TV-Duell
Experten befürchten 90 Minuten Langeweile

Nach tagelangem Streit steht der Termin für das TV-Duell zwischen Gerhard Schröder und Herausforderin Angela Merkel fest. Doch Kanzler und Medienexperten zeigen sich verwundert über das zurückhaltende Auftreten der Sender. Alle Fernseh-Bosse beugten sich trotz verlockender Quote der CDU-Forderung nach nur einer Streitrunde. Für die Zuschauer könnte die 90-Minuten-Show nun zur großen Enttäuschung werden.

HB BERLIN. Der Kanzler gab sich gelassen. "Man sollte daraus jetzt keine Staatsaktion machen", dämpfte Gerhard Schröder die Aufregungen um die Bedingungen für das TV-Duell mit seiner Herausforderin Angela Merkel. Er stehe jedenfalls unverändert für alle Lösungen bereit, ob nun mit zwei oder vier Moderatoren, "meinetwegen auch mit sechs", ließ der wissen. Auf irgendetwas werde man sich ja wohl einigen.

Am Mittwochnachmittag ging der Wunsch dann in Erfüllung - wenn auch nicht so ganz in Schröders Sinn. Nach zweistündigen Beratungen verständigten sich die Chefredakteure von ARD, ZDF, RTL und Pro7/SAT.1 mit den Sekundanten Schröders und Merkels im Konferenzraum eines Berliner Hotels auf die endgültige Choreografie: Nur ein 90-minütiges Duell am 4. September mit gleich vier Moderatoren.

Schröder zeigte für das Verhalten der öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehgewaltigen wenig Verständnis. Es müsse doch eigentlich eine Frage des "Selbstbewusstseins der Sender" sein, wer über den demokratischen Informationsanspruch bestimmen könne, stichelte der Kanzler in Richtung der TV-Oberen. Immerhin 15 Millionen hätten vor drei Jahren seine beiden Fernseh-Auftritte mit dem damaligen Unions-Spitzenmann Edmund Stoiber verfolgt.

Die eher versteckte Kritik Schröders an der mangelnden Konfliktfähigkeit der Fernseh-Bosse wurde im Kanzleramt klarer formuliert. In Erwartung eines Unions-Wahlsiegs im September hätten sich die TV-Verantwortlichen offenbar bereits "bereitwillig vor CDU/CSU in den Sand gelegt", war zu hören. Weil aus den Leitungsebenen der Fernsehsender keinerlei Druck in der Duell-Frage gekommen sei, habe die Union mit ihrer Position leichtes Spiel gehabt.

Auch viele Medienforscher halten zwei TV-Duelle für besser. Ein einziges TV-Duell zwischen Schröder und Merkel ist nach Ansicht des Kommunikationsforschers Patrick Rössler nicht die optimale Lösung. "Sinnvoller sind in jedem Fall zwei, weil das Format und die Protagonisten ja auch eine gewisse Aufwärmzeit brauchen und es zu viele Themen sind für eine Sendung", sagte der Erfurter Professor. "Außerdem kommt bei nur einer Sendung der Tagesform zu viel Bedeutung zu."

Seite 1:

Experten befürchten 90 Minuten Langeweile

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%