TV-Kritik

Annes Wills Freakshow-Desaster

Wer die neueste Ausgabe der Talkshow unter der Moderation von Anne Will nicht gesehen hat, hat was verpasst. Nämlich eine Mischung aus Freakshow, FDP-Wahlkampf und nie enden wollender Durststrecke.
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Talkshow-Moderatorin Anne Will. Quelle: Screenshot ARD

Talkshow-Moderatorin Anne Will.

(Foto: Screenshot ARD)

Wer gestern Abend Anne Wills Sendung zum Thema Reichensteuer "Euer Geld möchte ich haben!" verpasst hat, muss sich ärgern. Denn eine derart eklatant misslungene Talkshow gab es lange nicht zu sehen. Es sollte so etwas aber auch lange nicht mehr zu sehen geben - sofern die ARD-Verantwortlichen den Eindruck vermeiden wollen, dass ihnen ihre neue Talkshowschwemme schon jetzt über den Kopf gewachsen ist.

Das Einzelgespräch, mit dem die Show beginnt, seit sie vom Sonntag auf den Mittwoch verlegt wurde, führte die Moderatorin mit Marianne Baronin Brandstetter. Warum sich eine 75-jährige, durchaus freundliche ("Alle Leute sind important") Schweizer Millionärin mit Wohnsitzen in Monaco und Miami zur Frage äußern soll, ob Reiche in Deutschland angesichts der aktuellen Finanzkrisen mehr Steuern zahlen sollten, wurde zwar nicht im Gespräch deutlich. Denn das kreiste um Fragen wie die, ob die Baronin eine "ganz kleine Millionärin" ist (wie sie selber sagte) oder ihr Vermögen eher "auf 100 Millionen Euro geschätzt" werden kann, wie der Einspielfilm behauptete.

Dafür wurde anderes deutlich: dass die betagte Dame ein extravagantes Hütchen trug, das auch bei der nächsten Royality-Hochzeits-Übertragung in ARD und ZDF gut zur Geltung käme, dass sie einen knallig pinkfarbenen Lippenstifts trug und viele Klunker, die die bewegliche Kamera gern in Szene setzte. Der Talkshow-Einstieg wurde so als freundliche Freakshow inszeniert, als ginge es vor allem darum, das Publikum der Superreichen-Reportagen auf RTL-"Exklusiv"-Niveau anzusprechen.

Konsequenterweise war einer der beiden als nächster hinzukommenden Talkgäste gleich noch ein Wahl-Monegasse: der Luxusimmobilien-Unternehmer Alexander V. G. Kraft mit immerhin "achtstelligem Vermögen", wie Will betonte. Ihm muss eingeredet worden sein, bei der Sendung handele es sich um eine Castingshow, in der noch herausgehobenere Managerposten vergeben würden, als er sie schon bekleidet - derart detailliert berichtete Kraft von seinen Karriereschritten, seiner harten Arbeit und seinen internationalen Geschäften.

FDP nutzt die Gelegenheit für Wahlkampf
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28 Kommentare zu "TV-Kritik: Annes Wills Freakshow-Desaster"

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  • Leider ist es inzwischen gekommen, wie zu befürchten war: Die Gruppe der "Polittalkerinnen" (Maischberger, Illner, Will und co)und ihrer männlichen Kollegen (Beckmann und nun leider auch Jauch)hat sich niveaumäßig nach unten begeben in Richtung VOX,RTL. Vielleicht wird der Zuschauer, der sich diese Sendungen nach 21.00Uhr und noch später anschaut, für geistig minderbemittelt eingeschätzt oder man vermutet,vor dem Schlaf brauchen die Menschen Politclownerie -anders kann ich mir die Sendekonzepte und deren grottenschlechte Umsetzung von ehemals seriösen,kritischen Journalistinnen und Journalisten nicht erklären.

  • Anderes aktuelles Beispiel für die manipulative Inszenierung im ARD:
    Der Talk bei Maischberger am Mo. „Euro-Rettung“ hat wieder bewiesen, was das ganze ARD-Manegement heute unter dem ursprünglichen Bildungsauftrag zu verstehen und umzusetzen hat: Volksverdummung(Wie bei Berlusconi?)

