TV-Kritik Anne Will
„Industriespionage in riesengroßem Ausmaß“

Erstaunlich vielseitig wurde bei Anne Will über Edward Snowden und Spionage, über Gefahren für die deutsch-amerikanische Freundschaft und beunruhigend offene Fragen diskutiert.
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Ein Gutes der vielen Talkshows im ARD-Programm: Wenn eine von ihnen ein diskussionswürdiges Thema eklatant verpasst hat, gibt es genug andere, die den Aktualitätsfehler ausbügeln können. Nachdem Günther Jauch am Sonntag das sehr zeitlose Thema Schlaglöcher unter dem Titel Geht Deutschland kaputt? betalkt hatte, setzte eben Anne Will auf ihre Tagesordnung, ob gerade auch die deutsch-amerikanische Freundschaft kaputt gehen könnte.

Die Sendung unter dem Titel Deutschland bespitzeln, Snowden verfolgen - sind diese Amerikaner noch unsere Freunde? begann am späten Mittwochabend straff. Ein Einspielfilm ordnete den tagesaktuellen Eklat um die erzwungene Landung des bolivianischen Präsidenten-Flugzeugs in Wien in den Zusammenhang ein. Auch Bradley Manning, Edward Snowdens Vorgänger unter den Top-Whistleblowern, dem ein amerikanisches Militärgericht gerade den Prozess macht, kam vor.

Anschließend legte der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel in Wahlkampfform los. Die Hybridüberwachung gigantischer Datensammlungsmaschinen in der Privatwirtschaft gemeinsam mit staatlichen Stellen sei der Kern des Problems, oder, wie er später formulierte, das Verschneiden von Daten bei Google, Facebook, Amazon mit denen der Geheimdienste. So drohe in der Tat eine Zerstörung des Wertefundaments, das die USA und Deutschland bislang verband.

Schon während Gabriels Beitrag zoomte die Kamera immer wieder auf das faszinierend reglose Pokerface des amerikanischen Studiogastes. Politikberater Andrew B. Denison verteidigte das seiner Meinung nach legale Handeln der NSA ohne Abstriche. Gerade würde manches unangemessen übersetzt, etwa der vielzitierte Begriff Partner dritter Klasse, meinte er zwar. Doch schien auch bei einigen seiner Sätze unklar, ob der englischsprachige Originalgedanke genauso bedrohlich klingen würde wie Aussagen auf deutsch à la Die NSA ist dazu da, die Gesetze anderer Staaten zu brechen, und sie sei so etwas wie eine Virenschutzorganisation für Amerika. Unmissverständlich sagte er nicht nur, es sei schon vor Snowden allgemein bekannt gewesen, dass alle Daten, die durch Amerika gehen, abgehört würden. Sondern das bliebe auch so: Amerika wird heute und in Zukunft alle Datenströme, die über seine Grenzen fließen, vollständig speichern.

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„Industriespionage in riesengroßem Ausmaß“

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"Ungeheuerlicher Vorgang"

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Viele beunruhigende Fragen

Kommentare zu " TV-Kritik Anne Will: „Industriespionage in riesengroßem Ausmaß“"

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  • Hat Schröder deshalb schon damals während seiner Zeit das Bankgeheimnis gelöst? Damit das Rumschnüffeln leichter wird?
    Die sollen doch alle nciht so tun, als wüßten sie von nichts

  • george.orwell
    hier gebe ich Ihnen voll und ganz Recht

  • black
    Genau das ist der Punkt. Sie haben es einfach aber einfach so wahr ausgesprochen.
    Man stelel sich mal vor, die dürften nirgedwo mehr Krieg spielen. Die wüßten ja gar nicht, was sie anfangen sollten

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