Treffen angeblich in den kommenden Wochen
Merkel will mit Hedge-Fonds sprechen

Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich einem Magazinbericht zufolge in den kommenden Wochen mit Vertretern von Hedge-Fonds treffen.

HB BERLIN. Merkel wolle die Manager von den Vorzügen eines freiwilligen Verhaltenskodex überzeugen, berichtete das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ am Wochenende. SPD-Chef Kurt Beck äußerte sich enttäuscht, dass sich die G-8-Regierungschefs beim Gipfel in Heiligendamm nicht auf eine Forderung nach klaren Transparenz-Regeln geeinigt haben. Der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, warnte, steigende Zinsen könnten eine globale Marktkrise auslösen und Hedge-Fonds Probleme bereiten.

Die Teilnehmer des am Freitag zu Ende gegangenen Gipfels hatten sich lediglich darauf geeinigt, den Hedge-Fonds, ihren Geschäftspartnern und den Aufsichtsbehörden mehr Transparenz zu empfehlen. Das Ziel, einen verbindlichen Verhaltenskodex für die rasant wachsende Branche aufzustellen, scheiterte am Widerstand der USA und Großbritanniens, die ihre Finanzplätze New York und London schützen wollten.

Merkel unterstrich in Köln die Bedeutung von Regeln, die die Fonds überschaubarer machten. Dafür werde sie sich weiter einsetzen. Bei den Fonds handele es sich um Instrumente, mit denen man viel gewinnen, aber auch viel verlieren könne. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, schrieb in der „Frankfurter Rundschau“ mit Blick auf die G-8-Formulierungen: „Nett, aber wenig wirkungsvoll ist der moralische Aufruf, hier mehr Transparenz schaffen zu wollen.“ Beck sagte der „Bild am Sonntag“: „Für mich ist die bitterste Enttäuschung des G-8-Gipfels und eine schwere Niederlage für alle Gipfel-Teilnehmer, dass es nicht gelungen ist, für Hedge-Fonds - also Unternehmen, die sich in andere einkaufen, um sie auszubeuten - klare Transparenz-Regeln aufzustellen.“ Er hätte sich mehr Einsatz von Merkel erwartet.

In den vergangenen sechs Jahren haben Hedge-Fonds das von ihnen verwaltete Vermögen auf 1,5 Billionen Dollar verdreifacht. Die Kapitalsammelstellen werden kaum reguliert und sind in ihren Strategien am Kapitalmarkt frei. Zudem kaufen sich immer wieder Fonds in Unternehmen ein, um deren Management unter Druck zu setzen, die Rendite zu erhöhen oder Barreserven auszuschütten.

„Wenn die Zinsen steigen und die Kredite wieder teurer werden, wird es für alle Akteure schwieriger“, sagte Sibelius der „Welt am Sonntag“. Dabei könnten nicht nur auf private Beteiligungsgesellschaften, sondern auch auf Hedge-Fonds Probleme zukommen. „Wir wissen doch heute überhaupt nicht mehr, wer über welche Kapitalmarktinstrumente welche Risiken in seinen Büchern hat“, warnte er. „Wenn ein Großer kippt, kann das die Märkte in einer Kettenreaktion weltweit in Turbulenzen stürzen.“ Häufig leihen sich die Fonds Geld von Banken, die das damit verbundene Kreditrisiko wiederum am Kapitalmarkt verbriefen.

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