TV-Kritik Anne Will
"Die Gesellschaft kriegt vielleicht die Krankheit, die sie braucht"

Bei „Anne Will“ feierte Daniel Bahr seinen ersten Talkshow-Auftritt als Gesundheitsminister. Überraschend ging es nicht um Darmkeime, sondern um Dumpinglöhne in der Altenpflege. Eine spannende Diskussion gab es trotzdem.
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KölnEine Ministerpremiere, das ist immer noch etwas leicht Besonderes in der Talkshowlandschaft. Daniel Bahr, als Bundesgesundheitsminister noch keine vier Wochen im Amt, freilich schon lange ein erfahrener Talkshow-Politiker, hatte am Sonntag gar noch die Haupt-Schlagzeilen bestimmt - wegen der Auswirkungen der EHEC-Krise auf die Krankenhäuser. Wegen des ARD-Programms wurde bei Anne Will abends dennoch über etwas anderes aus seinem Ressort diskutiert. Unter dem Titel "Wenn Svetlana Opa betreut – letzter Ausweg illegale Pflege?" ging's ums Thema des vorher gesendeten Münchener "Tatorts".

Das Luxusdilemma mit der Aktualität löste Will durch ein vorweg gestelltes Kurz-Einzelinterview mit Bahr, der Gelegenheit bekam, die Krankenhausärzte im Hamburger UKE zu loben. "Belohnt" wurde der Minister dann durch eine Talk-Konstellation, in der politische Gegner zugunsten von Demenz-Experten aus Theorie und Praxis fehlten. Als Sympathieträgerin entpuppte sich sofort Erika Weber, pflegende Ehefrau ihres an Alzheimer erkrankten Mannes. Eine Betroffene, die statt auf der berüchtigten Betroffenencouch zu sitzen, eloquent die Rederunde belebte. Gleich zerstreute sie eventuelle Befürchtungen, das düster scheinende Thema erlaube keinen Humor ("Die Gesellschaft kriegt vielleicht manchmal die Krankheit, die sie braucht"). Immer wieder sorgte sie für Lichtblicke ("die Krankheit ist nicht das Ende unserer Beziehung").

Kein bisschen weniger eloquent Nare Yesilyurt, Betreiberin eines multikulturellen Pflegedienstes in Berlin ("Bei der Krankheit spielt die Kultur gar keine Rolle"), die vorrechnete, dass die Rund-um-die-Uhr-Pflege eines Demenzkranken 13.000 Euro im Monat kosten würde.

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  • Gunther Sachs hat es doch vorgemacht wie die Lösung ist.

  • An der Bezahlung und Ausstattung im sozialen Bereich, dort wo Bedürftige (Kinder, Kranke, ältere Menschen etc.) zeigt sich doch am deutlichsten, was der Gesellschaft Humanitiät und Fürsorge wert ist.
    In DE schon lange auf dem absteigenden Ast: Am besten solle alle kostenlos arbeiten (leiber noch Geld mitbringen), ehrenamtlich und dann noch gut qualifiziert.

    Währendessen logiert manch altgedienter Politiker sowie der Geldadel in First-Class-Seniorenheime und hat seine Kinder hochwertigen Privatausbildungen zukommen lassen.

    So geht das natürlich auch.

  • Peinliche Werbung.

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