TV-Kritik Anne Will
„Was die Syrer wollen, ist schon lange egal“

Trump greift in Syrien ein – richtig oder falsch? Beim Talk von Anne Will waren die Gäste geteilter Meinung. Vor allem die Frage nach einer möglichen Lösung im Syrienkonflikt sorgte für kontroverse Diskussionen.
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BerlinHat US-Präsident Trump richtig gehandelt? Wird Russland weiterhin an Baschar al-Assads Seite stehen? Wie kann eine Lösung für Syrien gefunden werden? Anne Wills Gäste diskutierten am Sonntagabend mehr als eine wichtige Frage nach dem US-Angriff auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt in der Nacht zum Freitag. Nach manch fadem Gedankenaustausch vergangener Sendungen waren sich die Teilnehmer diesmal nicht immer einig.

Weil der US-Präsident als Antwort auf einen Giftgasangriff mit über 80 Toten eine syrische Luftwaffenbasis hatte beschießen lassen, wollte Will wissen: „Trump bekämpft Assad – Droht jetzt ein globaler Konflikt?“ Diese Frage war zumindest aus Sicht der Diskutanten schnell beantwortet. Es bestehe keine Gefahr eines neuen Weltkriegs, meinte der ehemalige US-Botschafter in Deutschland, John Kornblum. Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn stimmte zu. Trump habe bei dem Angriff eine politische, „global strategische“ Absicht verfolgt.

Zu Gast waren außerdem Jan van Aken (Die Linke), außenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion, der Autor und Nahost-Experte Michael Lüders sowie Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Diese schloss erneut einen deutsche Beteiligung an möglichen weiteren Offensiven unter Trump aus. „Militärische Hilfe wird nicht passieren.“ Gehe es allerdings um einen diplomatischen gemeinsamen Gedanken, sei das richtig, sagte sie.

Den US-Angriff nannte von der Leyen in Anbetracht der zahlreichen bisherigen Gräueltaten des syrischen Präsidenten einen Warnschuss. „Ich finde, das ist nachvollziehbar.“ Ein solcher Luftangriff sei aber keine Lösung, so von der Leyen. „Dieses Land kann nur Frieden finden, wenn sich alle an einen Tisch setzen und eine politische Lösung finden.“ Und damit meinte sie vor allem die beteiligten Parteien in Syrien.

Jan van der Aken kritisierte Trumps Alleingang hingegen scharf. Zum einen könne man das Völkerrecht nicht außer Acht lassen, „weil Assad ein Schlächter ist – was er ist“. Wer das Giftgas bei dem Angriff diese Woche eingesetzt habe, sei zum anderen „völlig unklar“. Er warf Trump vor: „Erst bomben, dann Fragen stellen.“ Auch Anne Will bestätigte: „Bewiesen ist gar nix.“

Auch Michael Wolffsohn nannte den Angriff völkerrechtlich „nicht koscher“. Der ehemalige US-Botschafter Kornblum aber konterte: „Völkerrecht ist nicht immer das, was geschrieben ist.“ Es müsse auch den Gegebenheiten angepasst sein.

Nahost-Experte Lüders aber sah die Einmischung der vielen anderen Staaten im Syrienkrieg mehr als kritisch. Dort finde ein „Stellvertreterkrieg“ statt. „Was die Syrer wollen, ist schon lange egal.“ Lüders Lösung für Syrien ist ein „Deal“ zwischen Russen und Amerikanern. Der Westen Schuld am Syrienkonflikt? Für Kornblum ist das eine „Verschwörungstheorie“. „Die Wahrheit ist, der Nahe Osten fällt auseinander.“ Manchmal gebe es Situationen, die nur Mächte von außen lösen könnten.

Einig war man sich aber doch größtenteils über Russlands Lage. Wladimir Putin zählt als engster Verbündeter Assads. Putin befinde sich nun in einer „Sackgasse“, sagte Kornblum. Auch von der Leyen sieht beim russischen Präsidenten die Bereitschaft zu Gesprächen. „Für Putin ist der Syrienkrieg eine zunehmende Belastung.“ Immer wieder betonte sie das gemeinsame Ziel aller Parteien: den „Islamischen Staat“ als Hauptfeind zu bekämpfen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " TV-Kritik Anne Will: „Was die Syrer wollen, ist schon lange egal“"

