TV-Interview: Offensive gerät zum Rohrkrepierer

TV-Interview
Offensive gerät zum Rohrkrepierer

Der Bundespräsident bleibt auch nach seinem TV-Auftritt unter Druck. Die Opposition hält Wulffs Erklärungen für unzureichend, die „Bild“-Zeitung widerspricht zentralen Aussagen. Auch im Volk verliert er an Rückhalt.
  • 96

BerlinDie „Bild“-Zeitung hat der Aussage von Bundespräsident Christian Wulff widersprochen, er habe mit seinem Anruf beim Chefredakteur Kai Diekmann eine Berichterstattung zu der Kredit-Affäre nicht verhindern wollen. „Das haben wir damals deutlich anders wahrgenommen. Es war ein Anruf, der ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden“, sagte Nikolaus Blome, Leiter des Hauptstadt-Büros der „Bild“-Zeitung, am Mittwochabend im Deutschlandfunk. Wulff hatte sich zuvor in einem Interview von ARD und ZDF zu der seit Wochen anhaltenden Affäre geäußert. Einer Umfrage zufolge verliert Wulff in der Bevölkerung an Unterstützung.

Ob der Anruf als Drohung verstanden werden könne oder nicht, sei vielleicht eine Geschmacksfrage, sagte Blome. „Aber klar war das Ziel dieses Anrufes, die Absicht und das Motiv, nämlich: diese Berichterstattung, diesen ersten „Breaking'-Bericht über die Finanzierung seines privaten Hauses, zu unterbinden.“ Wulff war in dem Interview gefragt worden, ob es nicht für einen Bundespräsidenten tabu sein müsse, unliebsame Berichterstattung verhindern zu wollen. „Ich habe nicht versucht, sie zu verhindern. Ich habe darum gebeten, einen Tag abzuwarten“, sagte er dazu.

Nach Darstellung der Opposition hat Wulff die Vorwürfe nicht ausräumen können. „Es ist schade, dass Christian Wulff wieder die Chance vertan hat, für Orientierung zu sorgen“, sagte der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, Handelsblatt Online. „Er wird es sehr schwer haben, die für das Amt des Bundespräsidenten erforderliche Autorität und Integrität wiederzuerlangen.“ Das sei schlecht für unser Gemeinwesen und parteipolitischen Nutzen werde davon niemand haben. Eigentlich sei der Bundespräsident für die Grundsatzfragen zuständig und von ihm erwarteten die Bürger Umsicht, Urteilskraft und Orientierung. Doch schon die letzten Wochen hätten gezeigt, „dass unser Staatsoberhaupt in eigener Sache diese Orientierung völlig verloren hat“, so Stegner.

Der SPD-Innenpolitiker und Mitglied im Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Edathy, zeigte sich überzeugt, dass das TV-Interview des Bundespräsidenten die Debatte über sein Verhalten nicht beenden werde. „Viele Fragen bleiben leider offen“, sagte Edathy Handelsblatt Online. So bleibe ungeklärt, ob Wulffs Anruf bei der "Bild"-Zeitung tatsächlich nur die Verschiebung der Veröffentlichung bezweckt habe und nicht ihre Verhinderung. „Wenn es um eine reine Verschiebung ging, warum drohte Wulff dann mit rechtlichen Schritten?“, fragte Edathy.

Seite 1:

Offensive gerät zum Rohrkrepierer

Seite 2:

"Weiterer Akt in dem quälenden Staatsdrama"

Kommentare zu " TV-Interview: Offensive gerät zum Rohrkrepierer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • SKANDAL! Schausten macht den Wulff!!!!

    Sie nehme kein Geld Übernachtungen ...

    Aha. Hat kein Schwein gefragt. Es ging darum, daß sie "Freunden" (kicher) welches bezahlt.

    So macht man den Wulff - und kommt damit durch ...

    Von einer ÖR-Frau kann man doch komplette Transparenz erwarten, oder? Ich hätte hier einen 400 Fragen umfassenden Latalog: Wer hat wann in welchem Bett geschlafen? Wer hat welche Zahnbürste benuzt etc etc etc.

    Man man ja wohl mal fragen dürfen in Deutschland, oder?

  • Zu keiner Zeit habe ich als Südländer daran gezweifelt dass die Deutsche sich wieder als Musterschüler erweisen und uns nachmachen würden! Das war so für Musik und Kunst, warum nicht für Mafiosismus? Nur Erbe des Römischen Reiches zu werden, oft angestrebt, nie erreicht, bleibt für Teutonien ein unerfüllter Traum.

  • @mono

    Wenn ich das richtig erinnere (wer braucht schon wikipedia), war es ursprünglich ein Druckfehler, McLuhan fand ihn aber so witzig, daß er das "a" übernahm.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%