    # Zu Maischbergers heutiger INSZENIERUNG als staatstragendes Organ (zur Volksverdummung)
    bekannt von S21, Sarazzin, Atomenergie VOR dem letzten Ausstieg, nach Ausstieg umgekehrt...

    Die Staatstragenden Meinungen sitzen zu ihrer Rechten und Linken,
    Die Staatstragenden sind in der Mehrheit (heute 4:2)

    Das letzte Wort bekommen natürlich die Staatstragenden, damit die Zuschauer es in den Schlaf mitnehmen

    Die Nicht-Staatstragenden werden unterbrochen, sobald es unangenehm wird.

    Die Staatstragenden plappern wie abgesprochen dieselben Sprechblasen:
    "man muss die Menschen mehr mitnehmen......das Problem liegt nur in Kommunikation..."

    Bei der Auswahl wird ein (1) Exot eingeladen, der mit seiner abwegigen oder extremen Meinung die Zuschauer dazu bringt, zu denken, unsere Regierung hat doch Recht.

    Die Staatstragende suchen Blickkontakt, vielsagende Blicke, was sich nicht immer wegschneiden lässt

    Die Fotos der Teilnehmer im Internet zeigen 4 postive versus 2 miesepetrige Gesichter.

    ABER die Umfragen zeigen, dass die Menschen nicht so dumm sind wie die Politiker (denken).
    Das schönste Beispiel ist die Dauerberieselung zu „Rettung des Euro“, dass die Leute sich allmählich Sorgen machen, da stimmt doch was nicht mit dem Euro - und wollen wieder die DM. #

  • Ne, Beckmann tut sich ebenfalls ständig durch ideologische Einseitigkeit hervor und tut alles, um Gäste, die seinen Anschauungen nicht entsprechen, abzuwürgen oder der Lächerlich preiszugeben. Das ist ganz sicher nicht die Aufgabe eines Moderators Ähnlich Maischberger, die noch dazu erheblich dümmer als Will ist und meist noch nicht mal begreift, was ihre Gesprächspartner sagen (die Gespräche mit Schmidt - oberpeinlich) und ihnen immer dann ins Wort fällt, wenn's interessant wird. Das Problem bei diesen fünftklassigen und absolut überbezahlten Gestalten, die ständig die gleichen angepassten Flachköpfe in ihre Shows holen, besteht darin, dass ihre Auswahl primär unter dem Aspekt des politischen Wohlverhaltens erfolgt, weil sich die Programmräte politisch zusammensetzen, und dass sich die Programme wegen der Zwangsfernsehabgaben der Privathaushalte nicht auf dem freien Markt messen müssen. Das Ergebnis: Nicht etwa, wie ständig behauptet, hohe inhaltliche Qualität und Vermittlung eines breitgefächerten Wissens- und Meinungsspektrums, sondern politische Einseitigkeit und niedrigstes intellektuelles Niveau mit flachen Kochshows, platten, nichtssagenden Talks und ein paar harmonisierende Naturfilmchen ohne wirklich kritische Aufklärung etwa über die Ursachen von Artenschwund und Umweltzerstörung und die konkreten Möglichkeiten ihrer Lösung. Kritische, gut gemachte Reportagen sind da die absolute Ausnahme. So jedenfalls wird das Staatsfernsehen zur gigantischen Verblödungsmaschine, die unser Geld nicht wert ist und deren Einstellung ein Gewinn für uns alle wäre.
    Übrigens eine vorzüglich geschriebene Rezension. Danke, Handelsblatt.

  • Also zu Ernst Probe fällt mir nur eines ein: mit Verve vorgetragene Ahnungslosigkeit gepaart mit einer kräftigen Vorurteilssauce. Stark im Geschmack, schal im Abgang. Aber von seinem Handwerk versteht er sicher mehr.

  • Der einzig wirklich kompetente und erfrischend wirkende Teilnehmer dieser verkorksten Runde war der Unternehmer Ernst Probst.

