TV-Kritik Anne Will: „Europakrise hat Auswirkungen wie ein Krieg“

TV-Kritik Anne Will
„Europakrise hat Auswirkungen wie ein Krieg“

„Ist Deutschland der Zuchtmeister in Europa?“, fragt Anne Will und bekommt eine Diskussion über Krisenpolitik, in der bekannte Argumente ausgetauscht werden. Tenor: Wir brauchen den Euro – auch wenn er ein Fehler war.
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DüsseldorfNach dem Zypern-Talk in der vergangenen Woche setzte Anne Will in ihrem TV-Talk dieses Mal auf Europa und seine Zuchtmeister. Wieder ging es um die EU und den Euro, wieder endete man bei der Frage, wie beides denn noch zu retten sei und wieder waren sich alle einig: Die gemeinsame Währung ist eine Fehlkonstruktion. So richtig abschaffen wollte sie im Gegensatz zur Vorwoche allerdings niemand.

Einzig die Publizistin Gertrud Höhler wünschte sich Länder wieder „beweglich in der Währung“. Die Literaturwissenschaftlerin bildete gemeinsam mit dem Journalisten Michalis Pantelouris das Lager der Kritiker der Krisenpolitik. Die Verlierer davon seien die jungen Menschen in Südeuropa, für sie „hat die Europakrise Auswirkungen wie ein Krieg“, sagte Höhler. Auch Pantelouris sprach viel von hoher Jugendarbeitslosigkeit.

Ihnen gegenüber saßen der Leiter des ARD-Studios in Brüssel Rolf-Dieter Krause, der ehemalige Bürgermeister von Hamburg Klaus von Dohnanyi und der CDU-Europaparlaments-Abgeordnete der ersten Stunde Hans-Gert Pöttering. Vor allem letzterer hielt mehrere Kurzplädoyers für die europäische Idee. Auch von Dohnanyi und Krause zeigten sich als überzeugte Europäer und mit der aktuellen Rettungspolitik im Prinzip einverstanden: Ein Akt der Solidarität sei vor allem die Rettung des nicht systemrelevanten Zyperns, und wer Hilfe empfange müsse auch Veränderung geloben.


Das war ein Problem dieser Anne-Will-Sendung: Das Thema lautete „Merkels Euro-Kurs in der Kritik – sind wir Europas Zuchtmeister?“. Der zweite Teil der Frage, also ob Deutschland zu sehr über Europa herrsche, und ob das gegebenenfalls gerechtfertigt wäre, wurde aber oft nur gestreift. Stattdessen ging es allgemein um den Kurs der Euro-Rettung, was die Diskussion zerfasern ließ.

Anne Will versuchte, vor allem durch Einspiel-Filme, das Gespräch wieder auf Deutschlands Rolle und Ansehen in Europa zu lenken und entlockte so zum Beispiel Michalis Pantelouris die Analyse, dass in Griechenland zwar Angela Merkel sehr unbeliebt sei, es aber keine Ressentiments gegen Deutsche an sich gebe. Und Rolf-Dieter Krause sagte, wie gefährlich Äußerungen seien wie „In Europa wird jetzt Deutsch gesprochen“. Aber davon ausgehend kamen die Befragten doch stets wieder auf ihre eigenen Positionen zum Thema Eurokrise. Nicht immer bezogen sich die Diskussionsbeiträge dabei aufeinander.


Pöttering und von Dohnanyi betonten, wie gut ihnen die Kanzlerin und Wolfgang Schäuble als Krisenretter gefielen. Bevormundung nach Zuchtmeisterart könnten sie nicht erkennen, vielmehr seien die Auflagen, die mit den Rettungspaketen für Krisenstaaten verbunden sind, Zwänge des Marktes. „Es ist notwendig, wettbewerbsfähig zu sein“, so Dohnanyi. „Das erklären die Regierungen von Spanien, Griechenland und Portugal ihren Bürgern aber nicht.“ Also erkläre es Deutschland.

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Einführung des Euro ein „Kardinalfehler“

Kommentare zu " TV-Kritik Anne Will: „Europakrise hat Auswirkungen wie ein Krieg“"

Alle Kommentare
  • @FoulBreitner

    Auszgezeichnet analysiert.

    Ich persönlich glaube allerdings, dass die neoliberalen, scheindemokratischen Nationalstaaten in Kürze in ein totalitäres politisches System überführt werden sollen. Also nicht nur eine wirtschaftliches sondern auch ein politisches China droht.

    Einfacher ausgedrückt: Die Elite bekämpft die Masse wie Ungeziefer.

  • Danke für den faktenfreien Kommentar auf Kindergartenniveau.

  • Ja, ungefähr tausend:

    Aus denen der im Bundestag sitzenden Mitglieder der neuen (pseudo)sozialistischen Deutschen Einheitspartei CDUCSUFDPSPDGRÜNE und denen des anhängige Hofstaates (Berater etc.). Und dann wären da noch die begünstigten des größtern Raubzuges des Geschichte: Konrzenchefs, Vorstände etc.

    Der EURO war ein trojanisches Pferd.

