Trotz Milliarden-Defizit
Prämienflut für Kassenvorstände

Geldsegen für die Vorstände der Krankenkassen: Trotz-Milliarden-Defizits erhalten die Kassen-Chefs einem Zeitungsbericht zufolge in diesen Wochen hohe Bonuszahlungen. Einige sollen rund 100 000 Euro bekommen. Die Kassen können darin kein Unrecht entdecken.

HB HAMBURG. Wie die "Bild"-Zeitung schreibt, erhalten viele Kassenmanager nach Abschluss des Geschäftsjahres 2005 Prämien. Dem Bericht zufolge kann der Vorstandsvorsitzende der Deutschen BKK, Ralf Sjuts, die höchste Prämie erhalten. Ihm winken zusätzlich zu seinem Jahresgrundgehalt von 135 960 Euro bis zu 105 000 Euro Bonus. Der Chef des BKK-Bundesverbandes, Wolfgang Schmeinck, könne zum Grundgehalt von 215 000 Euro bis zu 53 750 Euro Prämie erhalten.

Bei der AOK Thüringen kann Vorstandschef Frank Storsberg den Angaben zufolge bei einem Jahresgrundgehalt von 157 000 Euro bis zu 47 100 Euro Prämie bekommen. Die AOK Bayern honoriert ihren Chef Helmut Platzer (155 944 Euro Jahresgrundgehalt) mit einem 47 000-Euro-Bonus.

Der Vorstand der AOK Sachsen, Rolf Steinbronn, kassiert laut "Bild" zusätzlich zum Grundgehalt von 155 350 Euro bis zu 46 600 Euro. Bei der AOK Baden-Württemberg gibt es für Vorstandschef Rolf Hoberg bei einem jährlichen Grundgehalt von 160 000 Euro bis zu 40 000 Euro Bonus. Die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) soll ihrem Chef Ingo Kailuweit zum Gehalt von 183 300 Euro rund 25 000 Euro Bonus zahlen.

Selbst einige Kassenärztliche Vereinigungen (KV) gewähren ihren Chefs Prämien, berichtet das Blatt weiter. Die KV Baden-Württemberg gewährt demnach vier ihrer fünf Vorstände (Jahresgehälter zwischen 160 000 und 170 000 Euro) zusätzlich bis zu 70 000 Euro.

Die Gesetzlichen Krankenkassen verteidigten die Zahlungen. Dies sei in der Wirtschaft durchaus normal und keineswegs eine Sonderregelung, die in irgendeiner Weise rechtlich angreifbar wäre, erklärten Vertreter der Bundesverbände von AOK und Betriebskrankenkassen (BKK).

Kassen rutschen in die roten Zahlen

Die Prämienzahlungen beziehen sich zwar auf das vergangene Geschäftsjahr, das die Krankenkassen noch mit einem Überschuss abgeschlossen hatten. Doch der Weg in ein neues Milliardendefizit zeichnet sich jetzt schon ab. Die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) verbuchte nach Angaben des Gesundheitsministeriums zu Jahresgbeginn ein Defizit von 1,22 Milliarden Euro. Ohne Gegensteuern drohen damit steigende Kassenbeiträge auf breiter Front.

Hintergrund der Finanznot der Krankenkassen im ersten Quartal sind stagnierende Einnahmen und deutlich wachsende Ausgaben vor allem für Arzneien, Krankenhausbehandlungen und Zahnersatz. „Ohne wirksames Handeln des Gesetzgebers drohen ab 2007 erhebliche Defizite und eine erneute Welle von Beitragssatzsteigerungen“, warnt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD).

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