Trotz NSA-Affäre
Gauck verteidigt Handelsabkommen mit USA

Bundespräsident Joachim Gauck sieht zwar das deutsch-amerikanische Verhältnis durch die NSA-Affäre belastet, aber keineswegs verloren: „Wir bleiben im Dialog und wir finden wieder zusammen“, lautet seine Devise.
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Bundespräsident Joachim Gauck will trotz der NSA-Abhöraffäre am geplanten Handelsabkommen zwischen Europäischer Union und USA festhalten – auch wenn er das deutsch-amerikanische Verhältnis belastet sieht. In der Freundschaft zwischen beiden Ländern gebe es Manches, „was uns eigenartig und auch ein bisschen fremd vorkommt“, sagte Gauck am Dienstagabend laut vorab verbreitetem Redetext auf einer Veranstaltung der US-Handelskammer in Berlin. Er sprach dabei von „Belastungen, wie sie zuletzt aufgetreten sind“. Die transatlantische Partnerschaft „braucht belebende Impulse und bedarf der Selbstvergewisserung und der Stärkung“. Weiter hieß es: „Die angestrebte transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft zum Beispiel kann den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks mehren.“ Er widersprach damit Einschätzungen, wonach die USA und Deutschland wegen des massenhaften Abfischens privater Emails und des abgehörten Handys von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht mehr dieselbe Wertebasis teilten. „Bei weitem überwiegen die Werte, die wir gemeinsam schätzen, bewahren und verteidigen“, betonte der Bundespräsident.

„Unsere Länder haben immer wieder bewiesen, dass sie in der Lage sind, aus Fehlern zu lernen“, sagte Gauck. „Wenn man einmal nicht nachvollziehen kann, was der andere sagt oder tut, ist das in so vielen Jahren gewachsene Vertrauen da, das uns beide wissen lässt: Wir bleiben im Dialog und wir finden wieder zusammen.“ Die Beziehungen ruhten fest auf „gemeinsamen Anschauungen über die Welt“, sagte Gauck. Zuletzt hatte US-Präsident Barack Obama leichte Korrekturen der Abhörpraktiken des Geheimdienstes NSA angekündigt. Die Verhandlungen über ein No-Spy-Abkommen sind allerdings ins Stocken geraten, bei dem die Regierung in Washington einen Verzicht etwa auf die Überwachung der Bundesregierung durch US-Geheimdienste zusagen soll. In der Folge hatten auch Unions-Politiker Konsequenzen für transatlantischen Wirtschaftsabkommen gefordert.

Positiv äußerte sich der Bundespräsident des Weiteren zu dem geplanten Freihandelsabkommen zwischen den EU und den USA. Dieses könne „den Wohlstand auf beiden Seiten des Atlantiks mehren“. Gauck äußerte sich anlässlich einer Preisverleihung der US-Handelskammer an die Berliner und New Yorker Philharmoniker.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz NSA-Affäre: Gauck verteidigt Handelsabkommen mit USA"

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  • An dieser Rede sieht man wieder, daß dieser Pastor keinen blassen Schimmer von Wirtschaftspolitik hat.
    Die Amerikaner werden uns mit diesem Freihandelsabkommen mal wieder über den Tisch ziehen.

  • Quo vadis Meinungsfreiheit???

  • Ganz genau!
    Und da hat doch letztens irgendein Handelsblattboss gejammert, die Presse in D wird nur noch als Probagandamaschine für die Eliten mißbraucht!

    Da fragt man sich doch, welcher elitäre Kasper da gerade in der Redaktion sitzt und die Kommentare zensiert?

    Oder war das auch nur wieder heiße Luft, damit die Idioten weiter die Mär von der freien Meinung, der freien Presse, dem freien Volk im freien Land glauben?

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