Türkenpremier auf Deutschland-Besuch: Wirtschaft warnt Erdogan vor Provokationen

Türkenpremier auf Deutschland-Besuch
Wirtschaft warnt Erdogan vor Provokationen

Für Außenhandelspräsident Anton Börner ist der Deutschlandbesuch Erdogans wahltaktisch begründet. Er hofft, dass sich der türkische Premier diesmal nicht im Ton vergreift, sondern auf politische Annäherung setzt.
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BerlinIn ungewöhnlich deutlichen Worten hat der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton F. Börner, an den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan appelliert, bei seinem Deutschlandbesuch provokante Töne zu unterlassen. Der Besuch Erdogans begründe sich in erster Linie durch den anstehenden Präsidentschaftswahlkampf. „Wir hoffen, dass er dieses Mal eine Provokation wie im Jahr 2008 nicht nötig hat“, sagte Börner Handelsblatt Online. Damals habe er die hier lebenden Türken noch vor einer Integration in Deutschland gewarnt.

Börner spielte damit auf einen Auftritt Erdogans in der Köln-Arena im Jahr 2008 an. Damals hatte der Ministerpräsident die rund drei Millionen Deutsch-Türken davor gewarnt, sich zu assimilieren, und damit eine hitzige Debatte über Integration ausgelöst.

„Vielmehr würden wir uns wünschen, dass auch die politische Ebene die Annährung vollzieht, die schon in den wirtschaftlichen und zwischenmenschlichen Beziehungen gelebt wird“, sagte Börner weiter. Dies bleibe jedoch Wunschdenken, wenn sich die Regierungskrise fortsetze und die Korruptionsvorwürfe nicht mit rechtsstaatlichen Mitteln aufgearbeitet würden. „Die derzeitige Politik gefährdet auf jeden Fall das wirtschaftliche Fortkommen der Türkei und gefährdet die vielen Errungenschaften der letzten Jahre“, warnte Börner.

Erdogan will sich heute mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) treffen. Am Abend will im Berliner Tempodrom auch eine Rede vor mehreren tausend Landsleuten halten.

Aus Sicht des BGA-Präsidenten muss die türkische Führung „die motivierten, gut ausgebildeten Eliten“ gewinnen, um einen weitere Wohlstandsvermehrung sicherzustellen. „Wenn jedoch diese Eliten aufgrund autoritärer Beschränkungen, fehlender Freiheiten oder mangelnder Rechtssicherheit verdrängt werden, droht die Türkei, das Erreichte zu verspielen“, sagte Börner. „Hierfür sollte Erdogan in Deutschland Wahlkampf betreiben.“

Ähnlich kritisch wie Börner hatten sich auch Politiker geäußert. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) mahnte er im Gespräch mit „Spiegel Online“, dass Erdogan in seiner Rede vor Landsleuten die Integration der Deutsch-Türken nicht erschweren dürfe. Auch der SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich äußerte die Erwartung, Erdogan solle bei seinen öffentlichen Auftritten darauf achten, „dass er vor allem als Amtsträger und nicht als Wahlkämpfer in Deutschland respektvoll begrüßt wird“.

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Deutsch-türkischer Handel floriert

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  • Das macht doch nichts, wenn sich Erdogan im Ton vergreift. Damit muss man nur richtig umgehen, und nicht weglächeln oder überhören. "Auf einen groben Klotz, gehört ein grober Keil!" Erdogan`s Großmannssucht muss man eben klar und deutlich begegnen und ihm auch zu verstehen geben, wenn wen braucht, bzw. wer Lokomotive und wer Wagen ist.

  • Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Und falls es Ihnen noch nicht aufgefallen sein sollte, RTE ist noch nie durch diplomatische Feinheiten aufgefallen, sondern eher durch laut vorgetragene Unverschämtheiten.

  • @ Radek
    „Zurückhaltung bei Staatsbesuchen ist nicht Erdogans Sache.“

    Der hat sich noch nirgendwo zurückgehalten, warum auch. Solange kein europäischer Politiker aufsteht und ihn öffentlichkeitswirksam in die Schranken weist, macht der so weiter, wie bisher. Die Kanadier haben einem Charles de Gaulle die Tür gewiesen, als er im französischen Teil Kanadas die Bindung der lieben Landsleute an F propagierte. Das bekommt nur eine selbstbewußte Politik hin, die sich nicht darum schert, was andere dazu sagen. In D kriecht man Leuten wie RTE lieber in den Hintern statt ihm die Tür zu weisen.

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