TV-Duell zwischen Steinbrück und Rüttgers
Zettelkasten gegen Dauerlächeln

Fünf Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein- Westfalen haben sich Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) und sein Herausforderer Jürgen Rüttgers (CDU) ein zweites TV-Duell geliefert.

HB BOCHUM. Angesichts knapper werdender Abstände in den Meinungsumfragen legten sich die beiden Spitzenkandidaten fünf Tage vor der Entscheidung heftig ins Zeug. Anders als im ersten TV-Schlagabtausch Anfang Mai, versuchte sich der ansonsten eher moderat auftretende Rüttgers diesmal mehr als Angreifer, während Steinbrück sich verbindlicher gab.

Steinbrück bot mehr für die Show, aber man merkte ihm die Diskrepanz zwischen seinem Macherimage und der rot-grünen Wirklichkeit an - vor allem, wenn es um die Themen Bildung und der Kapitalismuskritik von SPD-Chef Müntefering ging. Rüttgers wollte den Wechsel weichspülen und quasi "im Schlafwagen an die Macht". Nach Ansicht von Experten ein legitimes Mittel - denn Wähler sind oft genaus so scheu wie Investoren.

Schon vier Stunden vor der zeitgleichen Ausstrahlung in ZDF und WDR wurde die einstündige Frage- und Antwortrunde in der Bochumer Jahrhunderthalle aufgezeichnet. Die Umgebung beider Spitzenkandidaten gab gleich darauf äußerst unterschiedliche Bewertungen ab. Während Mitarbeiter von Steinbrück fanden, sie hätten soeben den "besten TV-Auftritt des Ministerpräsidenten überhaupt" erlebt, nannten die Interpretatoren aus Rüttgers Umgebung den meist lächelnden Sozialdemokraten "weich gespült und farblos".

Gleich zu Beginn fuhr der Herausforderer schweres Geschütz auf: Die höchste Arbeitslosigkeit seit dem 2. Weltkrieg, 110 Milliarden Euro Schuldenrekord, jährlich 5 Millionen Stunden Unterrichtsausfall und ein unsoziales Bildungssystem hätten 39 Jahre Rot-Grün im größten Bundesland gebracht. Mit Hilfe eines Stapels von Karteikarten konfrontierte Rüttgers Steinbrück immer wieder mit nicht erreichten Zielen in der Wirtschafts-, Arbeits- und Haushaltspolitik.

Anders als in der ersten TV-Runde fiel Steinbrück seinem Gegner aber nicht in einem Stakkato von Gegenargumenten ins Wort, sondern parierte kontrollierter und mit Humor. "Seien Sie doch nicht so nervös, Herr Rüttgers", wiederholte er schmunzelnd einen Ratschlag, den Rüttgers ihm in der ersten TV-Runde mit auf den Weg gegeben hatte. Und der frei sprechende Amtsverteidiger stichelte gegen Rüttgers Stichwort-Kartei. "Ich hätte gern die Zitaten-Sammlung von Ihnen, Herr Rüttgers. Ihr Zettelkasten ist hoch interessant."

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