Transparenz-Gesetz für Managergehälter erzwingt keine Veröffentlichung der Kriterien für Boni, Optionen oder Prämien
Cromme-Kommission berät neue Regeln

Die Geschäftsberichte deutscher Aktiengesellschaften geben kaum Informationen über Vergütungssysteme ihrer Vorstände. Nach einer Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bleibt bei fast allen der 30 Dax- und 50 MDax-Unternehmen ungeklärt, wie sich Tantiemen, Boni oder Aktienoptionen bemessen.

fo DÜSSELDORF. So machten 30 Prozent der Unternehmen keine Angaben über Bezugsgrößen für variable Vergütungen, und kein einziges gebe zu erkennen, warum seine Führungsmannschaft eine bestimmte Anzahl von Aktien oder Optionen erhält.

„Von Transparenz keine Rede“, urteilt das Forschungsinstitut. Ob das neue Gesetz der rot-grünen Bundesregierung zur Offenlegung der Vorstandsgehälter daran etwas ändert, ist allerdings offen.

Der gerade von Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) vorgelegte Gesetzentwurf fordert zwar Informationen über die Höhe aller in einem Geschäftsjahr gewährten Bezüge einschließlich Nebenleistungen, außerdem über Abfindungen und Pensionszusagen. Für den Corporate-Governance-Experten Alexander Bassen ergibt sich aus dem Gesetz aber „nicht zwingend“, dass die Unternehmen künftig auch die Kriterien veröffentlichen müssen, nach denen sie ihre Vorstände bezahlen. Immerhin gehe das Gesetz jetzt deutlich über die ersten Planungen hinaus, sagt der Professor an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP). Künftig sollen auch Abfindungen und Versorgungsleistungen veröffentlicht werden. Im Februar hatte sich die Justizministerin entschlossen, die bisher freiwilligen Transparenzregeln durch ein Gesetz abzulösen, weil sich 20 Prozent der großen Dax-Firmen weiter weigern, ihre Vorstandsbezüge individuell zu veröffentlichen. Nach dem Aktiengesetz müssen sie dies nur in Summe für den gesamten Vorstand machen.

Laut Böckler-Stiftung „muss sich jeder aus dem Geschäftsbericht ein Urteil darüber bilden können, welche Verhaltensanreize und Vergütungsmodelle es für den Vorstand gibt“. Bassen: „Diese Informationen benötigen Investoren, um das Management eines Unternehmens beurteilen zu können.“ Da es im künftigen Gesetz keine Vorschriften zu dieser Frage gibt, sollte hier die Corporate-Governance-Kommission nachbessern, fordert der Wissenschaftler. Das Gremium müsse ergänzend zum Gesetz Kriterien festsetzen, anhand derer Gehaltsstrukturen verglichen werden könnten.

Die 13-köpfige Kommission unter Vorsitz von Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat Gerhard Cromme wird am 2. Juni tagen, um die Fortschreibung des seit drei Jahren bestehenden Kodexes zu beraten. Drei Wochen später findet die vierte deutsche Corporate-Governance-Tagung in Berlin statt. Cromme hatte die Gesetzesinitiative der Regierung begrüßt. Mehrere Mitglieder seiner Kommission sind aber der Ansicht, dass die volle Gehaltstransparenz den Aktionären keine zusätzlichen Informationen bringt. Die Kritiker individueller Angaben befürchten eine Nivellierung des Gehaltsniveaus; einige haben darüber hinaus verfassungsrechtliche Bedenken.

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