Trauer trotz Befreiung
Der verheerendste Krieg der Geschichte

„Ganz Moskau war lärmend und lustig“, erinnert sich Stalins Tochter Swetlana an den 9. Mai 1945. "“Papa, ich gratuliere dir zum Sieg!“, konnte ich nur sagen, dann musste ich weinen“, gab die damals 21-Jährige in Walter Kempowskis Zeitzeugensammlung „Echolot“ zu Protokoll.

HB BERLIN. Wie anders die Stimmung bei der Familie von Ilse Schulz in Aussig im Sudetenland: „Wir hörten es mit gesenkten Blicken. Kein Gefühl der Erleichterung, der Hoffnung durchzog unser Herz.“

Der Tag der deutschen Kapitulation brachte nicht nur Jubel. Weltweit trauerten Millionen um ihre Kriegstoten. 50 Millionen Menschen fielen neuesten Schätzungen zufolge dem Weltkrieg zum Opfer, Millionen wurden versehrt oder verloren ihre Heimat - Zahlen, die auch heute nur schwer vorstellbar sind.

Nahezu alle Staaten der Welt waren von dem Krieg betroffen, kein Konflikt in der Geschichte war auch nur annähernd so verheerend. „Man muss sich das einmal vor Augen führen“, sagt der Militärhistoriker Gerhard Schreiber, der zum Jahrestag der Kapitulation eine neue Geschichte des Zweiten Weltkriegs herausgebracht hat: „Allein auf deutscher Seite starben im Herbst 1944 an der Ostfront jeden Tag 5000 Mann - das bedeutet: Täglich verloren 5000 Familien einen Angehörigen.“

Über die Gesamtzahl der Kriegstoten streitet die Forschung. Sicher ist, dass die Sowjetunion mit mindestens 20 Millionen getöteten Zivilisten und Soldaten den höchsten Blutzoll bezahlte. Danach folgt - was in Europa Wenigen bewusst ist - mit 15 Millionen Opfern China. Die Zahlen erzählen trotz oder gerade wegen ihrer unverstellbaren Höhe wenig von dem Elend auf den Schlachtfeldern der Welt. Dennoch: Kurz nachdem Generaloberst Alfred Jodl in Reims die bedingungslose Kapitulation des Deutschen Reiches unterzeichnet hatte, wurden Opferzahlen zum politischen Argument. Sowjetdiktator Stalin wurde beim Feilschen um Reparationen bei der Potsdamer Konferenz nicht müde, die höhere Opferzahl seines Volkes gegenüber Großbritannien und den USA hervorzuheben. London beklagte 386 000 Tote, Washington 400 000.

Für das Hitler-Reich gehen Historiker heute von sieben Millionen Toten aus, darunter eine halbe Million Zivilisten. Zwei Millionen starben auf der Flucht. Die wichtigste Zahl war in Diskussionen nach dem Krieg jedoch diese: sechs Millionen. So viele Menschen wurden von Deutschen systematisch vernichtet.

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