Trotz Gegenwind
Von der Leyen hält an Frauenquote fest

Ursula von der Leyen setzt sich weiterhin für eine gesetzliche Frauenquote in deutschen Führungsetagen ein. Sie spricht damit aus, was 70 Prozent der Deutschen denken, aber widersetzt sich dem Machtwort der Kanzlerin.
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BerlinBundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will sich einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ zufolge trotz des Machtworts von Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) für eine verbindliche Frauenquote in den Vorständen und Aufsichtsräten der deutschen Dax-Unternehmen einsetzen. „Die Führungsspitzen von deutschen Großunternehmen sind immer noch geschlossene Zirkel“, kritisierte sie im Gespräch mit der Zeitschrift. „Da wechseln häufig dieselben Männer zwischen Vorständen und Aufsichtsräten.“

Wegen dieses „Verschiebebahnhofs“ gebe es immer noch viel zu wenige Frauen an der Spitze dieser Firmen. Derzeit sind von rund 180 Vorstandsposten in den Dax-Unternehmen nur fünf von Frauen besetzt. „Ich jedenfalls werde einen Zuwachs von einem halben Prozentpunkt in zehn Jahren nicht als Revolution feiern.“

Von der Leyen macht sich für eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent für Dax-Unternehmen bis zum Jahr 2018 stark. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterstützt das Vorhaben aber nicht. Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) zieht eine für jedes Unternehmen unterschiedliche „Flexi-Quote“ zur Förderung von weiblichen Führungskräften vor. Im März hatten sich die 30 Dax-Unternehmen verpflichtet, mehr für die Frauenförderung zu tun und versichert, in diesem Jahr eine selbst definierte Quote festzulegen.

Deutsche wollen Frauenquote für Führungspositionen

Die Mehrheit der Bundesbürger ist für die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote. In einer repräsentative Umfrage im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hätten sich 70 Prozent der Bevölkerung für gesetzliche Regelung ausgesprochen, berichtete die „Welt am Sonntag“, der die bisher unveröffentlichte Umfrage vorliegt. Demnach sind 79 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer in Deutschland der Meinung, die Politik solle eine höhere Zahl an weiblichen Führungskräften gesetzlich verankern.

Zudem sind 95 Prozent der Frauen der Auffassung, es gebe in Deutschland genügend Frauen, die für eine Tätigkeit im Topmanagement geeignet sind. Auch 88 Prozent der befragten Männer stimmen dieser Aussage zu.

Schwesig kritisiert „steinzeitliche“ Chefetagen

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig kritisierte: „Noch nie waren junge Frauen in Deutschland so gut qualifiziert wie heute, aber Deutschlands Chefetagen sind bei der Frauenförderung noch in der Steinzeit.“ Sie forderte eine gesetzlich geregelte Frauenquote von mindestens 40 Prozent für Vorstände und Aufsichtsräte der großen deutschen Unternehmen. „Freiwillige Vereinbarungen zwischen Politik und Wirtschaft haben zu nichts geführt.“ Und in der Bundesregierung herrsche Blockade statt Frauenförderung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz Gegenwind: Von der Leyen hält an Frauenquote fest"

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  • Die gute Frau Le Pen ist nur Vasallin ihres Vaters - schlechtes Beispiel, ganz schlechtes Beispiel.

  • @ margrit117888
    Sie hinken der Zeit deutlich hinterher, und nicht nur in einer Hinsicht.
    Zivildienst gibts nicht mehr - schon mitbekommen?

  • Ich danke Ihnen!
    Endlich mal ein Kommentar der exakt das ausspricht, dass ich fast nur beobachte.So siehts nämlich aus.

    Der von M_L genannte Sachverhalt ist der wahre Grund, warum viele Personaler mehr über das Privatleben wissen möchten bei dem Bewerbungsgespräch. Selbst Frauen im Personal äußern sich inoffiziell gegen Frauen. Der Grund liegt wie oben beschrieben an deren Neigung dem Partner zu folgen. Ich kann ohne mit der Wimper zu zucken behaupten, dass 99% aller Frauen in meinem Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis dies taten.
    Daher ist es nur verständlich, dass das Personal wissen möchte, wo z.B. der Freund/Lebenspartner wohnt.

    Klingt sehr billig formuliert, entspricht aber der Wahrheit. Aus diesem Grund hat mein früherer Arbeitgeber (Industrienunternehmen mit über 250.000 Mitarbeiter) sich strikt gegen Frauen mit Fernbeziehung entschieden. Wenn man online nichts über die Bewerber erfahren konnte, dann war es keine Seltenheit, dass man Detektive losschickte. Alles nur, um langfristig mit der Bewerberin planen zu können. Irgendwann hatte man sich auch entschieden - wenn Frau nicht gerade Vitamin B hatte - sie auf Assistenzpositionen zu setzen, weil man dort gewährleisten konnte schnell wen neues einarbeiten zu können.

    Nach meiner Erfahrung wissen viele Frauen gar nicht was sie - erreichen - wollen. Sie lassen sich gerne von anderen leiten, allen voran dem Partner.

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