TV-Duell in Niedersachsen
„So etwas macht man einfach nicht“

  • 1

„Sie überblicken nicht, worüber Sie reden“

Bildung ist für viele Niedersachsen eine Herzensangelegenheit. 37 Prozent der Wähler gaben im ZDF-Politbarometer an, dass das Thema für sie wahlentscheidend sein wird. Entsprechend leidenschaftlich stritten Weil und Althusmann über ausgefallene Schulstunden, Inklusionsschulen und Kindergärten. Im Nachteil war dabei Althusmann: Als er von 2010 bis 2013 selbst als Kultusminister für das Ressort zuständig war, war die Zufriedenheit der Niedersachsen noch geringer – auch dank des Abiturs innerhalb von acht Jahren, das Althusmann einführte und Weil in seiner Regierungszeit danach wieder aufhob.

Punkten konnte der CDU-Kandidat dagegen beim Thema VW. Aggressiv ging er seinen Gegner Weil, der als Ministerpräsident auch im VW-Aufsichtsrat sitzt, wegen des Abgasskandals an: „Sie haben von der Diesel-Affäre in der Tagesschau erfahren. Sie haben vom Kartellskandal aus der Zeitung erfahren, ebenso vom Umbau des Konzerns.“ Er bezweifle, dass der Konzernvorstand Weil als Aufsichtsratsmitglied ernst nehme – und Weil sein Mandat als Aufsichtsrat.

Ungläubig verzog Weil seine Augenbrauen. „Sie überblicken nicht, worüber Sie reden“, antwortete er. VW sei für Niedersachsen zu wichtig, um damit Wahlkampf zu machen. Er erwarte „ein wenig mehr Zurückhaltung“: „Wir haben das aufzuräumen, was unter ihrer Mitverantwortung an Fehlentwicklungen gelaufen ist.“ Damit spielte Weil auf die Regierung des damaligen CDU-Ministerpräsidenten Christian Wulff an, in dessen Amtszeit die Diesel-Manipulationen seinerzeit fielen.

Erst zum Schluss kam Moderator Cichowicz auf das Thema, das im Bundestagswahlkampf noch wenige Wochen zuvor alles überschattet hatte: Innere Sicherheit. Althusmann wetterte: „Wir haben bis zu 70 islamistische Gefährder im Land. Die SPD hat gerade einmal zwei davon abgeschoben.“ Niedersachsen sei so zur Wohlfühlzone für Islamisten geworden. Auch bei der Abschiebung von Menschen ohne Bleiberecht hinke das Land hinterher.

„Ich nehme mal den Faktencheck vorweg“, konterte Weil gelassen. Niedersachsen sei bei den Rückführungen 2016 bundesweit führend gewesen und habe auch erst durchgesetzt, dass Gefährder überhaupt abgeschoben werden. „Machen Sie nicht den Fehler, Niedersachsen für unsicher zu erklären“, riet er Althusmann. „Es sei denn, sie nehmen billigend in Kauf, dass die AfD ins Parlament kommt.“

Die jüngsten Umfrageergebnisse vom Montag machen das zumindest wahrscheinlich. Laut Wahlforschungsinstitut Insa liegen SPD und CDU mit 33 beziehungsweise 32 Prozent nahezu gleichauf, Grüne und FDP folgen mit je zehn Prozent, AfD und Linke mit sieben beziehungsweise fünf Prozent.

Die Regierungsbildung dürfte schwierig werden: FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner hat eine Koalition mit den Grünen in der NDR-Debatte wenige Stunden zuvor kategorisch ausgeschlossen. Und für eine große Koalition haben sich Weil und Althusmann nicht gerade beworben.

Seite 1:

„So etwas macht man einfach nicht“

Seite 2:

„Sie überblicken nicht, worüber Sie reden“

Kevin Knitterscheidt
Kevin Knitterscheidt
Handelsblatt / Volontär

Kommentare zu " TV-Duell in Niedersachsen: „So etwas macht man einfach nicht“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Die Altparteien haben fertig"

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%