Treibhausgas-Ausstoß
Deutschland verfehlt Klimaziel 2020 drastisch

Nach Einschätzung der Denkfabrik „Agora Energiewende“ wird Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele für 2020 drastisch verfehlen. Auch die Bundesumweltministerin fordert, dass die neue Bundesregierung nachlegt.
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BerlinDeutschland hat sich zum Ziel gesetzt, seine Treibhausgasemissionen bis 2020 gegenüber 1990 um mindestens 40 Prozent zu reduzieren. Dass dieses Ziel erreicht wird, ist seit längerer Zeit fraglich. Die Denkfabrik „Agora Energiewende“ prophezeit, dass ohne kräftiges Gegensteuern Deutschland das Klimaschutzziel „drastisch“ verfehlen wird. Der Ausstoß von Treibhausgasen werde gegenüber 1990 um lediglich 30 bis 31 Prozent zurückgehen, hieß es am Donnerstag. Die Prognose von Agora basiert auf offiziellen Zahlen der Bundesregierung, die um aktuelle Daten ergänzt wurden.

Die Botschaft ist klar: Die Große Koalition hat geschlafen, die nächste Bundesregierung muss die Klimaschutzbemühungen erheblich verstärken, wenn Deutschland die Erfüllung seiner selbst gesetzten Ziele wirklich ernst nimmt. Agora-Chef Patrick Graichen formuliert es so: „Ein Scheitern beim Klimaziel 2020 schadet nicht nur dem Klima, sondern auch Deutschlands internationaler Rolle, an der alle Regierungen seit Helmut Kohl jahrelang gearbeitet haben.“

Klimaschützer stimmten Agora zu: Das absehbare Scheitern beim Erreichen der Reduktionsziele sei ein „erbärmliches Zeugnis klimapolitischen Versagens“, wettert etwa die Organisation Oxfam. Und die Natur- und Umweltschutzorganisation WWF fordert, die nächste Bundesregierung müsse in ihren ersten 100 Tagen ein „Sofortprogramm Klimaschutz“ auflegen, in dessen Mittelpunkt die schnelle Abschaltung von Uralt-Kraftwerken stehen müsse. Die Grünen forderten erneut den sofortigen Stopp der 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) widerspricht: „Ich sehe das nicht so negativ wie der Think Tank Agora“, sagte sie am Nachmittag bei einem Gespräch mit dem WWF. Aber ja, die neue Bundesregierung müsse nachlegen, so die Ministerin. Es sei allerdings nicht okay, immer nur die Schließung von Kohlekraftwerken zu verlangen. Als Industrieland könne man nicht einfach nur ein Enddatum setzen, mahnte Hendricks. „Wir brauchen alternative Beschäftigungsmöglichkeiten.“ Zudem bestehe im Bereich Verkehr, so die Ministerin, der größte Nachholbedarf. Hier seien die Treibhausgase seit 1990 sogar gestiegen.

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Klimaschutzbericht soll Kabinett 2018 vorgelegt werden

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  • Bis 2011 machten die umweltfreundlichen Kernkraftwerke etwa 30% der Stromerzeugung Deutschlands aus.

    Mit den Reaktorunfällen von Fukushima wurde die Stilllegung dieser zukunftsträchtigen Energieerzeugung forciert. Umweltschädliche Windmühlen und Solaranlagen speisen den umweltschädlichen Ökostrom entsprechend der Launen des Wetters, der Tages und Jahreszeit ein. Etwa 5000h/Jahr wird wenig Ökostrom eingespeist. So haben die CO2 Emissionen zugenommen.

    Mittlerweile hat die Kanzlerin das Auto als "Brückentechnologie" bezeichnet. Dies tat sie mit der umweltfreundlichen Kernenergie ab 2010. So kann man annehmen, dass es dem Auto an den Kragen geht und die "Klimaziele" erreicht werden.

    Der "Klimawandel" beruht auf einer sehr dürftigen, einst wissenschaftlichen Hypothese. Diese wird als Weltuntergangskatastrophe analog des Waldsterbens der 80er Jahre vermarktet.

  • Deutschlands Ziele in Sachen Klima sind irrelevant. Das Land ist völlig unwichtig, hat es doch kaum noch Industrien, so wie die EU eher ein Agrarland ist. Daher ist auch die Zuwanderung, in Sachen Baumschüttler als Facharbeiter, mittlerweile glaubhaft. Der Verfall in Richtung dritte Welt ist so schnell, daß ich noch vor zwei Jahren nicht von brauchbaren Facharbeitern geschrieben hätte.
    Demnächst können Gehilfenprüfungen für Fruchtarten abgenommen werden. Zitrone Dattel u.s.w.

  • Das eine ideologische Ziel verträgt sich halt nicht unbedingt mit einem anderen ideologischen Ziel.

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