Treffen der G20-Länder
Finanzminister beschwören Inflation

Deutschland und Frankreich drängen auf eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung von Staatsschulden und steigenden Teuerungsraten. Nach Ansicht von Finanzminister Peer Steinbrück und seiner französischen Amtskollegin Christine Lagarde kann der Rückbau der gigantischen Rettungspakete nur mit „gemeinsamem und koordiniertem Vorgehen“ gelingen.

BERLIN/FRANKFURT. Die Finanzminister der Euro-Zone warnen vor wieder ansteigenden Inflationsraten in Europa. Auf dem G20-Vorbereitungsgipfel am Sonntag diskutierten die europäischen Ressortchefs intensiv über Möglichkeiten, mittelfristig hohe Inflationsraten zu bekämpfen, wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr. Zwar nehme der Preisauftrieb derzeit spürbar ab. Die weltweit niedrigen Leitzinsen und die schuldenfinanzierten Rettungspakete der Industrie- und Schwellenländer werden die Inflationsraten nach Einschätzung der Finanzminister in den nächsten Jahren aber wieder rapide steigen lassen.

Beim Treffen der europäischen G20-Länder drängten vor allem die französische Finanzministerin Christine Lagarde und ihr deutscher Amtskollege Peer Steinbrück (SPD) auf eine gezielte Inflationsbekämpfung. Steinbrück äußerte die Befürchtung, dass die Industriestaaten die Fehler nach den Anschlägen vom September 2001 wiederholen und zu viel Geld in die Märkte pumpen könnten. Sobald die Rezession und die Finanzmarktkrise überwunden seien, werde sich die Frage stellen, „ob wir die Kraft haben, diese Liquidität aus dem Markt wieder herauszuziehen. Und das wird sehr schwierig“, sagte Steinbrück, der das Thema auch beim nächsten Treffen der europäischen Finanzminister ansprechen will.

Wie eine solche Exitstrategie aussehen könnte, darüber gibt es unter den europäischen Staaten noch keine Verständigung. Nach Ansicht von Steinbrück und Lagarde kann der Rückbau der gigantischen Rettungspakete für die Banken und die Realwirtschaft nur mit „gemeinsamem und koordiniertem Vorgehen“ gelingen. Mit ihren Plänen wollen die europäischen Finanzminister nicht nur auf das Problem mittelfristig steigender Inflationsraten hinweisen, sondern den Märkten gleichzeitig signalisieren, dass die Regierungen einen dauerhaften Preisanstieg verhindern werden.

Auslöser der Debatte unter den Finanzministern sind die milliardenschweren Programme, mit denen Volkswirtschaften rund um den Globus die Konjunktur ankurbeln und Banken vor dem Bankrott retten. Die USA legten mit einem fast 800 Mrd. Dollar umfassenden Konjunkturpaket das größte ihrer Geschichte auf. Die deutschen Maßnahmen gegen den Abschwung summieren sich auf mehr als 80 Mrd. Euro. Die Kredite, die die Staaten für ihre Rettungsprogramme aufnehmen müssen, blähen die Geldmenge auf.

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