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  • Über die Aussage der Frau v.d.Leyen kann man nur schockiert sein.
    Was macht diese Frau auf ihrem Platz als Ministerin d.V.?
    Jan van Aken und Michael Lüders waren die einzigen Teilnehmer
    der Runde, die glaubwürdig rüberkamen. Kornblum wie immer
    bräsig und nicht mehr auf der Höhe der aktuellen Ereignisse.
    Die ganze Sendung ist offensichtlich nicht in der beabsichtigten
    Richtung gelaufen. Ich möchte nicht wissen, wieviel Kritik Anne Will
    hinter den Kulissen sich hat anhören müssen. Wenn man die in
    anderen Medien überwiegend geäußerte Leser-Kritik an v.d.L. analysiert,
    werden die Menschen endlich hellhörig, was es so für Fakes von
    unseren Politik-Elite-Darstellern in der völlig einseitig schreibenden
    Journalisten-Branche gibt. Endlich werden die Denk-Schablonen
    verlassen. Nur Mut zum eigenständigen Denken. Das Internet gibt
    dazu viel Hintergrund-Wissen.

  • Für mich hat sich diese von der Laien besonders lächerlich gemacht, indem die mehrmals von der Wichtigkeit der EU und den Genfer Verhandlungen schwadronierte. Es ist schon bemerkenswert, wie wichtig die sich nimmt, und glauben zu machen versucht, Putin hätte sich an irgendeinem Ergebnis der Genfer Verhandlungen zu richten, wobei es realistisch wohl in den Sternen steht, wann denn da wohl ein „Erfolg“ zu verzeichnen sein könnte.

    Es sind ausschließlich geostrategische Interessen, die in Syrien den Verlauf der Dinge bestimmen - nicht die der Syrer selbst und schon gar nicht die von der Laien.

    Herr Wolfshohn brachte es am Ende des „Tatorts“ auf den Punkt, indem er feststellte, dass 3 Mächte, nämlich USA, Russland und China den weiteren Fortgang bestimmen.

    Von der Laien sah sich daraufhin wieder dazu berufen, auf die Wichtigkeit der EU (Europa) hinzuweisen. Dem stimmte Herr Wolfshohn schon fast mitleidig zu, womit er von der Laien sichtbar glücklich machte.

    Mein Eindruck ist, dass von der Laien nicht begriffen, was Herr Wolfshohn mit seiner „adelnden Zustimmung“ tatsächlich meinte.

    Ich verstand das so:

    USA, Russland und China entscheiden und die EU (vornehmlich Deutschland) bezahlt die Rechnung fürs Aufräumen, den Wiederaufbau und natürlich die Betreuung der Flüchtlinge gleich wo die sich dann auch immer aufhalten.

    Meine Meinung zu von der Laien ist ziemlich übel, denn ich finde, dass die Darstellerin in einem 4.-klassigen Schmierentheater viel besser ausgehoben wäre.

  • Noch ärger trieb es Kornblum, als Lüders vollkommen zu Recht darauf verwies, dass permanent von den Opfern in Aleppo berichtet wurde, in Mossul, wo die USA mit Luftunterstützung „sich nützlich“ machen aber dagegen nicht. Da bezichtigte er dreist Lüders des Amerika-Bashings und erhielt dafür sogar noch Beifall aus dem Publikum – was für mich für eine inzwischen weit verbreitete Dummheit in Deutschland spricht. Die willige Will stärkte Kornblum mit Verweis auf die Beifallklatscher der hinteren Ränge natürlich noch den Rücken. Soweit mir aus anderen Nachrichten der vergangenen Woche bekannt ist, sterben in Mossul im Durchschnitt täglich 80 Menschen.

    Auch war die Feststellung von van Aken, dass mit dem Raketenangriff das Völkerrecht wegen fehlemden UN-Mandat gebrochen wurde, für Kornblum unberechtigt. Die Gegebenheiten machen es schon mal erforderlich, das Völkerrecht diesen anzupassen, fand er – und von der Laien fand das natürlich pflichtbewusst auch richtig. Mit anderen Worten – wenn ca. 80 Tote zu vermelden sind, spielt das Völkerrecht keine Rolle mehr.

    Mal nur gut, dass es in Sachen Mossul wegen rd. 80 Toten täglich keine ausländische Macht gibt, die Raketen auf die Basen der US-Kampfflieger abfeuert und sich dabei völkerrechtlich auf vorrangigere „Gegebenheiten“ beruft.

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