Trafo-Brand
Atomaufsicht nimmt Krümmel-Mitarbeiter ins Gebet

Nach tagelanger Weigerung hat der Betreiber des Atomkraftwerks Krümmel, der deutsche Ableger des schwedischen Vattenfall-Konzerns, nun doch einer Befragung des Personals zum Trafobrand Ende Juni zugestimmt. Die Mitarbeiter werden unter anderem erklären müssen, warum die Personalstärke im Leitstand den Verdacht aufkommen ließ, dort sei eine Party gefeiert worden.

HB BERLIN/HAMBURG. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel sagte am Donnerstag, die Atomaufsicht dürfe nun doch den Reaktorfahrer und den Schichtleiter befragen, die während des Transformatorbrandes in Krümmel Dienst taten. Gabriel machte deutlich, dass er das Wiederanfahren des Siedewassereaktors untersagen könne, wenn die Vorgänge nicht lückenlos aufgeklärt würden. Die Atomaufsicht des Landes Schleswig-Holstein - und notfalls der Bund per Weisung - könnten ein Wiederanfahren des Reaktors durchaus verhindern. Zuvor hatte Vattenfall erklärt, Krümmel solle bis mindestens Ende August vom Netz bleiben.

Gabriel hatte sich in den vergangenen Tagen einen heftigen Schlagabtausch mit Vattenfall geliefert, dem er nach den Zwischenfällen in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel am 28. Juni eine verheerende Informationspolitik bescheinigte. Das nun doch anberaumte Gespräch mit den Kraftwerksmitarbeitern soll am Montag stattfinden, wie Gabriel sagte. Es solle geklärt werden, warum die Sicherheitsvorkehrungen „nicht exakt so funktioniert haben wie ausgelegt“ und warum verschiedene Fehler passierten. Es gehe nicht darum, die Mitarbeiter zu Schuldigen abzustempeln. „Uns interessiert die Struktur der Abläufe“, sagte der SPD-Politiker.

Vattenfall hält Besuchergruppe in der Warte für möglich

Zeitweilig seien in der Warte des Kraftwerks 25 Mitarbeiter anwesend gewesen, berichtete Gabriel. Das lasse nicht auf ein „ordentliches Verfahren“ schließen. Außerdem sei Rauch in die Warte eingedrungen, was auch nicht sein dürfe. Und es habe Kommunikationsprobleme gegeben.

Vattenfall-Sprecher Ivo Banek hatte zuvor besttätigt, dass sich in der Kommandozentrale von Krümmel zeitweise mehr als 20 Menschen aufgehalten haben. Um den Meiler sicher zu fahren, genügten vier Mitarbeiter in der Kontrollwarte und sechs Kollegen auf Patrouille. Zu den Gründen für den Menschenauflauf sagte Banek: „Im Wesentlichen gibt es da nur zwei Möglichkeiten: Erstens, weil man Informationen dort abholen muss, oder zweitens, um Informationen dort hinzubringen“, sagte Banek. Die Warte sei innerhalb der Anlage nicht abgeriegelt. Es gebe zum Beispiel Besucherführungen. Spekulationen über eine Betriebsfeier wies er zurück: „Das stimmt nicht.“

Hamburg bereut Verkauf an Vattenfall

Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust bezeichnete es unterdessen als Fehler, dass die Hansestadt die staatlichen Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) zwischen 1999 und 2002 schrittweise an Vattenfall verkauft haben. „Heute würde ich die HEW nicht mehr verkaufen“, sagte der CDU-Politiker der „Bild“-Zeitung. Nun habe die Stadt keinen Einfluss mehr auf die Strompreise und die Investitionen des Unternehmens.

Vattenfall hatte in den letzten Jahren die Strompreise in Hamburg kräftig erhöht. Hamburg hatte für den Verkauf einen Milliardenbetrag kassiert und damit Haushaltslöcher gestopft. Die HEW hatte das Kraftwerk im Krümmel zusammen mit Preussen-Elektra seit 1983 betrieben. Preussen-Elektra ging 2000 in Eon auf, die dadurch 50 Prozent an der Krümmel-Betreibergesellschaft hält. Vattenfall ist der so genannte Betriebsführer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%