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Transfergesellschaften: Schmierige Geschäfte auf Kosten der Hoffnung

Wenn eine Firma vor dem Aus steht, sind sie da: Transfergesellschaften. Sie sollen entlassene Arbeiter weiterbilden und neue Jobs für sie finden. Tatsächlich aber wird gemauschelt, werden üppige Fördergelder zweckentfremdet. Ein paar Anbieter versuchen nun, den schlechten Ruf der Branche zu retten, doch sie haben es schwer.

Nach Kurzarbeit sind Transfergesellschaften die zweite Möglichkeit, den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit abzufedern. Quelle: ap
Nach Kurzarbeit sind Transfergesellschaften die zweite Möglichkeit, den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit abzufedern. Quelle: ap

OSNABRÜCK. Ein ehemaliger Verwaltungstrakt in Osnabrück. Mausgraue Stellwände zerstückeln den Raum in winzige Bürozellen, der Blechrahmen der Fenster hat Patina angesetzt. Hier versucht Thomas Gerwert, die Hoffnung am Leben zu erhalten.

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Gerwert trägt ein lila Hemd und hat heute Morgen viel Gel benutzt. Seine Haare sind trotzdem strubbelig. "Es nützt nichts, hier im Anzug aufzulaufen, dann fühlen sich die Leute nicht wohl", sagt er und schaut auf ein gutes Dutzend Werkzeugmacher, Schlosser und Mechaniker. Sie alle wollen nur eins von ihm wissen: wie sie nicht in die Arbeitslosigkeit abstürzen.

Gerwert betreibt eine Transfergesellschaft. Er beschäftigt die entlassenen Arbeiter bis zu zwölf Monate, bildet sie weiter und versucht, neue Jobs für sie zu finden.

Nach Kurzarbeit sind Transfergesellschaften die zweite Möglichkeit, den rasanten Anstieg der Arbeitslosigkeit abzufedern. Die betroffenen Angestellten verzichten auf eine Abfindung und erhalten im Gegenzug neben der Qualifizierung 67 Prozent des letzten Netto-Lohns von der Arbeitsagentur; der Arbeitgeber stockt auf 80 Prozent auf. Abfindung gegen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, so lautet die Wette. Und häufig ist das Risiko groß: Für viele Transfergesellschaften zählt eher der Gewinn und nicht das Wohl der Kunden.

Es sind vor allem die großen gewerkschafts- oder arbeitgebernahen Weiterbildungsinstitute, die den Markt unter sich aufteilen. Bis zu 5000 Euro pro Kunde können Transferbetreiber vom ehemaligen Arbeitgeber und aus öffentlichen Töpfen bekommen, um Qualifizierungsprogramme einzukaufen. Bei mindestens 150 000 Betroffenen pro Jahr geht es also um ein Volumen von mindestens 750 Millionen Euro. Hinzu kommen die mehr als 200 Millionen Euro, die die Arbeitsagentur in das System pumpt.

Ein offenbar krisensicheres Geschäft. In den vergangenen Monaten traten Transfergesellschaften bei den Wadan-Werften, Ebay und Q-Cells in Aktion. Allein im nächsten Monat könnten 4000 weitere Menschen hinzukommen: Opelaner, die im Sanierungskonzept des neuen Opel-Chefs Nick Reilly nicht mehr vorgesehen sind. So hat er es jedenfalls letzte Woche verkündet.

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