Türkei Merkel bemüht sich bei Erdogan um Freilassung gefangener Griechen

Die Kanzlerin versucht in der Affäre um zwei verhaftete griechische Grenzsoldaten zu vermitteln. Der Fall überschattet den geplanten EU-Türkei-Gipfel.
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Die beiden Griechen sitzen seit dem 1. März in der Türkei in Haft. Quelle: dpa
Griechische Soldaten unter Spionageverdacht

Die beiden Griechen sitzen seit dem 1. März in der Türkei in Haft.

(Foto: dpa)

AthenIn der Nacht zuvor hatte es kräftig geschneit. Feldwebel Dimitris Kouklatzis und Oberleutnant Angelos Mitretodis stapften durch den Neuschnee, dichte Nebelschwaden zogen durch die Wälder an der griechisch-türkischen Grenze, die Sicht war schlecht. Die Männer folgten Fußspuren – illegale Einwanderer? Dann standen ihnen plötzlich türkische Grenzsoldaten gegenüber.

Die beiden Griechen waren offenbar auf türkisches Staatsgebiet geraten – versehentlich, wie sie beteuern. Die türkischen Grenzer nahmen ihnen die Waffen ab und brachten sie in die nächstgelegene Stadt Edirne. Das war am 1. März. Seither sitzen die beiden Soldaten im Hochsicherheitsgefängnis der Grenzstadt in Untersuchungshaft.

Die griechische Regierung versucht, auf diplomatischen Kanälen die Freilassung der beiden jungen Männer zu erreichen – bisher vergeblich. „Wir tun alles, damit die beiden so schnell wie möglich zurückkehren“, sagte Giannis Amanatidis, Staatssekretär im griechischen Außenministerium, am Mittwoch. „Es ist ein sensibles Thema, wir müssen mit kühlem Kopf und ruhig handeln“, mahnte Amanatidis im Sender „Skai“.

Der Fall belastet nicht nur die Beziehungen zwischen den Nato-Partnern Griechenland und Türkei. Er überschattet auch das für kommenden Montag geplante Treffen führender EU-Politiker mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan im bulgarischen Varna. In die Bemühungen um die Freilassung der beiden Soldaten hat sich inzwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeschaltet: In einem Telefonat mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe sich die Kanzlerin vergangene Woche für die Freilassung der beiden Soldaten eingesetzt, bestätigte der griechische Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos. Wie Erdogan reagierte, ist nicht bekannt.

Dass es an der griechisch-türkischen Grenze zu versehentlichen Grenzverletzungen kommt, sei keine Seltenheit, berichten Offiziere, die mit der Gegend vertraut sind. Bei Nebel und Schneefall, wie am 1. März, könne man leicht die Grenzmarkierungen in den Wäldern übersehen, erzählt ein Oberst a.D., der selbst dort Streife gegangen ist. Solche Zwischenfälle habe man stets vor Ort kollegial beigelegt: „Man raucht eine Zigarette mit den türkischen Soldaten und verabschiedet sich dann voneinander“, erinnert sich der Offizier.

Aber mit Kouklatzis und Mitretodis hat die Türkei offenbar andere Pläne. Nach türkischen Medienberichten prüft die Staatsanwaltschaft in Edirne eine Anklage wegen Spionage. Die Ankläger gehen auch der Frage nach, ob die beiden Griechen versucht haben, illegale Einwanderer über die Grenze zu schleusen.

„Wir warten jetzt darauf, dass die türkische Staatsanwalt die Ermittlungen abschließt und werden dann sehen, was den beiden Soldaten vorgeworfen wird“, sagte Außen-Staatssekretär Amanatidis am Mittwoch. Der griechische Premier Alexis Tsipras spielte die Festnahme anfangs als „normalen Zwischenfall“ herunter. Verteidigungsminister Panos Kammenos vermutet hingegen, der türkische Staatschef Erdogan halte die beiden Soldaten als „Geiseln“ fest.

Gegen wen sie ausgetauscht werden könnten, liegt auf der Hand: Während des Putschversuchs vom Juli 2016 flohen acht türkische Offiziere mit einem Hubschrauber nach Griechenland, wo sie Asyl beantragten. Erdogan verlangt ihre Überstellung. Aber vergangenen Freitag wies ein griechisches Berufungsgericht bereits den dritten türkischen Auslieferungsantrag zurück. Den acht Männern drohe in der Türkei „Folter, Misshandlung und Erniedrigung“, begründete Richterin Ioanna Klapa das Urteil.

Premier Tsipras ist in einer schwierigen Lage. Er hatte Erdogan schon 2016 eine schnelle Auslieferung der Offiziere versprochen. Inzwischen sind ihm aber durch die Gerichtsurteile die Hände gebunden. Statt bei Erdogan direkt zu intervenieren, sucht Tsipras internationalen Beistand. Sogar Uno-Generalsekretär Antonio Guterres bat er telefonisch um Hilfe. Auch die EU ist eingeschaltet. „Unsere Partner zeigen Solidarität und Unterstützung“, stellte der griechische Außenminister Nikos Kotzias am Montag nach dem Außenministertreffen in Brüssel fest.

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5 Kommentare zu "Türkei: Merkel bemüht sich bei Erdogan um Freilassung gefangener Griechen"

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  • Die Dame scheint an Langeweile zu leiden. Hier gibts auch keine Probleme, um die sich gekümmert werden muß. Ja, sowas habt Ihr gewählt!

  • Was hat Merkel mit Griechen am schaffen ?

  • Dieser Fall sollte von Herrn Stoltenberg geloest werden - Konflikt zwischen 2 Nato-Laendern.
    Herr Stoltenberg ist doch sonst so aktive wenn es um die "russische Bedrohung" geht!

  • "In einem Telefonat mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe sich die Kanzlerin vergangene Woche für die Freilassung der beiden Soldaten eingesetzt, ...


    Anstatt daß sie Erdogan mit Konsequenzen droht (--> Reisewarnung für die Türkei) BITTET sie das Sultanchen um etwas. Soviel zu dem Machtverhältnis zwischen Erdowahn und der weisesten Kanzlerin aller Zeiten.

  • Die Kanzlerin sollte sich um Deutschland kümmern , die Griechen kennen ihren Nachbarn schon länger und brauchen Merkels Hilfe bestimmt nicht. Schliesslich sitzen doch noch gute Deutsche in der Türkei im Knast oder haben die gefangenen Griechen einen Doppelpass.?

    Dann wäre das zu verstehen .

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