Trotz Krise Reiche in Deutschland immer reicher

Während das Vermögen des Staates immer kleiner wird, hat der Wohlstand in Deutschland offenbar kräftig zugenommen. Gleichzeitig werden die Reichsten trotz Finanzkrise immer reicher.
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Das von der Deutschen Bundesbank in Frankfurt aufgenommene Foto zeigt Euro-Scheine in bar. Quelle: dpa

Das von der Deutschen Bundesbank in Frankfurt aufgenommene Foto zeigt Euro-Scheine in bar.

(Foto: dpa)

BerlinDer private Reichtum in Deutschland wird nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" immer größer, das Vermögen des Staates hingegen kleiner. Gleichzeitig würden die Reichsten immer reicher. Die Zeitung beruft sich auf den Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die Analyse, die alle vier Jahre herauskommt, wurde vom Bundesarbeitsministerium vorgelegt. Am Montag sei sie zur Abstimmung an andere Ressorts in der Bundesregierung gegangen.

Der Wohlstand in Deutschland hat dem Bericht zufolge zuletzt kräftig zugenommen. Maßgeblich sei dabei das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehörten. Das Arbeitsministerium schreibt dazu: "Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt." Das Abschmelzen der Vermögenswerte der öffentlichen Haushalte sei bereits seit zwei Jahrzehnten zu beobachten. Im Zuge der Rettungsmaßnahmen anlässlich der Finanz- und Wirtschaftskrise sei "eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar".

Das private Nettovermögen hat sich nach den Regierungsangaben allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erhöht. Hinter diesen Zahlen stecke jedoch auch "eine sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen". So vereinten "die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich". Der Anteil dieses obersten Zehntels sei dabei "im Zeitverlauf immer weiter gestiegen". 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den Händen dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland habe sich dabei verringert, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe. Westdeutsche Haushalte hätten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132000 Euro, bei den ostdeutschen seien es nur 55000 Euro.

Große Unterschiede verzeichnet die Analyse auch bei der Lohnentwicklung: Sie sei "im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend" gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", wird dazu angemerkt.

Trotzdem werde in dem Bericht der Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung verteidigt. Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen. Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."

  • rtr
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38 Kommentare zu "Trotz Krise: Reiche in Deutschland immer reicher"

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  • @Margritt117888, Da haben Sie vollkommen recht. In der Tat wird in Deutschland durch Statistik-Fälschung, uns eine Vollbeschäftigung gepriesen. Es erweckt den falschen Eindruck: Den Menschen geht´s doch gut!
    Es ist aber auch richtig, dass viele Menschen Arbeit gefunden haben. Prof.Sinn sagt: "Wo Kapital hin fließt, entstehen Investitionen und Investitionen schaffen Arbeitsplätze." Das ist ein ökonomisches Gesetz. Momentan fließt aus Deutschland kein Privat-Kapital raus, wegen Unsicherheiten in anderen Ländern, sondern es fließt sogar aus dem Ausland Kapital rein ins Land. Das ganze aufgestaute Kapital löst einen Investitionsdruck, glücklicherweise in der Realwirtschaft, aus, denn die Finanzmärkte sind fürs Zocken noch einfach zu unsicher. Die Produktivität in D ist sehr hoch, aber die Löhne sind einfach zu niedrig, wenn die Inflation steigt, verarmen die Sparer. Öl-Preis ist ein Beispiel. Niedrige Löhne, hohe Inflation, hohe Steuern führen automatisch zu Verarmung der breiten Masse, und das trotz Aufschwung. Wenn wir die Bankenrettung und Südeuroparettung hinzu zählen,wird die Last noch stärker auf den Schultern der einfachen Bevölkerung drücken.

  • Die (veröffentlichte) Darstellung der Bundesregierung ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Eine sachliche Information hätte die Inflation beachten müssen. Die Bundesregierung bezieht sich auf einen Zeitraum von 20 Jahren. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,7 Prozent p.a. hat - seit 1992 angelegtes - Geldvermögen ca. 34 Prozent verloren. Inflationsbereinigt sind Geldvermögen somit nur auf ca. 3 Billionen Euro gestiegen. Aber auch dieser Betrag muss hinterfragt werden, denn die offizielle Inflationsstatistik ist unvollständig. So ist fraglich, ob die Geldmengenausweitung berücksichtigt worden ist, die die Preise von Immobilien getrieben hat und weiter treibt. Deren Preisentwicklung korreliert längst nicht mehr mit der Bevölkerungsentwicklung. Auch Aktienpreise haben sich tlw. erheblich von realwirtschaftlichen Entwicklungen entkoppelt. Angesichts der Sorgen vor dem Verfall unserer Währung zeichnen sich sogar gegenläufige Entwicklungstendenzen ab. Meine Darlegung ist ein Plädoyer gegen propagandistische Öffentlichkeitsarbeit. Unbestreitbar gibt es aber die Vermögensspreizung wirklich: für breite Bevölkerungsschichten nach unten, sofern deren inflationsbedingte Einkommens- und Vermögensverluste im zugrunde gelegten 20-Jahrezeitraum nicht kompensiert worden sind. Wer sein Einkommen bzw. Vermögen in den letzten 20 Jahren nicht um ca. 34 Prozent mehren konnte, könnte durch Inflation geschädigt worden sein. So erachte ich jene obigen Diskussionsbeiträge als wenig hilfreich, die Neidkomplexe bedienen, statt jenen argumentativ in den Arm zu fallen, die redlich erworbenes Vermögen der Bürger weg inflationieren - beispielsweise durch preistreiberische politische Entscheidungen.

