Triumph für die Grünen

Fritz Kuhn siegt bei OB-Wahl in Stuttgart

Es ist ein weiterer Rückschlag für die Union und ein enormer Fortschritt für die Grünen: Ihr Kandidat Fritz Kuhn wird Oberbürgermeister in Stuttgart. Nun muss er seiner Sonderrolle gerecht werden.
Update: 21.10.2012 - 21:23 Uhr 47 Kommentare

Stuttgart wird grün

StuttgartUm 19.14 Uhr steht fest, was viele schon lange geahnt haben: Stuttgart wird grün - ganz grün. Nachdem die CDU vor eineinhalb Jahren bereits das Amt des Ministerpräsidenten an die Grünen verlor, muss sie nun auch den Oberbürgermeister-Posten an die Konkurrenz abgeben. Grünen-Realpolitiker Fritz Kuhn (57) wird erster Rathauschef seiner Partei in einer Landeshauptstadt überhaupt. Während die Grünen den Triumph am Sonntag ausgelassen feiern, hat die Stimmung bei der Südwest-CDU einen weiteren Tiefpunkt erreicht. 38 Jahre lang hatte sie den OB-Sessel inne - nun ist auch der futsch.

Der von CDU, FDP und Freien Wählern aufgestellte parteilose Kandidat Sebastian Turner (46) lag mit 45,3 Prozent der Stimmen weit abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Kuhn war ihm mit 52,9 Prozent um Nasenlängen voraus. Er profitierte auch davon, dass die von der SPD aufgestellte Kandidatin Bettina Wilhelm und der Stuttgart-21-Gegner Hannes Rockenbauch im zweiten Wahlgang nicht mehr angetreten waren. Ein Großteil der Stimmen für Wilhelm und Rockenbauch dürften nun auf Kuhn entfallen sein - die SPD hatte zum zweiten Wahlgang ausdrücklich für den Grünen geworben. Turner sieht dies als einen Grund für seine Wahlniederlage. Der Plan des Werbeprofis, das bürgerliche Lager noch stärker für sich zu mobilisieren, ging nicht auf.

So schließt sich ein Kreis dort, wo er vor mehr als 30 Jahren seinen Anfang genommen hatte: Es war in Baden-Württemberg, wo die Grünen 1980 ihren Bundesverband gründeten und das erste Mal in einem Flächenland in einen Landtag einzogen. Fritz Kuhn war damals dabei, bevor er in der Bundespolitik als Partei- und Fraktionschef Karriere machte.

Schon 1996 schickten sich die Grünen an, in Stuttgart den OB zu stellen. Doch Rezzo Schlauch - ebenfalls ein ausgewiesener Realo - lag damals knapp hinter Wolfgang Schuster (CDU), der die Stadt bis jetzt führt und nicht für eine dritte Amtszeit zur Verfügung stand. Im Gemeinderat sind die Grünen bereits seit 2009 stärkste Kraft.

Mit Riesenjubel, zahlreichen Umarmungen, einem Blumenstrauß und einem großen Lebkuchenherz wird Kuhn am Sonntagabend im Rathaus empfangen. Zusammen mit dem grünen Ministerpräsident Winfried Kretschmann bahnt sich Kuhn mühsam den Weg durch die Menschen. "Ich bin froh, dass das heute so ausgegangen ist", sagte Kuhn. Die Mehrheit der Stuttgarter habe ihm das Vertrauen geschenkt.

„Ich bin einer für ganz Stuttgart“
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47 Kommentare zu "Triumph für die Grünen: Fritz Kuhn siegt bei OB-Wahl in Stuttgart"

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  • Gratulation! Ein Sieg auch für unsere Demokratie, die ja gerade in Stuttgart Dank S21 eine wunderbare Auferstehung erlebt hat. Dem Filz im Ländle geht es endlich an den Kragen!

  • ::::::::::::::::::::::::
    AM 01.JAN. 2013 WERDEN IM STUTTGARTER
    RATHAUS ALLE COMPUTER ENTFERNT UND STEH-
    PULTE WIEDER INSTALLIERT..!!
    ..
    ALLE AMPELN WERDEN AUF ROT GESTELLT..!!
    ..
    DAIMLER WIRD NUR NOCH FAHRRÄDER BAUEN -
    VERLEGT ABER SEINEN HAUPTSITZ NACH BAY-
    ERN..
    ..
    DER "MINISTER MIT KNOPF IM OHR" BIETET
    EIN PROJEKT - UNSER NACHBAR DER BORKEN-
    KÄFER...
    ::
    ::

  • Leute wie Güllner mit seinen getürkten Umfragen eher!

  • Ich empfehle allen die Grün so toll finden, mal das Buch des Forsa-Chefs Manfred Güllner zu lesen
    "Die Grünen sind eine Gefahr für die Demokratie"

  • Sailing
    völlig richtig

  • Gaishirtle
    Und rechnet/überschlägt man nun einmal, dass die Wahlbeteiligung bei 47,5% lag, dann regiert Kuhn nun mit ca. 24% oder so ähnlich
    Aber auf die geringe Wahlbeteiligung nahm der Autorr gar nicht Stellung.
    Diese geringe Wahlbeteiligung ist aber mMn viel schlimmer, denn sie zeigt, dass die Mehrheit der Bürger sich angeekelt von der Politik abwendet und das ist gefährlich
    Dies sollte alle Parteien und Politiker aufschrecken

  • Andre
    das wollte ich auch gerade schreiben
    Wenn also die Muslime noch Macht bekommen, christliche-kulturelle Feiertage abgeschafft werden, weil man Muslime beleidigen könnte, für Lehrerinnen Kopftuch erlaubt wird usw.
    dann wachen vielleicht einige auf

  • :::::::::::::::::::::
    OB WAHL IN STUTTGART
    :::::::::::::::::::::
    IN SÄMTLICHEN ROT-GRÜN REGIERTEN
    STÄDTEN UND BUNDESLÄNDERN WURDE.
    INTEGRATIONSPOLITIK AN DIE WAND.
    GEFAHREN UND ES SIND PARALLELGE-
    SELLSCHAFTEN ENTSTANDEN..
    .
    siehe......neukölln ist überall
    von heinz buschkowsky, spd.....
    bezirksbürgermeister..berlin...
    .
    ES WIRD ENDLICH ZEIT, DIE GRÜNEN
    FANTASIEN ZU STOPPEN UND DIE REA-
    LITÄTEN ANZUERKENNEN..
    :::
    :::

  • Schaut man sich die Wahlbeteiligung an, so läßt sich festellen, dass es über die Hälfte der Wahlberechtigten nicht interessiert wer ins Rathaus einzieht.
    Bis auf die Grünen hat es keine der im Bundestag vertretenen Parteien geschafft einen eigenen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Was aber viel erschreckender war, ist, dass die von den großen Parteien unterstützten Kandidaten eine unseren Politikern ähnelnde "Farblosigkeit" präsentierten, somit hat am Ende das kleinere "Übel" gewonnen.

  • Turner hatte sogar die Chuzpe, Kuhn die Wirtschaftskompetenz abzusprechen. Vielleicht hätte er sich besser mal Kuhns Curriculum Vitae genauer angeschaut, insbesondere Kuhns Funktionen in Ausschüssen sowohl des Lantags als auch des Bundestags.

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