Treffen Putin und Schröder in Berlin
„Ungeachtet, ob er sein Amt behält“

Statt der vermuteten Wahlkampfhilfe für den Kanzler hat der Besuch des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Berlin etwas von Abschied.

BERLIN. Der Hintergrund ist politisch korrekt gewählt. Russische, deutsche und europäische Flaggen drapieren die Bühne, als Gerhard Schröder und Wladimir Putin lächelnd vor die Kameras treten. Schließlich ist das Projekt der Gas-Pipeline durch die Ostsee, für dessen Unterzeichnung beide den Rahmen geben, "gegen niemanden gerichtet". Das betonen der Bundeskanzler und der russische Präsident am Donnerstagnachmittag gleich mehrfach. Gegen niemanden - weder gegen Polen und die baltischen Staaten, noch gegen die CDU-Kanzlerkandidatin Angela Merkel.

Und deshalb demonstrieren die beiden ihren ganzen Stolz darauf, die politische Absicherung für den Milliardendeal geliefert zu haben. Gazprom, Eon und BASF wollen für rund 5,5 Mrd. Euro eine Gas-Pipeline durch die Ostsee ziehen. Offizielles Argument, das Geschäft nun in Berlin zu unterzeichnen, ist der bevorstehende 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der damaligen Sowjetunion und der Bundesrepublik. Aber neun Tage vor der Bundestagswahl gibt es wohl niemanden, der nicht an eine mögliche Wahlkampfhilfe des russischen Präsidenten für seinen deutschen Freund denkt.

Als der Kanzler forschen Schrittes zum vertraulichen Mittagessen das Restaurant "Hugos" betritt, flachst er denn auch ironisch mit Putin und den anwesenden Unternehmern: "Da sitzt ja meine Wählerinitiative." Dann macht man sich über europäische Hummer und das Kalbsfilet her. Später wischt der Kanzler aber, nun wieder ganz ernst, entsprechende Fragen beiseite: "Die Chefs der beiden deutschen Unternehmen Eon und BASF waren beide beim Reiten mit Angela Merkel - Sie glauben doch nicht, dass sie Wahlkampfhilfe für mich leisten wollen", sagt Schröder.

Und dann betont er staatsmännisch großzügig, dass es doch immer gute deutsch-russische Beziehungen gab, die unabhängig von persönlichen Bindungen existieren müssen. "Natürlich hilft es, falls auch die gut sind." Und er habe mit dem deutsch sprechenden Putin eben Glück gehabt. Tatsächlich klingt es fast wie ein Patzer, als Schröder hinzufügt: "Ich bin dankbar für die Freundschaft, die mir gewährt worden ist." Das klingt nach Abschluss und plötzlich gar nicht danach, dass der Kanzler an seine Wiederwahl am 18. September glaubt.

Wie vertraut die beiden wirklich sind, zeigt die Tatsache, dass Putin am Morgen von Berlin aus den ukrainischen Präsidenten angerufen hat, um über die dortige Krise zu sprechen. "Von meinem Büro aus", wie Schröder zufrieden betont.

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