Trotz Krise
Reiche in Deutschland immer reicher

Während das Vermögen des Staates immer kleiner wird, hat der Wohlstand in Deutschland offenbar kräftig zugenommen. Gleichzeitig werden die Reichsten trotz Finanzkrise immer reicher.
  • 38

BerlinDer private Reichtum in Deutschland wird nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" immer größer, das Vermögen des Staates hingegen kleiner. Gleichzeitig würden die Reichsten immer reicher. Die Zeitung beruft sich auf den Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Die Analyse, die alle vier Jahre herauskommt, wurde vom Bundesarbeitsministerium vorgelegt. Am Montag sei sie zur Abstimmung an andere Ressorts in der Bundesregierung gegangen.

Der Wohlstand in Deutschland hat dem Bericht zufolge zuletzt kräftig zugenommen. Maßgeblich sei dabei das Nettovermögen, zu dem etwa Immobilien, Geldanlagen, Bauland oder Ansprüche aus Betriebsrenten gehörten. Das Arbeitsministerium schreibt dazu: "Während das Nettovermögen des deutschen Staates zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro zurückging, hat sich das Nettovermögen der privaten Haushalte von knapp 4,6 auf rund 10 Billionen Euro mehr als verdoppelt." Das Abschmelzen der Vermögenswerte der öffentlichen Haushalte sei bereits seit zwei Jahrzehnten zu beobachten. Im Zuge der Rettungsmaßnahmen anlässlich der Finanz- und Wirtschaftskrise sei "eine Verschiebung privater Forderungen und Verbindlichkeiten in staatliche Bilanzen feststellbar".

Das private Nettovermögen hat sich nach den Regierungsangaben allein zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro erhöht. Hinter diesen Zahlen stecke jedoch auch "eine sehr ungleiche Verteilung der Privatvermögen". So vereinten "die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich". Der Anteil dieses obersten Zehntels sei dabei "im Zeitverlauf immer weiter gestiegen". 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen auf 45 Prozent, 2008 war in den Händen dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens. Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.

Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland habe sich dabei verringert, schreibt die Zeitung in ihrer Dienstagausgabe. Westdeutsche Haushalte hätten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132000 Euro, bei den ostdeutschen seien es nur 55000 Euro.

Große Unterschiede verzeichnet die Analyse auch bei der Lohnentwicklung: Sie sei "im oberen Bereich in Deutschland positiv steigend" gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste bei der Bezahlung hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", wird dazu angemerkt.

Trotzdem werde in dem Bericht der Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung verteidigt. Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen. Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz Krise: Reiche in Deutschland immer reicher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @Margritt117888, Da haben Sie vollkommen recht. In der Tat wird in Deutschland durch Statistik-Fälschung, uns eine Vollbeschäftigung gepriesen. Es erweckt den falschen Eindruck: Den Menschen geht´s doch gut!
    Es ist aber auch richtig, dass viele Menschen Arbeit gefunden haben. Prof.Sinn sagt: "Wo Kapital hin fließt, entstehen Investitionen und Investitionen schaffen Arbeitsplätze." Das ist ein ökonomisches Gesetz. Momentan fließt aus Deutschland kein Privat-Kapital raus, wegen Unsicherheiten in anderen Ländern, sondern es fließt sogar aus dem Ausland Kapital rein ins Land. Das ganze aufgestaute Kapital löst einen Investitionsdruck, glücklicherweise in der Realwirtschaft, aus, denn die Finanzmärkte sind fürs Zocken noch einfach zu unsicher. Die Produktivität in D ist sehr hoch, aber die Löhne sind einfach zu niedrig, wenn die Inflation steigt, verarmen die Sparer. Öl-Preis ist ein Beispiel. Niedrige Löhne, hohe Inflation, hohe Steuern führen automatisch zu Verarmung der breiten Masse, und das trotz Aufschwung. Wenn wir die Bankenrettung und Südeuroparettung hinzu zählen,wird die Last noch stärker auf den Schultern der einfachen Bevölkerung drücken.

  • Die (veröffentlichte) Darstellung der Bundesregierung ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Eine sachliche Information hätte die Inflation beachten müssen. Die Bundesregierung bezieht sich auf einen Zeitraum von 20 Jahren. Bei einer durchschnittlichen Inflation von 1,7 Prozent p.a. hat - seit 1992 angelegtes - Geldvermögen ca. 34 Prozent verloren. Inflationsbereinigt sind Geldvermögen somit nur auf ca. 3 Billionen Euro gestiegen. Aber auch dieser Betrag muss hinterfragt werden, denn die offizielle Inflationsstatistik ist unvollständig. So ist fraglich, ob die Geldmengenausweitung berücksichtigt worden ist, die die Preise von Immobilien getrieben hat und weiter treibt. Deren Preisentwicklung korreliert längst nicht mehr mit der Bevölkerungsentwicklung. Auch Aktienpreise haben sich tlw. erheblich von realwirtschaftlichen Entwicklungen entkoppelt. Angesichts der Sorgen vor dem Verfall unserer Währung zeichnen sich sogar gegenläufige Entwicklungstendenzen ab. Meine Darlegung ist ein Plädoyer gegen propagandistische Öffentlichkeitsarbeit. Unbestreitbar gibt es aber die Vermögensspreizung wirklich: für breite Bevölkerungsschichten nach unten, sofern deren inflationsbedingte Einkommens- und Vermögensverluste im zugrunde gelegten 20-Jahrezeitraum nicht kompensiert worden sind. Wer sein Einkommen bzw. Vermögen in den letzten 20 Jahren nicht um ca. 34 Prozent mehren konnte, könnte durch Inflation geschädigt worden sein. So erachte ich jene obigen Diskussionsbeiträge als wenig hilfreich, die Neidkomplexe bedienen, statt jenen argumentativ in den Arm zu fallen, die redlich erworbenes Vermögen der Bürger weg inflationieren - beispielsweise durch preistreiberische politische Entscheidungen.

  • Philosoph
    insbesondere wenn sie z. B. aus Vermietung resultieren
    ----------------
    das sit zwar gut und schön, führt aber letztendlich dann wieder dazu, dass die Vermieter das auf die Mieter abwälzen.
    Weil nämlich auch auf dem Mietsektor der Staat immer wieder nur den Vermietern Rechte einräumt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%