Trotz Studiengebühren
Hochschulen melden wieder mehr Erstsemester

Das Interesse an einem Studium in Deutschland steigt langsam wieder: Nach einem Einbruch im vergangenen Jahr bei den Erstsemesterzahlen um 3,5 Prozent ist die Tendenz in den meisten Bundesländern wieder positiv. Die Unionsländer sehen sich in den Studiengebühren bestätigt.

BERLIN. Die unionsregierten Länder, die neuerdings Studiengebühren erheben, werten den Anstieg als Beweis dafür, dass die Gebühren – anders als von Kritikern befürchtet – nicht vom Studium abschrecken.

Den höchsten Zuwachs meldet bisher Niedersachsen mit plus neun Prozent. Es folgt Bayern mit sieben Prozent mehr Erstsemestern. Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) sieht dies als Beleg dafür, dass die Gebühren von 500 Euro pro Semester, die neben Bayern auch Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland erheben, nicht abschrecken, bzw. durch die staatlichen Kreditprogramme gut abgefedert werden.

Besonders stark stieg im Freistaat die Zahl der Fachhochschul-Anfänger, die 15 Prozent zulegt. Die Anmeldungen ausländischer Studenten sei auf ein Rekordhoch gestiegen.

Auch NRW hatte zunächst euphorisch einen Zuwachs um fast acht Prozent gemeldet, musste diesen dann jedoch auf 3,8 korrigieren. Angesichts der Tatsache, dass die Zahl der Zugangsberechtigten nur um 1,8 Prozent gestiegen war, sei das „dennoch ein gutes Zeichen“, sagte Innovationsminister Andreas Pinkwart (FDP).

Baden-Württemberg kann nur ein Plus von knapp einem Prozent aufweisen - und auch nur, wenn man die Berufsakademien mitzählt. Damit sei der Abwärtstrend jedoch gestoppt, sagte Minister Peter Frankenberg (CDU). An den dualen Akademien lernen im Südwesten zehn Prozent der Studenten, sie sollen zu echten Hochschulen aufgewertet werden. Einen Rückgang der Erstsemester um ein Prozent meldet dagegen Hessen.

In Berlin, wo die rot-rote Regierung keine Studiengebühren erhebt, sind die Erstsemesterzahlen um fünf Prozent gestiegen, und damit weniger als in den Gebührenländern Bayern und Niedersachsen. Das kann jedoch auch an den fast flächendeckend geltenden internen NCs liege, die die Hochschulen in Berlin, aber auch anderswo, wegen der vielen Mehrfachbewerbungen verhängt haben. Dieses Problem wollen die Kultusminister lösen, indem sie die ZVS in eine Art Clearingstelle umbauen.

Um in Zukunft genügend Schulabgängern ein Studium zu ermöglichen, müsse jedoch das Bafög künftig regelmäßig angepasst werden, forderte das Studentenwerk. Auch die Erhöhung um zehn Prozent zum Wintersemester 2008/09 – die erste seit 2002 – berücksichtige die Teuerung der Jahre 2007/08 nicht. Der Bund hofft, mit den höheren Freibeträgen bis zu 100 000 Studenten zusätzlich fördern zu können.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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