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Türkei-Besuch: Merkel und Erdogan – Höflichkeit statt echte Nähe

exklusiv Herzliche Freundschaften sehen wohl anders aus als die derzeitigen deutsch-türkischen Beziehungen. Daran kann auch der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel nichts ändern. Allem Lächeln zum Trotz bleibt das Verhältnis zwischen ihr und dem türkischen Premier Tayyip Erdogan eher kühl. Höfflichkeit statt echter Nähe eben. Deutsche Unterstützung erhält die Türkei indes von der SPD.

Echte Freundschaft sieht wohl anders aus. Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Tayyip Erdogan bleibt eher distanziert. Quelle: Reuters
Echte Freundschaft sieht wohl anders aus. Das Verhältnis zwischen Angela Merkel und Tayyip Erdogan bleibt eher distanziert. Quelle: Reuters

HB ANKARA/DÜSSELDORF. Stopp! Angela Merkel und Tayyip Erdogan wollen eben auseinander gehen, da entsteht unter den Fotographen ein kleiner Tumult. Noch einmal sollen sich die Bundeskanzlerin und der türkische Premier die Hände reichen, noch einmal für die Kameras lächeln. Zuvor hatte Merkel in der halbstündigen Pressekonferenz das eine oder andere Mal auffordernd zu Erdogan herübergeblickt, doch das Mienenspiel des Türken blieb trotz höflicher Töne zurückhaltend. Mögen beide Seiten auch bemüht sein, die Streitigkeiten der vergangenen Tage klein zu reden – an diesem Nachmittag könnte der Abstand zwischen den beiden Rednerpulten auch Sinnbild für die Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Ländern sein.

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Gleich die erste Frage der türkischen Journalisten zielt auf den Kern der Probleme zwischen Türken und Deutschen: Ob die Europäische Union nicht ständig die Spielregeln für den Beitritt der Türkei ändere, will eine Journalistin von Merkel wissen. Die Kanzlerin pariert. Nein, was vereinbart ist, gelte weiter. Aber die Türkei müsse zyprischen Flugzeugen und Schiffen endlich Zugang zu türkischen Häfen und Flughäfen gewähren. Merkel spricht vom „ergebnisoffenen“ Beitrittsprozess – der Haltung ihrer Koalitionsregierung mit der FDP, und der privilegierten Partnerschaft – der Haltung ihrer Partei. Dann aber räumt sie ein: „Ich habe jetzt verstanden, dass die privilegierte Partnerschaft hier gar keine gute Ausstrahlung hat.“

Zwei Stunden haben sich Merkel und Erdogan ausgetauscht, bevor es zum Empfang bei Staatspräsident Abdullah Gül geht. Beide wissen: Es hat sich zu viel aufgestaut. Zu viel, was der schneidige Empfang mit militärischen Ehren und die Kranzniederlegung am Atatürk-Mausoleum, all diese protokollarischen Höflichkeiten des ersten von zwei Besuchstagen, nicht einfach vergessen machen können: Dauerstreit um den EU-Beitritt, Zwist bei den Iran-Sanktionen, Differenzen darüber, wie weit die Integration der in Deutschland lebenden Türken gehen sollen.

Merkel spricht das Thema Schulen gleich selbst an. Aus ihrer Sicht beruht die Aufregung über Erdogans Vorstoß, in Deutschland türkische Gymnasien einzuführen, auf einem Missverständnis. Türkische Schulen und Lehrer gebe es doch längst, sagt sie. Doch Türkisch als Abiturfach könne keinesfalls eine Ausrede dafür sein, kein Deutsch zu lernen. „Niemand kann in Deutschland leben, der die deutsche Sprache nicht kann.“ Hintergrund des Konflikts, das wird schnell deutlich, ist die Frage, was Integration bedeutet – Eingliederung in die deutsche Gesellschaft oder Preisgabe der türkischen Wurzeln?

  • 31.03.2010, 00:08 UhrAnonymer Benutzer: yahel

    @ W.Fischer

    Sehen Sie nur, wie relativ leicht es für die Ditib ist Grundstücke zu erwerben und wie viele Politiker sich darum bemühen die baugenehmigungen für Großmoscheen zu befördern. Widerstand der bevölkerung wird mit Hinweis auf Fremdenfeindlichkeit und was man den Protestierern sonst noch vorwerfen kann zum Pogrom für diese Gruppen. Und immer sind Funktionäre der örtlichen Gewerkschaften und Landespolitiker in „fröhlicher“ Eintracht mit Funktionären der Ditib oder anderer islamverbände zu sehen.
    Die bundesregierung hat, als sich die ersten Türken hier niederließen, die TR um betreuung dieser Menschen in Glaubensfragen gebeten. Wie so oft im Zusammenhang mit dieser Sozialisation ist zu sehen, daß nicht nur die Hand genommen, sondern der Arm abgerissen wird. Das Auftreten Erdogans spricht bände und läßt die Wertschätzung erahnen, die er der bR entgegenbringt. Er hält sich für den großen Führer und Widerspruch wird sofort lautstark geahndet, bis zur Ehrenrührigkeit. Er soll Mitglied der „Grauen Wölfe“ sein und ist von beruf imam.
    Kritik innerhalb der Muslime an der Arbeitsweise der Ditib werden mit Androhungen massiver Gewalt gegen die Kritiker beantwortet. Den Text für das Freitagsgebet erhalten die imame direkt von der türkischen Religionsbehörde Diyanet, deren Angestellte sie, ebenso wie die leitenden Mitarbeiter der Ditib auch, sind. Die Ditib firmiert hier als e.V. unter dem Schutz der botschaft der TR. in jeder Ditib-Moschee hängt die Flagge der TR an der Wand, in deren Richtung die Gläubigen beten. Das hat einen Grund.
    Nebenbei, wir haben es Schröder zu verdanken, daß die beitrittsverhandlungen überhaupt begonnen wurden. Der österreichische Vertreter hatte die Forderungen Erdogans, die er schon im Vorfeld kundgetan hatte, abgelehnt, worauf Erdogan mit sofortiger Abreise drohte. Schröder hat diesen Eklat durch Überredung des Österreichers verhindert. Der hatte gesagt: „Wenn ihm die bedingungen nicht passen, dann soll er doch gehen.“

  • 30.03.2010, 21:14 UhrAnonymer Benutzer: W. Fischer

    Yahel wenn das so zutrifft wie sie es geschrieben haben, gibt es nur eine Antwort, sie lautet, wir sind das Volk, und müßten unsere Regierung und die bundestagsabgeordnete absetzen und einsperren. Wer würde da mitmachen???
    Danke

  • 30.03.2010, 19:29 UhrAnonymer Benutzer: yahel

    @ WFriedrich
    „in Ankara wurde über deutsche innenpolitik verhandelt.“

    Um die Ausweitung der türkischen bevölkerungspolitik in D. Die innenpolitik wird zum Teil schon durch die Ditib bestimmt.

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