Trotz Atomausstiegs: Deutschland exportiert Strom nach Frankreich

Trotz Atomausstiegs
Deutschland exportiert Strom nach Frankreich

Trotz der Stilllegung von acht Atomkraftwerken produziert Deutschland mehr Strom, als im Inland verbraucht wird. Der Überschuss wird ausgerechnet nach Frankreich exportiert, wo derzeit 55 Kernreaktoren in Betrieb sind.
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BerlinTrotz Atomausstiegs und Energiewende produziert Deutschland auch bei anhaltenden Minusgraden mehr Strom, als im Inland verbraucht wird. Deutschland kann also exportieren und besonders Frankreich, das nach der Stilllegung von acht deutschen Atomkraftwerken zeitweise viel Strom in das Nachbarland ausführte, ist derzeit auf „Stromhilfe“ angewiesen.

Die Bürger werden schon aufgefordert, abends auf das Anwerfen der Waschmaschine zu verzichten. Die seit Tagen anhaltende Eiseskälte treibt im Nachbarland Frankreich derzeit den Stromverbrauch in Rekordhöhen. Abends, wenn viele Franzosen nach Hause kommen und die zahlreich vorhandenen Stromheizungen anwerfen, werden bis zu 100.500 Megawatt an Leistung benötigt, geschehen am Dienstagabend.

Dass die französischen Energieversorger nun ausgerechnet aus der Bundesrepublik Stromhilfe benötigen, ist für die Regierung in Paris, aber auch für deutsche Atomlobbyisten bitter. In Frankreich war Deutschland für die überstürzte Stilllegung von acht Atommeilern etwas belächelt worden. Nach dem GAU in Fukushima führten deutsche Energiemanager Stromimporte aus Frankreich als Beleg dafür an, dass die Energiewende ein Irrsinn sei.

Nun leuchtet auf den Seiten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber fast zu allen Tageszeiten Deutschland gelb - das bedeutet, es gibt einen Exportüberschuss beim Strom. Ein Teil geht stets nach Frankreich, das fast die ganze Zeit blau eingefärbt ist - der Bedarf kann nicht mehr mit eigenen Kraftwerken gedeckt werden, trotz derzeit 55 Atomkraftwerken, die eine Leistung von rund 60.000 Megawatt haben.

Frankreichs Energieminister Eric Besson betont, dass die aktuelle Lage eine Ausnahmesituation sei. „Über das Jahr gesehen sind wir Stromexporteur“, ließ er mitteilen.

Die aktuelle Situation ist allerdings auch in anderer Hinsicht trügerisch. Fallen mehrere Kraftwerke aus, könnte sich auch in Deutschland die Lage weiter anspannen, vor allem wenn es zusätzlich Wetterlagen mit wenig Wind und viel Wolken gibt. Das zeigt, wie volatil die Situation im Zuge der Energiewende ist. Den Großteil der Versorgung decken weiterhin konventionelle Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke ab.

Trotz fast 50.000 Megawatt (MW) an installierter Leistung bei Windkraft- und Solaranlagen liefern diese je nach Wetter teils nur 5000 bis 10.000 MW Strom - auch wenn sie gerade in der Mittagszeit Verbrauchsspitzen abfedern.

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RWE vergleicht Situation mit der Titanic

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  • Letztens beim Abendspaziergang, es war mittlerweile 22:00h, wir schrieben den 18.01.2012 sah ich in ein klaren Nacht, zuerst graue bis schwarze Wolken, die durch ein orangfarbenes, mehrfach geteiltes, langgestrecktes Wolkenfeld von Nordwest in Richtung Südost bewegte.
    Nachdem ich einen Anruf erhielt, erzählte ich dem Gesprächspartner von diesem Naturereignis und er war samstags auch noch der Meinung, es kann eigentlich nicht aus Cattenom kommen, eher wäre bei diesen Winden, die aus südöstlicher Richtungs (Ukraine) nuklear belastet.
    Seite heute berichtet die lokale Zeitung davon, daß es sich um einen Störfall gehandelt hat. Ebenso "tageblatt" aus Luxemburg und "Das Wort". Die Störmeldung wurde zwar verspätet durch Frankreich herausgegeben, in Deutschland und Luxemburg erst heute kommentiert.

    Bei soviel fürsorglicher Menschlichkeit hat Claude Juncker das richtige Wort gefunden, abschalten. Und da hat es noch mehr KKW, die den Anforderungen wider die Betriebsordnung, gerade die Störfälle seit Jahr und Tag heraufbeschwören, von denen man die Menschheit bewahren sollte.

    Frankreich, als Atommacht, hat eben auch mit allen Mitteln auf diese Technik wert gelegt und muß nun feststellen, daß alles nicht so sein kann, wie es sein sollte. Sicher, abschalten.

  • Wo ist Vandale?

    Die Franzosen kaufen den um die Mittagszeit billigen Strom, füllen damit ihre Speicherseen und können dann zu den abendlichen Stromspitzen den Strom gut verkaufen.
    Deutschlands Bürger zahlen die Differenz zwischen dem billigen Strom zur Mittagszeit und dem Strompreis, der an die Photovoltaikbetreibern für den zur gleichen Zeit erzeugen Strom entrichtet werden muß.

  • CO2 ist Pflanzenrohstoff und überhaupt ein Abzock-Szenario sondergleichen. An den 0,03% Luftgehalt wird viel zu viel Bedeutung beigemessen. http://alles-schallundrauch.blogspot.com/search/label/Energie

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