Trotz Hitzewelle am Netz
Auflagen für Atomkraftwerke gelockert

Mehrere Atomkraftwerke in Deutschland und Frankreich haben wegen der anhaltenden Hitze die Genehmigung erhalten, vorübergehend wärmeres Kühlwasser in die Flüsse einzuleiten

rtr MÜNCHEN/PARIS.Die Regierungen von Bayern und Baden-Württemberg bestätigten am Montag Ausnahmeregelungen für vier Atomkraftwerke, die Flusswasser zur Kühlung einsetzen. Grüne und Umweltschützer kritisierten, ein Rückfluss von wärmerem Kühlwasser gefährde Fische und Pflanzen, weil bei einer Überhitzung der Sauerstoffgehalt des Wassers sinke.

In Frankreich bezeichneten Industrieministerin Nicole Fontaine und die staatliche Electricite de FranceÄEDF.ULÜ die Lage als ernst. Die Ministerin ließ vor dem Krisentreffen von Regierungsvertretern, Stromwirtschaft und Experten durchblicken, dass vorübergehende Stromabschaltungen nicht ausgeschlossen seien: „Es gibt keinen Handlungsspielraum mehr. Es kommt darauf an, dass die Bürger bereit sind, die Konsequenzen zu akzeptieren.“

Kraftwerke dürfen wärmeres Kühlwasser einleiten

Die Atomkraftwerke Neckarwestheim und Philippsburg in Baden-Württemberg dürfen eine Woche lang bis zu 30 Grad anstatt bisher 28 Grad warmes Kühlwasser in Neckar beziehungsweise Rhein leiten, um trotz der Hitzewelle am Netz bleiben zu können. Beide Werke mussten auf Anordnung des Landesumweltministeriums wegen der Hitze ihre Leistung bereits auf 80 Prozent herunterfahren. Ein Ministeriumssprecher sagte, die Sondergenehmigungen würden Mitte der Woche nochmals überprüft. Es solle sicher gestellt werden, dass Fische nicht beeinträchtigt würden.

Auch die bayerischen Kraftwerke Isar 1 und Isar 2 bei Landshut dürfen maximal vier Wochen lang aus ihrer gemeinsamen Leitung bis zu 27 Grad warmes Kühlwasser in die Isar einleiten. Bislang waren 25 Grad erlaubt. Die Genehmigung gelte solange, wie die Hitze andauere, teilte das bayerische Umweltministerium mit. Das Werk hatte seine Kapazität bereits auf 60 Prozent der Leistung beschränkt. Der Betreiber E.ON muss nachweisen, dass die erhöhte Temperatur die Fischwelt nicht beeinflusst. E.ON beantragte zudem eine Ausnahmegenehmigung für das fränkische Atomkraftwerk Grafenrheinfeld, wie eine Sprecherin auf Anfrage bestätigte. Ein Sprecher des bayerischen Umweltministeriums sagte, bisher seien keine negativen Auswirkungen auf Fische und Pflanzen der Isar bekannt.

Auch in Frankreich stehen Betreiber der 58 französischen Atomkraftwerke wegen der Hitze und der hohen Wassertemperaturen in den Flüssen vor dem Dilemma, entweder die Leistung zu drosseln oder das aus den Flüssen entnommene Kühlwasser wärmer als erlaubt zurückzuleiten. Das Kraftwerk Bugey bei Lyon an der Rhone musste bereits eine Sondererlaubnis einholen, um den Höchstwert überschreiten zu dürfen. Frankreich erzeugt fast 80 Prozent seines Stroms in Atomkraftwerken, Deutschland etwa ein Drittel.

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