TV-Kritik Anne Will: „Wenn was stinkt, dann ist es faul“

TV-Kritik Anne Will
„Wenn was stinkt, dann ist es faul“

Mehr Kamingespräch als hitzige Diskussion war die Talkrunde bei Anne Will zur Krim-Krise. Auch wenn lange im Nebel gestochert und eine heimliche Expertin verschenkt wurde: Die Show regte zum Weiterdenken an.
  • 14

DüsseldorfMit einer Gegenfrage begann Anne Wills Talkshow am Mittwochabend und damit reichlich undankbar für eine Moderatorin. Als der einleitende Beitrag über die russischen Muskelspiele verklungen war, wollte Will wissen, wie düster das Bild der westlichen Staaten wirklich ist. „Ist das Bild düster?“, entgegnete Anna Rose, Deutschlandkorrespondentin einer russischen Zeitung. Es ist die Kernfrage, die in der Talk-Runde der ARD mit dem Titel „Putins Kampf um die Krim – Wie hilflos ist der Westen?“ letztlich unbeantwortet blieb, aber trotzdem zu einem erkenntnisreichen Meinungsaustausch führte.

Im ersten Teil der Sendung versuchten die Gäste einzuordnen, was da eigentlich in den vergangenen Tagen auf der Halbinsel im Schwarzen Meer genau passiert ist. Da würden Ukrainer in selbst gekauften Uniformen stecken und versuchen ihre Ländereien zu verteidigen, meinte Rose. Das seien ganz klar russische Truppen, sagte Fritz Pleitgen. „Und alles andere ist eine Beleidigung unserer Intelligenz“, fügte der langjährige ARD-Auslandskorrespondent hinzu. Der Russland-Experte Alexander Rahr, der mehrere Bücher über Putin geschrieben hat, konnte dies nur als Halbwahrheiten abtun und verwies auf die unklare Faktenlage.

Mehr Licht ins Dunkle der Krimfrage konnte zwar auch nicht Elmar Brok (CDU) bringen. Aber der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Europäischen Parlaments versuchte immer wieder durch seine Augenzeugenberichte von den Demonstrationen auf dem Maidan-Platz in Kiew mitzureißen. „Das war wie in einem Hollywoodfilm. Da wurden wehrlose Demonstranten von Snipern erschossen“, erzählte Brok. Die emotionalen Bilder der selbsternannten ukrainischen Stimme am Talk-Show-Tisch regten die Diskussion immer wieder an, störten wegen ihrer Häufung und Nachdrücklichkeit aber auch interessante Gedankengänge. Der CDU-Politiker wurde so zum kleinen Störenfried des Abends.

Wie also die Diskussion auf hohes Niveau katapultieren? Anne Will versuchte es mit einem echten Hochkaräter unter den Russland-Kennern: John Kornblum, US-Botschafter in Deutschland während des Kalten Krieges, hatte in der ersten Hälfte der Sendung zwar außerordentlich wenig Redeanteil. Doch wenn er etwas zu sagen hatte, hörten die Gäste bei den pointierten Formulierungen genau hin.

Seite 1:

„Wenn was stinkt, dann ist es faul“

Seite 2:

Dann vielleicht mit ein wenig mehr Pepp

Kommentare zu " TV-Kritik Anne Will: „Wenn was stinkt, dann ist es faul“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @M.E.H.T.: Krebsgeschwür? Sie haben eine sehr eigenwillige Ansichtsweise über die größte Freihandelszone der Welt. Die EU ist nicht entstanden weil wir alle so nett sind und Hand in Hand über die Wiese hüpfen wollen. Sondern weil ein Großteil unseres Handels innereuropäisch abläuft und sich daraus schlichtweg die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit ergibt. Außerdem ist es ja nichts so, dass die EU der Ukraine das Handelsabkomme aufgezwungen hätte. Was auch immer Russland jetzt nun als Provokation empfindet, rechtfertigt nicht im Geringsten eine de facto Invasion der Krim. Und "einfach" ist die Lage bzw. die Herleitung dieser Situation sicher nicht.

  • Wahlen ändern nichts, sonst wären sie lange schon verboten worden.

    Beispiel: SPD wurde nicht gewählt, regiert trotzdem.
    Beispiel: Mc Allister wurde abgewählt, taucht in "Europa" wieder auf.
    Beispiel: AFD erhielt fast 5%, fallen unter den Tisch.
    Beispiel: Grüne abgewählt, regieren aber über den Bundesrat immer noch mit.

    Nein, Nein: Das Volk muß seinen Willen schon anderweitig kundtun.

  • Zitat : „Wenn was stinkt, dann ist es faul“

    - da ist was dran ! Der Zerfall der UdSSR nach dem Mauerfall verlief in stinkenden Bahnen....ausgelöst zum Teil von selten nüchternen Protagonisten der damaligen Zeit ( Jeltzin, Kravtschuk, etc. ) !

    Niemals hätte man die 3 Slawischen Staaten Russland, Ukraine und Weißrussland in 3 unabhängige Staaten aufspalten dürfen.....den 2 von diesen Staaten, Ukraine und Weißrussland, sind nicht lebens - und überlebensfähig !

    Die 3 Slawischen Staaten hätte man in einem Staatenbund belassen müssen.....und sich eher von ethnisch nicht dazugehörigen Staaten im Kaukasus trennen sollen ! Und über den Verbleib von muslimischen Staaten wie Tatarstan, Baschkortastan, etc. hätte man gründlicher nachdenken sollen !

    Der Zerfall der UdssR rein nach dem Prinzip der Auflösung der früheren Spvjetrepubliken war mehr als dilettantisch und wird in Zukunft den Europäern noch sehr viele Kopfschmerzen bereiten.
    Und wenn in diesem sensiblen Gebilde solche Leute im Namen der EUtopia agieren wie Elmar Brock, verheißt es für den Frieden in Europa nichts Gutes !

    Denn ahnungslose und verlogene Dilettanten können dabei nur als Kriegshetzer fungieren !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%