TV-Bericht
Schröder plant offenbar den Teilzeitkanzler

Bundeskanzler Schröder befürwortet nach einem Bericht des Fernsehsenders RTL eine große Koalition mit der Union. Seine Bedingung: Er bleibt die erste Hälfte der Wahlperiode im Amt und räumt erst dann den Stuhl für Angela Merkel.

HB BERLIN. Gerhard Schröder denke daran, die Kanzlerschaft zwischen SPD und Union aufzuteilen, berichtete RTL am Freitagabend unter Berufung auf Regierungskreise. Dabei wolle er erreichen, dass er die erste Hälfte der Wahlperiode im Amt bleibe. In der zweiten Hälfte könnte dann Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel oder ein anderer Kandidat von CDU und CSU die Regierungsgeschäfte übernehmen.

Die SPD sprach von "blanker Spekulation", vermied aber eine klare Festlegung zu der Frage. Regierungssprecher Bela Anda wollte den Bericht nicht kommentieren. Zuvor war Anda Fragen nach einem Bericht des Magazins "Stern" ausgewichen, wonach Schröder das Modell schon vor der Wahl erwogen habe. Diese Variante der rotierenden Kanzlerschaft war vom Münchner CSU-Bundestagsabgeordneten Peter Gauweiler vor einigen Tagen ins Gespräch gebracht worden. Auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) hatte bereits für eine derartige Lösung plädiert.

In der Unionsspitze wird der Vorschlag aber bislang mit der Begründung zurückgewiesen, CDU und CSU stellten die stärkste Fraktion im neuen Bundestag und wollten daher ihren Anspruch auf die Kanzlerschaft nicht aufgeben. Vorbild für das Szenario ist die Vereinbarung zwischen den Spitzen der israelischen Arbeits- und Likud-Partei, Schimon Peres und Jitzhak Shamir, die sich zwischen 1984 und 1988 als Regierungschefs abwechselten.

Die Annäherung zwischen Union und SPD geht unterdessen voran. Demonstrativ speisten Innenminister Otto Schily (SPD) und der frühere Unions-Fraktionsvize Friedrich Merz gestern gemeinsam zu Mittag - im Café Einstein auf dem Berliner Boulevard Unter den Linden. Schily und Merz würden beide mit großer Wahrscheinlichkeit in einer schwarz-roten Regierung sitzen.

Nach Angaben des Führungsmitglieds wird in der SPD-Spitze als neues Ziel genannt, Merkel als Kanzlerin zu verhindern. Um dies zu erreichen, sei das Szenario diskutiert worden, eine große Koalition ohne Schröder und die CDU-Chefin zu bilden. Dabei sei die Frage, wer von beiden zuerst verzichte.

Von Merkel war nicht die Rede

Vor diesem Hintergrund könnte eine Bereitschaft Schröders zu einer Rotation im Kanzleramt auch ein taktisches Manöver sein, um Merkel unter Druck zu setzen, die bislang an ihrem Anspruch festhält, Kanzlerin zu werden. Ihr Vertrauter, Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus, forderte die SPD auf, Merkels Anspruch bis zum Treffen am kommenden Mittwoch anzuerkennen. In Unions-Kreisen hieß es zu dem RTL-Bericht, die Union bleibe bei ihrem Anspruch, als stärkste Fraktion im Bundestag künftig die Kanzlerin zu stellen.

Dem "Stern" zufolge hatte Schröder in kleinem Kreis davon gesprochen, nach weiteren zwei Jahren im Amt könnte ihm CSU-Chef Edmund Stoiber, der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff oder der hessische Regierungschef Roland Koch (beide CDU) folgen. Von Merkel war dem Bericht zufolge nicht die Rede.

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