  • Philosoph
    insbesondere wenn sie z. B. aus Vermietung resultieren
    ----------------
    das sit zwar gut und schön, führt aber letztendlich dann wieder dazu, dass die Vermieter das auf die Mieter abwälzen.
    Weil nämlich auch auf dem Mietsektor der Staat immer wieder nur den Vermietern Rechte einräumt

  • hermann.12
    Sehr gute Analyse

  • Neptun
    ich stimme Ihnen weitesgehend zu
    Aber auch in Deutschland werden die Statistiken gefälscht. Denken wir bloß an die Arbeitslosenstatistik. Wir haben ja in Wahrheit sehr viel mehr Arbeitslose

  • Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."
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    na was für eine Erkenntnis.
    Warum hat man dann icht schon längst was geändert?

  • Da, seitens der Politik und der EZB, jede logische und ethisch vertretbare Wertberichtigung, auf Kosten der Gesamtbevölkerung, verhindert wird (Zahlungsunfähigkeit der Schuldner, sprich Banken und Staaten), verwundert dies kaum. Nur eine daraus resultierende Hyperinflation wird, in letzter Konsequenz, auch die Reichen verarmen. Bis dahin ist die Gesellschaft, sprich die Restbevölkerung, unter der Last immer höherer Steuern und eines Wirtschaftskollapses (durch, wie wir heute schon in den Problemländern Europas erkennen können, Konsumverzicht, hervorgerufen), aber schon lange kollabiert. Die Geschichte zeigt dass dies leider immer mit verheerenden sozialen Unruhen einher geht. Die Ursache dieser Fehlentwicklung ist in der Ratlosigkeit, vor den immer größer werdenden Problemen, der politischen Klasse zu suchen, die irrtümlich annehmen dass die Reichen und Mächtigen es schon, durch neue Investitionen zum Vorteil aller, regeln werden. Nur leider sind die heutigen Reichen nicht die gleichen, die den Reichtum, durch Können, Arbeit, Leistung und Einsatz, erarbeitet haben. Sondern Erben und somit nichts anderes als Profittöre dieses Reichtums, zu allem Überfluss auch noch nicht selten von Geltungsdrang und Minderwertigkeitskomplexen getrieben. Und gerade dieser Geltungsdrang, in Verbindung mit Unfähigkeit und Talentlosigkeit, führt zu Gier (immer mehr Reichtum anhäufen, denn man will ja bewundert und geliebt werden) und dazu dass in der heutigen Zeit eben Geld nicht mehr durch Werteschaffung und gerechter Verteilung, sondern nur noch durch Kreditexpansion und Bildung von Spekulationsblasen, generiert wird. Symptome wie die Inflationäre Zunahme von Statussymbolen wie Superyachten oder Fantasiepreise für Oldtimer und gewisse Kunst, sprechen eine Deutliche Sprache. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder.
    Moritz J. Mueller

  • naja, erst 40% auf Arbeitseinkommen 30 Jahre lang, 50-60 Stunden die Woche ... und danach nochmal 25% drauf, weil man ja "reich geworden ist" - gibt's wirklich was zum Lachen?

  • @ Machiavilli ..."Was Europa braucht sind Vertragsänderungen die zu einer Wirtschaftskonvergenz innerhalb der Währungsunion führen und zu einer horizontalen Arbeitsteilung, Vertragsänderungen die den natürlichen Standortsnachteile der Peripherieländer entgegen wirken"
    Ihre Einschätzung wird nicht funktionieren, da die unterschiedliche Länder, eine Einheitswährung haben. Der Abwertungs -und Aufwertungsmechanismus der Währungen sind abgeschaltet. Es bleiben unter Euro als Währung nur zwei Wege für Peripheriestaaten übrig: Deflationieren, und Löhne um 20% oder mehr runter drücken, oder sich von anderen Finanzieren lassen (Schuldenunion etc.)

  • @ Deutscher Michel: Ich muss Sie leider enttäuschen, da Ihre Thesen leider unkorrekt sind.
    1.Die Mehrheit der Deutschen leben nicht wie Gott in Frankreich, sondern sind de facto arm wie ein Kirchenmaus. Vielleicht Sie meinen die 10%Billionäre.
    2.Der Großteil des Leistungsbilanzüberschüss Deutschlands bestehen aus Forderungen, nicht aus Sachwerten. Einer davon ist die sogenannte Target2-Forderungen, die sich Momentan auf 850€ Milliarden summieren. Die Exportlawine, die sie so nennen, hätten die Peripherie Länder nicht bekommen, wenn sie nicht so schnell inflationiert hätten, schließlich hatten sie nicht ihre eigene Währung. Die Löhne sind gemessen an Produktivität, weit höher als in Deutschland. Ihre Produkte und Dienstleistungen sind einfach zu teuer.
    4. Dass den Deutschen in Verhältnis zu vielen EU-Bürger gut geht, bezweifle ich. Viele Spanier besitzen ein Appartement in der Stadt und ein Reihenhaus im Dorf. Dieses Jahr im Spanien ist trotz Krise der Tourismus gestiegen.(Spanische Touristen), das ist für mich keine Zeichen der Krise. Abgesehen davon, dass die Cafes und Restaurants, die teurer sind als die in Deutschland, jeden Abend aus allen Nähten platzen.
    4. Die Statistiken, die so geliefert werden, von wegen 50% Jugendarbeitslosigkeit, sollte man auch mit Vorsicht genießen. Wenn die Griechen ihre Statistiken fälschen, warum sollten Spanier und Italiener das nicht tun. Man stellt seine Krise so dar, damit das leichte Geld weiter fließen kann. Damit ersetzen die Deutschen Steuerzahler die freien Märkte

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