Trotz drei Millionen Joblosen: Arbeitsmarkt startet so gut ins Jahr wie lange nicht

Trotz drei Millionen Joblosen
Arbeitsmarkt startet so gut ins Jahr wie lange nicht

Die Arbeitslosigkeit hat zugenommen – aber nicht so stark wie sonst in dieser Jahreszeit. Obwohl die Zahl der Joblosen wieder über drei Millionen gestiegen ist, sind die aktuellen Zahlen der Bundesagentur ermutigend.
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NürnbergDie Zahl der Arbeitslosen ist im Januar erstmals seit zehn Monaten wieder deutlich über die Marke von drei Millionen gestiegen. Trotzdem hat der Arbeitsmarkt in Deutschland einen so guten Jahresauftakt erlebt wie lange nicht mehr. Erstmals seit 15 Monaten waren im Januar nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) wieder weniger Menschen arbeitslos gemeldet als ein Jahr zuvor.

„Das bislang milde Wetter spielte dabei kaum eine Rolle“, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag bei der Bekanntgabe der Zahlen in Nürnberg. Einen großen Anteil an dem für die Jahreszeit geringen Anstieg habe gehabt, dass mehr Menschen durch Teilnahme an Fördermaßnahmen aus der Statistik herausgefallen seien. Aber auch die gute Konjunktur habe ihren Anteil daran.

Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Januar zwar erstmals seit zehn Monaten wieder deutlich über die Marke von drei Millionen. Der Anstieg fiel aber deutlich geringer aus als für die Jahreszeit üblich. Bei der Behörde waren im Januar 3,136 Millionen Arbeitslose registriert. Das seien 263.000 mehr gewesen als im Dezember, aber 2000 weniger als vor einem Jahr. Üblich war in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Arbeitslosenzahl von Dezember auf Januar um etwa 300.000. Die Arbeitslosenquote stieg laut BA auf 7,3 Prozent.

„Jenseits der Saisoneffekte entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiter positiv“, sagte Alt. Unter Herausrechnung der jahreszeitlichen Einflüsse ging die Arbeitslosenzahl unerwartet deutlich um 28.000 zurück. Volkswirte hatten eine Abnahme um 5000 erwartet. Alts Vorstandskollege Raimund Becker sagte, etwa drei Viertel des Rückgangs erklärten sich durch mehr Teilnehmer an Fördermaßnahmen. „Zu einem Viertel kann man das konjunkturell verorten“, sagte Becker.

Ein starker Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit ist im Januar üblich, weil in den Außenberufen wie am Bau aufgrund des Wetters weniger gearbeitet wird. Hinzu komme, dass nach dem Weihnachtsgeschäft und zum Jahresende Arbeitsverträge ausliefen, sagte Alt. Zudem stellten Unternehmen zum Jahresanfang weniger ein. Der Anstieg in diesem Jahr sei aber um etwa 50.000 Arbeitslose geringer als im Durchschnitt der vergangenen vier Jahre für den Januar. Alt sagte, „wahrscheinlich im April“ werde die Marke von drei Millionen Arbeitslosen wieder unterschritten.

Ökonomen zeigten sich optimistisch angesichts der aktuellen Zahlen. „Das hat nicht nur mit dem milden Wetter zu tun. Der Arbeitsmarkt scheint sich tatsächlich zu beleben“, sagte Stefan Kipar von der BayernLB. „Der Jobaufbau dürfte sich so stark fortsetzen, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresverlauf weiter sinkt“. Holger Sandte von Nordea kommentierte: „Die niedrige Arbeitslosigkeit und die geringe Inflation stützen den Konsum, die Stimmung in den Unternehmen ist gut.“.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Da ist zuviel Schönfärberei im Spiel.Zu den 3 Millionen
    Arbeitslosen kommen noch 3 Millionen Unterbeschäftigte
    mit Arbeitslosenähnlichen Status. Auch spielt der verhältnismäßig milde Winter momentan noch eine positive Rolle. Die sich anbahnende Börsenkrise und Massenzuwanderung aus der EU werden zudem zukünftig belasten. Niemand möge deshalb Siegeslieder anstimmen.

  • Die 5 - 7 Mio an Arbeitslosen + die 30 Mio Arbeitslosen + die Millionen von prekär Beschäftigten in der EU werden sich irgendwann ruckartig ihr Recht erkämpfen.

    Deutschland wird dann zuwenig Laternen haben.
    Und die politische Prominenz wird zu unsportlich sein, um der europäischen Revolution zu entrinnen.

  • Das sind doch nur die üblichen Schönfärbereien. Die Arbeitslosigkeit steigt seit über einem Jahr permanent und dennoch wird versucht, mit statistischen Eiertänzen, das Ganze schön zu reden. Frau Merkel hat gerade bei ihrer Regierungserklärung fabuliert, dass es Deutschland gut gehe und der Optimismus so groß sei, wie nach der Wiedervereinigung. Es gibt in der Politik und am Arbeitsmarkt nur noch Narrative, die den Menschen ein Bild vorgaukeln, das mit der Realität nichts mehr zu tun hat. Gestern Abend war im MDR-Fernsehen zu hören, dass wir eine Weiterbildungsindustrie in Deutschland haben, die von der Agentur für Arbeit mit 8,5 Mrd. "subventioniert" wird, aber so gut wie keine Ergebnisse bringt. Da gibt es Menschen, die 20 Jahre von einer Maßnahme in die andere gedrängt werden und mit psychologischen Tests für unfähig erklärt, wenn sie eine sinnstiftende und qualifizierende Umschulung machen wollen. Es ist eine Schande, wenn man sieht, wie die Agenda 2010 mit ihren Hartz IV Gesetzen Menschen zu Bittstellern macht. Da man immer deutlicher sieht, dass diese "Reformen" nicht bringen, versuchte die Bertelsmann-Stiftung zusammen mit dem IZA (beides verlängerte Werkbänke der ISNM)in einer Studie, die das Papier nicht wert ist, den Menschen zu suggerieren, die Prekarisierung am Arbeitsmarkt verdränge keine Vollzeitjobs. Die Medien hecheln das in ihrem neoliberalen Gesumse nach, obwohl es heißen müsste: Atypische Beschäftigung steigt erheblich schneller als Normalarbeitsverhältnisse. Oder: Jede/r Vierte ist inzwischen atypisch beschäftigt und jede/r Fünfte Vollbeschäftigte arbeitet für einen Lohn an der Armutsgrenze. Stattdessen einfach nur noch widerlich und grotesk. Spätestens, wenn dieser marktradikale Traum ausgeträumt ist, wird die nächste Verzichts-Runde eingeläutet. Ob die Leute sich das dann immer noch gefallen lassen ist die große Frage. Die Radikalisierungen und Rechtsrucke in Europa sprechen sehr dagegen.

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