Trotz Folgen fürs Exportgeschäft
Steinbrück redet starken Euro schön

Die anhaltende Schwäche des US–Dollars treibt Unternehmern und Managern den Schweiß auf die Stirn. Die Entwicklung belastet zunehmend das Exportgeschäft deutscher Firmen. Konzerne müssen sich teuer gegen das Wechselkursrisiko absichern. Umso überraschender klingt da jetzt eine Aussage von Finanzminister Steinbrück.

HB BERLIN. „Wir Europäer bevorzugen eher eine starken als einen schwachen Euro“, sagte der SPD-Politiker der „Financial Times Deutschland“. Der Bremseffekt des hohen Euro sei begrenzt, denn dadurch werde das Rohöl billiger.

Zur anziehenden Teuerung sagte Steinbrück, auch wenn die Inflationsrate von drei Prozent für November die aktuelle Diskussion bestimme: „Im nächsten Jahr erwarten Experten wieder einen Wert von unter zwei Prozent.“ Die Inflation werde die Verbraucher auf Dauer nicht beeindrucken.

Der Finanzminister gab sich überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft auch durch die Turbulenzen an den Finanzmärkten „nicht in einen Strudel gerissen“ werde. Es gebe eine Menge Signale für eine gute Konjunktur auch im kommenden Jahr. „Die Inlandsnachfrage zieht an, weil der negative Effekt der Mehrwertsteuererhöhung überwunden ist, weil wir höhere Tarifabschlüsse haben und der Abbau der Arbeitslosigkeit weitergeht.“

Am Freitag kostete der Euro zeitweise 1,475 Dollar. Experten rechnen damit, dass der Euro in absehbarer Zeit die Marke von 1,50 Dollar überspringen kann.

Von der Dollar-Schwäche betroffen sind Unternehmen, die die Herstellung ihrer Produkte in Euro bezahlen, von den Kunden aber in Dollar entlohnt werden. In Deutschland leiden traditionell die Branchen Automobilbau, Chemie und Maschinenbau unter einer Dollarabwertung. Für die Premiumbauer BMW, Mercedes und Porsche sind die USA als größter Automarkt der Welt von entscheidender Bedeutung. Die Konzerne müssen sich teuer gegen das Wechselkursrisiko absichern. Allein BMW kostete das im vergangenen Jahr 666 Mill. Euro. Um das Währungsrisiko zu verringern, wollen die Münchener die Produktion im Werk Spartanburg in South Carolina bis 2010 von derzeit 140 000 auf 250 000 Autos hochfahren.

Wegen des Euro-Höhenfluges beschleunigt der Airbus-Mutterkonzern EADS die Verlagerung der Flugzeugproduktion in Länder außerhalb Europas. Am Montag unterzeichnete EADS eine Absichtserklärung mit der chinesischen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), wonach fünf Prozent des Zukunftsjets A350 in China gefertigt werden sollen.

Besorgter als Steinbrück zeigte sich sein Ministerkollege Michael Glos (CSU). Der Bundeswirtschaftsminister appellierte an die USA, den Dollar nicht zu sehr absacken zu lassen. In der Haushaltsdebatte des Bundestages sagte er am Freitag in Berlin, die Abschwächung des Dollar und der Höhenflug des Euro habe nichts mit langsamen Wertkorrekturen zu tun. Eine zu rasche Aufwertung des Euro behindere die deutschen Exporte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%