind froh, wenn das Leben endlich wieder seinen gewohnten Gang nimmt. Szenen auf der Landstraße.

ROSTOCK. Wie schnell es die Bürger erwischen kann, zeigt sich an diesem Donnerstagnachmittag auf der kleinen Landstraße zwischen Elmenhorst und Bad Doberan. Um die 50 jugendliche G8-Gegner haben es sich auf der Fahrbahn bequem gemacht. „Was soll das hier, wollt ihr Maut erheben, oder was“, schimpft ein Autofahrer. Er schüttelt den Kopf: „So ein Schwachsinn. Das ist ja nicht einmal eine direkte Zufahrt nach Heiligendamm.“ Dann dreht er um.

Allmählich ist die Geduld vieler Mecklenburger erschöpft. „Es wird Zeit, dass das alles bald vorbei ist“, sagt eine Verkäuferin in einem Souvenirladen im Badeort Warnemünde. Die Zahl der Touristen sei überschaubar, es hätten wohl einige storniert. „Hoffentlich gleicht sich das später im Sommer wieder aus.“ Abgesehen für die Hotels, deren Zimmer im Großraum Rostock fast überall belegt sind, ist der Gipfel Gift. Wo man sich umhört, ist von nachlassen Umsätzen die Rede. „Ansonsten ist hier im Juni deutlich mehr los“, erzählt die Bedienung des K25 in Warnemünde. Hinten im Raum probieren sich ein paar japanische Journalisten durch die Bier-Kollektion. „Hoffentlich erzählen die daheim, wie schön es hier ist, und kommen zum Urlaub machen mit ihren Familien wieder.“

Die kleine Blockade auf der Elmenhorster Landstraße beginnt sich zu füllen. Immer mehr Aktivisten kommen angeschlendert, schleppen Isomatten, Schlafsäcke und Nahrungsmittel herbei. Ein Auto mit Anhängern der Linkspartei bringt Getränke. Plötzlich taucht ein silberner Kastenwagen mit Berliner Kennzeichen auf. Drei stämmige Männer mit Sonnenbrillen steigen aus und nehmen die Blockade in Augenschein. Erste Sorgen, es könnte sich um rechte Schläger handeln, die die linken Protestler aufmischen wollen sind unbegründet. Die Männer entpuppen sich als Zivilbeamte der Polizei.

Dass Neonazis Ärger machen könnten, ist nicht aus der Luft gegriffen. Verschiedentlich haben sie SMS-Nachrichten verschickt, in denen davon die Rede ist, die „Steinewerfer“ fertig zu machen und die Ehre der Stadt Rostock wieder herzustellen. Die Polizei hat verstärkt ein Auge auf die Szene. Eine angekündigte Kundgebung der Rechten in Rostock wurde gerichtlich untersagt.

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