Trauerakt in der Düsseldorfer Synagoge
Herzliche Worte zum Abschied von Paul Spiegel

Mit einer Trauerfeier hat die Jüdische Gemeinde Düsseldorf Abschied von Paul Spiegel genommen. Rund 800 Menschen erwiesen dem am Sonntag im Alter von 68 Jahren verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland die letzte Ehre. Freunde und Weggefährten fanden sehr persönliche Worte.

HB DÜSSELDORF. An der Trauerfeier nahmen auch Prominente aus Politik und Showgeschäft teil. Spiegel war am Sonntag nach langer Krankheit gestorben. Am Nachmittag sollte Spiegel im engsten Familien- und Freundeskreis auf dem jüdischen Friedhof in Düsseldorf beigesetzt werden.

Während der Trauerfeier stand der nach jüdischer Sitte sehr einfach gezimmerte Sarg zwischen Kerzen vor dem Tora-Schrein der Synagoge. Zentralrats-Vizepräsident Salomon Korn sagte, Spiegel sei „von vielen Menschen nicht nur geachtet, sondern geliebt worden“.

Nach den Geboten des Talmud habe er „jeden Menschen nur nach seiner günstigen Seite betrachtet“ und sich damit unter Juden wie Nichtjuden großes Vertrauen und Zuneigung erworben. Paul Spiegel war vor sechs Jahren zum Präsident des Zentralrats der Juden gewählt worden.

 Die Trauerfeier in Bildern

Der Vorstandssprecher der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Ezrah Cohn, unterstrich den schweren Verlust, den die jüdische Gemeinschaft in Deutschland erlitten habe. In der Versöhnung mit Nicht-Juden sei Spiegel so entschlossen gewesen wie im Kampf gegen Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung. Der Verstorbene hatte in der Düsseldorfer Gemeinde mehr als 40 Jahre Ämter inne gehabt.

Der Düsseldorfer Rabbiner Julian Chaim Soussan sagte mit Blick zur Witwe und den beiden Töchtern Spiegels, „all die Menschen, die heute hier sind, sind seine Familie und Freunde“. Zu den Trauergästen gehörten Bundestagspräsident Norbert Lammert, Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sowie dessen Amtsvorgänger Wolfgang Clement. An der Trauerfeier in der Synagoge nahmen auch der Showmaster Frank Elstner teil, die Sängerin Vicky Leandros, der Schauspieler Ralf Möller, der TV-Talker Michel Friedman mit seiner Frau Bärbel Schäfer und der Publizist Ralph Giordano. Spiegel hatte in Düsseldorf viele Jahre eine Künstleragentur betrieben.

Zentralrats-Generalsekretär Stephan J. Kramer erklärte am Rande der Trauerfeier, die Frage der Spiegel-Nachfolge solle erst nach Ablauf der mehrwöchigen Trauerzeit diskutiert werden. Turnusmäßig stünden Präsidenten-Wahlen erst im Winter an. Geleitet wird der Zentralrat als oberste Vertretung der 110 000 Juden in Deutschland bis zur Wahl von den Vizepräsidenten Korn und Charlotte Knobloch.

Spiegel wurde am 31. Dezember 1937 im münsterländischen Warendorf geboren. Nach dem Abitur arbeitete er zunächst als Journalist und engagierte sich früh in der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf sowie im Zentralrat der Juden, der höchsten politischen und religiösen Vertretung der in Deutschland lebenden Juden, an deren Spitze er mehr als sechs Jahre stand.

Der Zentralrats-Präsident hinterlässt eine Frau und zwei erwachsene Töchter. Mit seiner Familie lebte er seit Jahrzehnten in Düsseldorf. Dort betrieb er seit 1986 auch eine Künstleragentur in Düsseldorf und vermarktete einige der erfolgreichsten Stars des Fernsehens und der Bühne.

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