Trauer im Netz
Als Egon Bahr um Fassung rang

Das SPD-Urgestein Egon Bahr ist tot. Auch in sozialen Medien trauern Nutzer. Einer schreibt: „Bei Willy Brandts Rücktritt hat Bahr öffentlich geweint. Das hat mich mehr berührt als alle Weihnachtsansprachen zusammen.“
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BerlinEr war ein „Baumeister der deutschen Ostpolitik“ und hat sich „leise, aber hartnäckig“ für die deutsche Einheit eingesetzt. So lauten die Überschriften heute auf Handelsblatt Online zum Tode von Egon Bahr. Auch in den sozialen Medien bekunden viele ihre Trauer über den Tod des 93 Jahre alt gewordenen SPD-Politikers.

Häufig wird er mit den Worten zitiert „Verstand ohne Gefühl ist unmenschlich, Gefühl ohne Verstand ist Dummheit“. Twitter-User Marius Boll verweist darauf, dass Bahr diesen Satz offenbar selbst sehr ernst genommen hat: Beim Rücktritt von Ex-Kanzler Willy Brandt habe der Politiker öffentlich geweint. „Das hat mich mehr berührt als alle Weihnachtsansprachen.“

Diesen emotionalen Moment des SPD-Urgesteins findet man heute auf YouTube: Der Nutzer „Berlinbroadcaster“ hat eine Dokumentation des Fernsehsenders „Phoenix“ auf dem Video-Portal hochgeladen (siehe Video oben ab Minute 0:40). Bahr sieht darin betroffen aus und stimmt nicht in den Applaus seiner Kollegen ein. Dann umarmt ihn der ehemalige Staatssekretär Karl Ravens, und Bahr schlägt die Hände vors Gesicht. Man sieht nicht, ob wirklich eine Träne rollt, doch sein Gesichtsausdruck spricht Bände.

Politiker aller Parteien teilen per Twitter und Facebook ebenfalls ihre Betroffenheit mit. FDP-Chef Christian Lindner schreibt, „die Freien Demokraten trauern um einen großen Mann“, Gregor Gysi von der Linken erklärt, „Wandel durch Annäherung war sein Ziel, mehr Wandel, als wie alle erlebt haben, war nicht zu erreichen.“

Von Grünen-Politiker Jürgen Trittin heißt es, „Bahrs Vermächtnis ist ein Plädoyer für die Diplomatie, die wir heute an allen Krisenherden der Welt brauchen“, und der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schreibt: „Wir sind dankbar, dass er seine Sozialdemokratie bis in die jüngste Zeit stets loyal als unermüdlicher Ratgeber begleitet hat und werden seine analytische Brillanz, seine Rationalität und Leidenschaft, aber auch sein Temperament und seinen liebenswürdigen Humor sehr vermissen. Und persönlich habe ich bis zuletzt viele anregende Gespräche mit Egon geführt.“

Mit tiefer Trauer habe ich den Tod von Egon Bahr zur Kenntnis nehmen müssen. Er war ein hochintelligenter, einfühlsamer...

Posted by Gregor Gysi on Thursday, August 20, 2015

Mit Egon Bahr verliert Deutschland einen Zeitzeugen der eigenen Vergangenheit und einen klugen Kommentator der...

Posted by Jürgen Trittin on Thursday, August 20, 2015

Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren. Die gesamte...

Posted by Sigmar Gabriel on Thursday, August 20, 2015

Einige nutzten die sozialen Medien aber auch, um mit Verweis auf Bahr Häme über der derzeitigen SPD-Führung auszuschütten. So schreibt Nutzer airjbeer, Bahr sei Sozialdemokrat gewesen, was ihn „von den heutigen Hampelmännern, die sich SPD nennen“, unterscheiden würde. Und Dirk Ludigs findet, „heute ist mehr Sozialdemokratie gestorben, als derzeit im gesamten Parteivorstand sitzt.“

Im Großen und Ganzen überwiegt jedoch die Trauer und die Dankbarkeit: Nutzer schreiben über ihre ganz persönliche Erinnerungen an Bahr, SPD-Parteikollegen drücken ihre Emotionen aus und Journalisten erinnern an Interviews und Texte mit dem deutschen Politiker. Eine Auswahl haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Steffen Daniel Meyer
Steffen Daniel Meyer
Handelsblatt Online / Social-Media-Redakteur

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  • Das Werk von Egon Bahr und den folgenden Kanzler Deutschlands
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    Egon Bahr hat den Wandel der starrsinnigen und US-gesteuerten CDU-Kanzler, insbesondere das Vermächtnis des gewissenlosen Adenauer geändert. - Er wollte und er hat mit Hilfe von Willy Brand die Versöhnung Deutschlands mit Osteuropa und besonders mit Russland (Sowjetunion) begonnen und vollendet. - Die nachfolgenden Kanzler Helmut Schmidt, Helmut Hohl und Gerhard Schröder haben die Beziehungen zu Russland zur Blüte gebracht und schließlich die Wiedervereinigung Deutschlands erreicht. - Der Handel Deutschlands mit Russland wurde immer intensiver und die beiden Völker kamen sich auch durch persönlichen Austausch und Reiseverkehr immer näher auch die Eheschließungen über die Grenzen hinweg stiegen gewaltig an. - Alles war auf einem guten weg, wenn....ja wenn dann nicht eine ehemalige Kommunistin und FDJ-Sekretärin zur Kanzlerin gekürt wurde.....böse Zungen sagen ja, dass sie von den USA ausgesucht wurde, weil sie aufgrund ihrer Vergangenheit leicht erpressbar sein !?!? - Den USA und den ganzen Anglikanern waren die guten Beziehungen zwischen Deutschland und Russland schon lange ein Dorn im Auge und auch Kanzler Schröder, der nicht vom Friedenskurs abweichen wollte....also mußte dieser gehen....nach außen hin und für das Volk inszeniert durch einen frühzeitigen Rücktritt aufgrund der angeblich zerfallenen Koalition mit den Grünen. - Die FDJ-Sekretärin wurde dann tatsächlich als Kanzlerin "gewählt" und sorgte nun in der letzten Zeit dafür, dass das die Aussöhnung und Freundschaft mit Russland, die VIER KANZLER vor ihr gepflegt hatten, in Grund und Boden gestampft wurden. - Sie beteiligte sich mit Hintermännern an den US-Coup die Ukraine als Streitobjekt zwischen dem Westen und Russland aufzubauen und die friedlichen Beziehungen zu zerstören....ja schlimmer noch SIE unterstützte die US-NAZIS-Junta in der Ukraine und deren Völkermord im Donbas. - Diese Frau ist das Letzte was Deutschland und Europa benötigt,,

  • Schaut euch mal Youtube Videos aus letzter Zeit an, sehr, sehr interessant! Man möchte meinen der ist zu den Verschwörungstheoretikern übergelaufen.

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