Trotz Plagiatsaffäre: Solidaritätswelle für Annette Schavan

Trotz Plagiatsaffäre
Solidaritätswelle für Annette Schavan

Eine Plagiatsaffäre katapultierte sie ins Kreuzfeuer der Kritik, doch die Delegierten der CDU wählten Annette Schavan dennoch mit einem überwältigenden Ergebnis zur Bundestagskandidatin.
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Ulm/MünchenDie wegen Plagiatsvorwürfen unter Druck stehende Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) tritt mit voller Rückendeckung in Ulm als Direktkandidatin für die Bundestagswahl an. Am Freitagabend stimmten 96 Prozent der Delegierten des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm für die 57-Jährige. Das waren 294 der gültigen 307 Stimmen. „Ich danke sehr für das große Vertrauen und bin darüber ganz einfach glücklich“, sagte die bewegte Schavan.

Die Ministerin hatte zuvor in ihrer 30-minütigen Rede um das Vertrauen ihres Wahlkreises gebeten. Die große Solidaritätswelle der Delegierten zeigte sich in den Ovationen danach. Schavan stellte sich auf einen Stuhl und jubelte ebenfalls ihren Parteimitgliedern zu. „Ich habe nicht abgeschrieben und schon gar nicht getäuscht“, sagte sie vor der Nominierung.

Schavan bedankte sich für die „überwältigende Unterstützung“ nach den Plagiatsvorwürfen in den vergangenen Wochen und Monaten. „Bis hin zum heutigen Tag bewegt mich das menschlich ungemein“, so Schavan. Kritikern entgegnete sie: „Ich lasse mich nicht jeden Tag von jedem provozieren, der meint, mich provozieren zu können.“

In der Plagiatsaffäre setze sie auf ein faires Verfahren der Universität Düsseldorf. Dorthin habe sie zu ihrer Verteidigung bereits eine schriftliche Erklärung geschickt, sagte die 57-Jährige. Die Universität Düsseldorf hatte am Dienstag ein Verfahren zur Aberkennung von Schavans Doktortitel eingeleitet.

Zahlreiche Medienvertreter verfolgten die Veranstaltung. Schavans Wahlkreis stellte sich in der Plagiatsaffäre bisher geschlossen hinter sie. Von allen Seiten gab es unterstützende Worte für die Ministerin. „Sie hat eine hervorragende Arbeit geleistet. Wir sind froh, dass wir sie als Abgeordnete haben“, sagte die Landtagsabgeordnete und frühere Sozialministerin in Baden-Württemberg, Monika Stolz. Der große Zuspruch hänge aber auch mit der Plagiatsaffäre zusammen. „Ich glaube, die Mitglieder spüren, dass hier etwas abläuft, was nicht in Ordnung ist.“

Ulms Finanzbürgermeister Gunter Czisch sagte, dass sich Schavan bisher integer für ihren Wahlkreis eingesetzt habe und er sich sicher sei, dass sie auch integer in ihrer Doktorarbeit gewesen sei. „Wir wünschen Dir weiterhin Standhaftigkeit und Kraft“, sagte Czisch.

Was aber, wenn Schavan tatsächlich ihren Doktortitel verlieren sollte? 62 Prozent der Bundesbürger sprechen sich für einen Rücktritt der Bundesbildungsministerin aus. Das ergab eine repräsentative Emnid-Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Focus“, die am Samstag veröffentlicht wurde. 34 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, die CDU-Politikerin kann auch dann im Amt bleiben, wenn sich die Vorwürfe gegen ihre Doktorarbeit bestätigen sollten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Trotz Plagiatsaffäre: Solidaritätswelle für Annette Schavan"

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  • Manieren wie Feudalherren!

    Man muss ihnen zugute halten, dass sie sich an sonst nichts halten können. Es ist lediglich eine Stilblüte des Systems, zu dem sich unsere Abgeordneten durch gerungen haben und sich aufopferungsvoll einsetzen.

    Es muss doch schon pervers anmuten, für welche "Leistungen" wir Abgeordneten Diäten und Pensionen vergüten, während andere Familien, Rentner nicht wissen, wie sie den nächsten Monatsersten erreichen sollen.

  • verwerflich ist, dass Frau Schavan als Forschungsministerin nicht die Qualitätsstandards von Promotionen verteidigt, sondern sich durch durchsichtige
    Solidaritätsbekundungen von CDU Mitgliedern im Amt halten will. Minister sind ersetzbar, die Qualität von Promotionen nicht

  • "Dort ist eine Fülle von Mängeln zu entdecken, die
    gültigen Promotionsordnungen in Deutschland wider-
    sprechen."
    ------------------
    Maßgeblich ist die Promotionsordnung von 1980, nicht die von heute!!!

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