Trennbankensystem
Schäuble offen für Banken-Aufspaltung

In die Debatte um die Bewältigung der Euro-Schuldenkrise kommt Bewegung. Nachdem SPD und Linke eine Neuordnung des Bankensystems gefordert hatten, kommt Schäuble aus der Deckung – mit einem drastischen Vorschlag.
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BerlinDie Bundesregierung steht einer internationalen Debatte über ein Trennbankensystem offen gegenüber. „Darüber sollte auf internationaler Ebene intensiv diskutiert werden“, sagte ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Montag in Berlin.

Es gebe bereits interessante Ansätze wie einen Vorschlag aus Großbritannien. Bereits während der Finanzkrise 2008/09 waren Ideen aufgekommen, Investment- und Geschäftsbanken stärker voneinander zu trennen.

Am Wochenende hatte SPD-Chef Gabriel die Debatte aufgegriffen, die auch von der Industrieländerorganisation OECD angeregt wurde.

Gabriel sagte dazu im Deutschlandfunk, nur durch eine Banken-Aufspaltung könne die Politik verhindern, dass wenn Spekulationen schiefgingen, immer gleich die Sparkonten dran glauben müssten oder Geschäftsbanken dann kein Geld mehr hätten, um der mittelständischen Wirtschaft Kredite zur Verfügung zu stellen.

Der frühere Linken-Parteichef Oskar Lafontaine forderte in der „Passauer Neuen Presse“ vom Montag, das Bankensystem müsse durchgreifend öffentlich-rechtlich organisiert werden. „Wir brauchen Sparkassen statt Zockerbuden.“ In der Finanz- und Eurokrise könne es keine wirkliche Rettung geben, „wenn wir nicht radikal umsteuern“. Lafontaine warf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, in der Krise „immer das Falsche“ gemacht zu haben. „Sie versteht die Wirkungsweise der Finanzmärkte schlicht und einfach nicht.“ Eine Rekapitalisierung der Banken darf nicht nach Merkels Vorstellungen vollzogen werden. Es könne nicht sein, dass die Allgemeinheit die Verluste übernehme und die Gewinne später privatisiert würden.

Am Wochenende hatten weltweit erstmals hunderttausende Menschen gegen die Macht der Banken demonstriert. Auch in Frankfurt am Main gingen die Bürger auf die Straße und protestierten gegen eine mögliche staatliche Unterstützung für Banken, die infolge der Schuldenkrise in Griechenland ins Trudeln geraten könnten.

Kommentare zu " Trennbankensystem : Schäuble offen für Banken-Aufspaltung"

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  • Weg mit den Banken! Die haben doch die vielen Staatsanleihen verkauft und somit die Staatsverschuldung in die höhe getrieben.
    Weg mit den Aktionären, die mit ihrem Gezocke Geld verdienen, ohne zu arbeiten. Da sie aber mit den Aktienkäufen erst die Entstehung vieler Firmen möglich machen und somit Millionen Arbeitsplätze schaffen,
    werden wir diese Firmen nicht schließen sondern in Staatseigentum verwandeln. Um das Projekt zu finanzieren, werden wir Staatsanleihen verkaufen.
    Da wir dann aber keine Banken mehr haben, werden wir das selbst übernehmen. Wir, das sind alle guten Genossen und unsere Freunde, die in diesen Tagen mit Plakaten vor die Banken ziehen.
    Die Plakate vertauschen wir mit Bauchläden für die Staatspapiere und hoffen auf regen Absatz. Denkt an eure Arbeitsplätze.
    Wir hoffen, dass uns der Schäuble, Angela Merkel, der Müller und alle, die uns jetzt zum Protest gegen die Banken aufhetzen, ich meine natürlich aufrufen, uns dann aktiv beim Verkauf der Staatsanleihen unterstützen werden.
    Schließlich liegt das ja auch im Interesse der Volksvertreter. Wo sollen denn sonst die Gelder für die nächste Diätenerhöhung herkommen. Also Genossen, wir sind das Volk oder zumindest ein Teil davon. Beweisen wir, dass wir es besser können, wir - die Besserwisser!

  • Zitat: "Wir brauchen Sparkassen, keine Zockerbuden!" Haben Sie eine Ahnung, Herr Lafontaine. In den Sparkassen wird nicht nur gezockt bis es kracht, sondern es wird sogar auch Steuergeld im großen Stil gewaschen. Die Sparkassen geben günstige Kredite, Mietgarantien, etc. an Freunde der Vorstände und Lokalpolitikern, diese Belasten das Ergebnis, und es wird eine Eigenkapitalaufstockung notwendig - aus Steuergeldern. Sehen Sie sich doch mal die Erfolgstory von HRE,KfW,IKB,Bayern LB,LBBW,West LB, SpKB an. Der beharrliche Diletantismus an der Spitze dieser staatlichen, oder staatsnahen Banken kann kein unglücklicher Zufall sein, er ist systematischer Diebstahl am deutschen Volk.

  • Jedem Politiker, der nach seiner Karriere einen Aufsichtsratsposten bei einer Bank im Auge hat, muss die Diskussion über ein Trennbankensystem grosse Sorgen machen.

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