  • Bauantraege werden ueber Jahre verschleppt. Der Fahrzeugbereich ist in e...

    Der Schreiber vergisst dabei, das Italien nicht Deutschland ist. Bislang, muss jedes Bau- Projekt hingehend auf "Sinnvoll" durchleuchtet werden. Bis heute, wurden tausende sogenannter "Projekte für die Zukunft", von Politikern die, die interessen der Mafia wahrnehmen, in den Kommunen und im Staat generiert, über einen unglaublich langen Zeitraum hin, verwirklicht und völlig überteuert "nicht fertig gestellt". Kaum hatten die öffentlichen und auch privaten Auftraggeber gezahlt, gingen die Bauarbeiter. Das ist bis heute so. Der Staat hat daraufhin ein Kontrollsystem aufgebaut, das auf der sogenannten "Weißen Liste" beruht. Das heißt, das Bauunternehmen nicht von und mit Mafiosis gesteuert werden dürfen. Wobei, diese natürlich, Umwege ausgelotet haben um an das geld zu kommen. Wer hier von einer Steigerung der Arbeitsplatzanzahl spricht, der ist davon nicht unterrichtet. Arbeitsplätze werden in erster Linie von Angehörigen, von Angehörigen der Mafia besetzt und dies solange nur, bis die letzte Rate an das Bauunternehmen überwiesen wurde. Danach, wie schon erwähnt steht alles still. Bevor man so etwas zusammen schreibt, sollte man sich über die Gegebenheiten informieren. Selbst die ehemalige Alfa Romeo Autofabrik, ganz Süden des "Stiefelkontinents", war völlig in der Hand der Mafia. Es gibt dort bis heute, eine Kläranlage. Diese steht, seit Jahren, auf einem spitzen Berg und funktioniert nicht. Man hätte sie auch unterhalb des Berges bauen können, aber dann hätte die Mafia den Staat nicht dersrt verhöhnen können. Aufgrund der Höhenlage müsste eine immens teure Pumpenkonstruktion über viele Stufen verwendet werden. Die Kosten würden ein weiteres Vielfaches betragen.

  • Auch ich wähle AfD!!!!!!!!!!

  • Ich moechte einmal am Beispiel von Italien erlaeutern wie man den Fluss des Marktes (cash Flow) anheben kann.
    Europa leidet insgesamt an einer Verstopfung. Undurchsichtige Regelungen und willkuerliche Entscheidungen Staatlicher institutionen sind nicht foerderlich fuer einen prosperierenden Markt. Und einen schwachen Markt koennne wir uns mit diesem Wirtschafts und Sozialsystem nicht leisten. - Man koennte auch ueber ein ganz neues Staatsmodell nachdenken - . Nun, das Beispiel Italien zeigt deutlich wie laehmend falsche Regelungen und ein sehr traeges Staatsorgan sein koennen. Bauantraege werden ueber Jahre verschleppt. Der Fahrzeugbereich ist in einer Art eingeengt das von einem Zusatzmarkt kaum die Rede sein kann. Hier koennen mit einem Schlag 200.000 Arbeitsplaetze geschaffen werden. Im Baubereich denke ich an 50-100.000. Modernisierung von immobilien und Strassen um 100.000. Bereich alternative Energieen ueber 100.000. Hier wird systematisch blockiert. Mit den alten Regierungsparteien ist da nichts zu machen. Italien koennte an 2. Stelle im Euroraum liegen wenn endlich die Maerkte lieberalisiert und vereinfacht werden wuerden. Welche Interessen sind hier nur am Werk? Guten Tag.

  • Wenn CDUSPDGRÜNEFDPLINKECSU ausgeschaltet sind, gehts mit Deutschland wieder nach oben!

    Deutschlands schlimmste Feinde!

    Wer hat Deutschland bis heute ruiniert?
    ++++CDUSPDGRÜNEFDPLINKECSU++++

    Ich wähle AFD, Alternative für Deutschland

  • Wer keinen Dachschaden hat,
    kann nur Alternative für Deutschland wählen!
    Es gibt sonst keine vernünftige Alternative!

    Weil CDU SPD GRÜNE FDP CSU LINKE haben bewiesen, sie können NUR Untergang!

  • Neodym
    nein auch dann nicht
    Denn es hieße ja, die Souverenität der Länder aufzulösen und das macht kein Land mit, denn die haben alle noch Nationalstolz im Gegensatz zu den Deutschen.
    Unsere Eurofanatikr müssen endlich begreifen, dass Europa kein Staat ist, sondern ein Kontinent mit vielen unterschiedlichen Ländern und genau das macht ja auch den Charme aus.
    Aber jedes Land ist ein wenig anders, hat eine andere Wirtschaft etc.
    Aber wo nur noch Dilettanten, andererseits aber Fanatiker am Werk sind, habe ich wenig Hoffnung

  • Luzifer
    das ist gut.
    Einen besseren Vergleich kann man eigentlich nicht bringen
    Das ist ja auch das, as Frau Höhler sagte. Als sie aufführte, dass Italiener, Griechen etc. eben eie andere Lebensweise als die Deutschen haben und wir das früher ja auch schön gefunden haben

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