Türkischer Kinohit empört
Schwarz-grüne Allianz gegen „Tal der Wölfe“

Der Streit um den türkischen Kinohit „Tal der Wölfe“ wird zum Politikum. CSU und Grüne fordern, den Streifen abzusetzen. CSU-Generalsekretär Markus Söder droht sogar: Die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union steht auf dem Spiel.

HB MÜNCHEN. Wegen des Streits um den türkischen Actionfilm will die bayerische Landesregierung einen Runden Tisch einberufen. „Politik, Medien und die ganze Gesellschaft sind in der Pflicht, von den Freiheiten in unserem Land in verantwortungsvoller Weise Gebrauch zu machen“, sagte Staatskanzleichef Eberhard Sinner in München.

Ministerpräsident Edmund Stoiber bekräftigte gleichzeitig seine Forderung an die Kinobetreiber, den Streifen abzusetzen. Auch Grünen-Chef Reinhard Bütikofer legte dies nahe. Er appellierte an die Verantwortung der Kinobesitzer, nicht mit dem „offensichtlich hetzerischen Film“ Öl ins Feuer zu gießen. „Bei aller Freiheit sollte man an die appellieren, die zuständig sind, verdient Euer Geld anders“, sagte Bütikofer in Phoenix. „Ich finde, man muss nicht unbedingt mit Antisemitismus und mit Antiameri-kanismus Geschäfte machen in Deutschland."

CSU-Generalsekretär Markus Söder sagte, der Film sei in keiner Form zu akzeptieren. "Wenn man überlegt, wie jubelnd und gröhlend dieser Film angenommen wird und dann die türkischen Abgeordneten und vielleicht sogar Minister diesen Film sogar unterstützen, stellen sich mehrere Fragen." Unter anderem habe das Auswirkungen auf eine mögliche Aufnahme der Türkei in die Europäische Union. „Man muss die türkische Politik auffordern, sich klar davon zu distanzieren“, forderte Söder: „Wenn eine solche Distanzierung nicht erfolgt, stellt man wohl eher fest, dass der Film gutgeheißen wird. Und so jemand kann nicht in die Europäische Union.“

Stoiber betonte, der „Hass-Film“ sei „gefährlich und verantwortungslos“. Er fördere Spaltung statt Integration. Sein Innenminister Günther Beckstein berichtete, er habe Sicherheitsleute in bayerische Kinos geschickt, um die Publikumsreaktion zu testen. Es sei zum Klatschen gekommen bei Szenen, in denen Amerikaner gedemütigt worden seien. Mit dem Film werde ohnehin schon starker türkischer Nationalismus noch gesteigert, beklagte Beckstein im WDR. Die Forderung nach Absetzung des Films sei keine Zensur. Sie liege immer noch in der Selbstverantwortung der Kinos.

Christen und Juden als Feindbild der islamischen Welt

Der Verleiher des Films, Anil Sahin, griff Stoiber wegen der Forderung nach Absetzung scharf an. „Herr Stoiber spielt mit seiner Kritik der rechten Szene in die Hände“, sagte Sahin der „Rheinischen Post“. „Ich mache mir Sorgen um die Zuschauer und die Kinobetreiber.“ Sahin äußerte Zweifel an der westlichen Demokratie. „Da stimmt doch was nicht: Wenn ein Cartoon-Zeichner zwei Milliarden Moslems beleidigt, ist das Meinungsfreiheit. Wenn aber ein Actionfilm einen Amerikaner aufs Korn nimmt, wird von Volksverhetzung gesprochen.“

Die Kritiker werfen dem Actionfilm, in dem ein türkischer Geheimdienstheld im Irak gegen die Amerikaner kämpft, eine extrem einseitige und antiwestliche Darstellung des Irak-Kriegs vor. Die Kritik an dem Film entzündet sich vor allem daran, dass Christen und Juden als Feindbild der islamischen Welt dargestellt würden.

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