Trotz Mitgliederschwund

Kirchen nehmen erneut mehr Steuern ein

Die Kirchen in Deutschland verlieren mehr und mehr Mitglieder. Bei ihren Einnahmen macht sich das derzeit noch nicht bemerkbar: Sie sind um 18 Millionen Euro gestiegen. Doch der Geldsegen dürfte demnächst vorbei sein.
Die Kirchen profitieren derzeit von niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen. Quelle: dpa
Gute wirtschaftliche Lage

Die Kirchen profitieren derzeit von niedriger Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen.

(Foto: dpa)

Köln/HannoverTrotz sinkender Mitgliederzahlen verzeichnen die großen Kirchen in Deutschland weiter steigende Steuereinnahmen. Die größte katholische Diözese, das Erzbistum Köln, meldete am Donnerstag für das laufende Jahr einen Zuwachs von fünf Prozent. Im vergangenen Jahr hatte das Erzbistum knapp 804 Millionen Euro eingenommen. Das Erzbistum München und Freising rechnet für 2015 mit einem Anstieg um etwa 18 Millionen Euro auf 545 Millionen Euro.

Die Kirchen profitieren dabei von sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen. „Steigende Kirchensteuer-Einnahmen in fünf aufeinanderfolgenden Jahren hatten wir noch nie“, sagte der Kölner Finanzdirektor, Hermann Josef Schon. Mittelfristig stelle sich die Kirche aber aufgrund des Bevölkerungsrückgangs auf schwindende Einnahmen ein.

Auch bei den evangelischen Kirchen gibt es höhere Einnahmen. „Die Kirchensteuer entwickelt sich besser als die Zahl der Gemeindemitglieder“, sagte der Finanzexperte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Vogelbusch. Die evangelische Landeskirche Baden geht nach Angaben eines Sprechers für 2016 von Einnahmen in Höhe von knapp 329 Millionen Euro aus, für 2017 von einem Anstieg auf 343 Millionen Euro.

Insgesamt haben die katholischen Bistümer im vergangenen Jahr Kirchensteuern in Höhe von knapp 5,7 Milliarden Euro eingenommen. Für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lagen die Kirchensteuereinnahmen 2014 bei 5,07 Milliarden Euro nach 4,84 Milliarden in 2013 und 4,58 Milliarden im Jahr 2008.

Die derzeit noch sprudelnden Steuereinnahmen der Kirchen sollen auch der Flüchtlingshilfe zugutekommen. Die evangelische Landeskirche Württemberg will in den nächsten zwei Jahren mehr als 13 Millionen Euro für die bedürftigen Zuwanderer bereitstellen. Die Landeskirche Baden hat für einen Zeitraum von drei Jahren 10 Millionen Euro zur Verfügung. Im Erzbistum Köln wurden 15 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer zu koordinieren.

De Maizière treibt die Regierung um
Thomas de Maizière
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Innenminister Thomas de Maizière hat die Flüchtlingsdebatte innerhalb der Regierung aufgeheizt. Unter Berufung des Bundesinnenministeriums hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, dass Flüchtlingen in Deutschland nur noch ein sogenannter subsidiärer Schutz gewährt werden soll. Das bedeutet: Flüchtlinge aus Syrien erhielten nur noch eine Aufenthaltsbewilligung für ein Jahr. Außerdem wäre es ihnen nicht gestattet, Familienangehörige nach Deutschland nachzuholen.

Der Rückzug
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Bereits kurz nach Veröffentlichung des Berichts hatte de Maizière die Aussagen zurückgewiesen. „Es gibt keine Änderung bei der Genehmigungspraxis für syrische Flüchtlinge“, sagte er. Zwar sei Anfang der Woche eine Änderung vorgesehen gewesen. „Im Lichte der Entscheidung der Koalition gestern zum Familiennachzug gibt es aber Gesprächsbedarf in der Koalition. Und deswegen bleibt es jetzt so wie es ist, bis es eine neue Entscheidung gibt.“

Der Unbeirrbare
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Doch hinsichtlich der Flüchtlingsproblematik bleibt der Innenminister hart. Von seiner Grundposition lässt er sich nicht vertreiben. Ungeachtet der Kritik von Flüchtlingsverbänden und aus der Opposition sprach sich de Maizière erneut dafür aus, Menschen aus Afghanistan in ihr Heimatland zurückzuschicken. Auch wenn die Lage vor Ort schwierig sei, so gebe es in Afghanistan dennoch sicherere und weniger sichere Gebiete. Angesichts des jahrelangen deutschen Engagements in dem Land – etwa zur Verbesserung der Sicherheit – könne man erwarten, „dass die Menschen in Afghanistan bleiben“.

Der Helfer in der Not
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Rückendeckung erhält de Maizière von Wolfgang Schäuble. Der Bundesfinanzminister hat sich gegen eine unbegrenzte Zuwanderung ausgesprochen. In dem Bürgerkriegsland gebe es fünf Millionen Binnenflüchtlinge, sagte der CDU-Politiker in einer Veranstaltung mit Schülern: „Wenn die alle nach Europa kommen wollten, anstatt dass man versucht, in Syrien die Probleme zu lösen, wird es nicht zu lösen sein.“

Die Angst vor sieben Milliarden Menschen
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Schäuble halte deswegen de Maizieres Vorschlag „für eine notwendige Entscheidung“, über die sich die Koalition „sehr rasch“ verständigen solle. „Wir haben ungefähr sieben Milliarden Menschen auf der Welt, wenn die alle beschließen wollten, nach Europa zu kommen, müsste Europa die Möglichkeit haben zu sagen, nein danke, es wir ein bisschen zu viel.“

Der übliche Verdächtige aus Bayern
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CSU-Chef Horst Seehofer sagte der „Süddeutschen Zeitung“ laut Vorabbericht: „Thomas de Maizière hat recht, wir müssen wieder nach dem Gesetz handeln und den Flüchtlingsstatus jedes Syrers genau prüfen.“

Der Mediator
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SPD-Chef Sigmar Gabriel hat das Einlenken von Innenminister Thomas de Maizière in der Frage des Familiennachzugs von Flüchtlingen gelobt. „Es ist gut, dass er den Vorschlag zurückgenommen hat, dass es beim alten Verfahren bleibt“, sagte Gabriel dem ZDF in Salzgitter. Der Vorstoß sei ohne Absprache gewesen und es sei klug, ihn zurückzunehmen. „Damit, finde ich, ist die Maßnahme erledigt.“

Gegen den Trend erwartet die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz etwas geringere Einnahmen. Laut einer Prognose vom November sollen in diesem Jahr rund 211,7 Millionen Euro eingehen – knapp zwei Millionen Euro weniger als im Vorjahr.

Das Erzbistum Köln rechnet damit, dass die Zahl der Kirchenmitglieder von derzeit 2,03 Millionen bis zum Jahr 2030 auf 1,64 Millionen zurückgehen wird. Die Einnahmen würden dadurch auf geschätzte 490 Millionen Euro im Jahr sinken, heißt es in einer Prognose. Das Erzbistum sei auf die zurückgehenden Mitgliederzahlen vorbereitet. „Wir werden auch langfristig absolut handlungsfähig sein“, sagte Finanzdirektor Schon.

  • dpa
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