    Wie sehenswert könnten solche Sendungen sein, wenn die Gesprächsteilnehmer Persönlichkeiten, wie Götz Werner, Wolfgang Grupp, Stefan Homburger, Justus Haucap, von Arnim, Jürgen Roth, Günter Ogger, Stefan Homburger, Prof. Hankel, Dr. Johannes Fiala, Nigel Farage, Inge Gräßle,Walter Sittler sowie einige politisch orientierte Kabarettisten und eben Ernst Probst wären.

    Abgehalfterte, parteienschablonierte Politis sowie extrovertierte, abgehobene, überkanditelte Typen dienen einzig der Show und trgen inhaltlich zu den Themen nichts bei.

  • Wenn der gute Günther man nicht noch unter dieser Messlatte unter durch taucht.
    Für Will und Jauch ist mir meine Zeit viel zu schade (Stammtischniveau!), Beckmann, Maischberger und manchmal auch Illner sind aus meiner Sicht viel besser aufgestellt.

    Allerdings halte ich das Konzept Talkshows als Sendeplatzfüller zu nutzen für ungeeignet. Talkshows mit guten, durchsetzungsfähigen Moderatoren, einer hervorragenden Redaktion, zur richtigen Zeit mit einem brandaktuellen oder auch einem zukunftsweisenden Thema, könnten tatsächlich auch aufklärerische Funktionen übernehmen.

  • Anne Will die würdige Nachfolgerin von Karl-Eduard von Schnitzlers Schwarzem Kanal.

  • DDR 2.0. gewürzt mit schlechter Propaganda!



  • Dem Grafen kann man zugute halten, dass er als EU-Parlamentarier in Brüssel noch gar nicht mitbekommen hat, dass die Westerwelle-FDP zu einer kleinen Splitterpartei geworden ist, wie Guido es mit seiner Römischen Dekadenz vorausgeahnt hat. „Römische Dekadenz“ ist ein Synonym für den Niedergang des Römischen Reiches. Man denkt an Nero. Diesen Vergleich wollte er an sich damals nur anstellen. Es war eine böswillige Unterstellung der Presse und seiner Gegner, dass er die HartzIV-Empfänger gemeint habe. Dekadent können per definitionem nur Reiche sein, so wie der Graf oder die beiden anderen Supermillionäre. Ein Armer hat doch gar kein Geld, um dekadent zu sein! Und ein reicher Unternehmer wie Herr Prost hat keine Zeit, dekadent zu sein, zudem ist er viel zu verantwortungsvoll. Meiner Meinung ist damit Guido zumindest moralisch entschuldigt, aber nicht was seine Allgemeinbildung betrifft. Ist aber in der FDP nicht gefragt. Man kann sich ja notfalls einen Doktortitel kaufen. Für das Monothema Steuersenkung reicht das völlig aus.

    PS: Der Immobilienmakler gab zu, dass er auch mal FDP gewählt habe, und dass er nach der Sendung noch mit dem Graf darüber sprechen wolle.

  • Der Autor Bartels zitiert den FDP-Wahlkämpfer:

    # Und stieß in bemerkenswerter Klarheit der Moderatorin Bescheid: "Abwegig" sei ihre Vorstellung, staatliche Kernaufgaben durch freiwillige Zahlungen der Bürger regeln zu wollen. #

    Das stimmt überhaupt nicht, ich hab mir diese Passagen zweimal angeschaut und habe wortwörtlich
    die radikal-liberale Äusserung des FDP-Jungschnösels und Schnellschwätzers mitgeschrieben (er musste ja das ganze Parteipramm von vor 2 Jahren herunterbeten). Ich habe es schon als Zitat der Woche weiter verteilt. Er sagte wortwörtlich:

    "Ob das Schwimmbad, ob das Schwimmbad, eine Kernaufgabe staatlicher Daseinsvorsorge ist,
    sei dahingestellt"!!!

    Seiner Meinung nach könnten Schwimmbäder auch mit freiwilligen Spenden gebaut und betrieben werden! Worauf der Soziologe zaghaft dagegen hielt, dass Schwimmenlernen, Schulsport und Freibad vielleicht doch zum Dasein junger Menschen gehören sollten.

    Sein Kontrahent war der bayerische Motorenöl-Unternehmer Ernst Prost, der mit Argumenten wie "Die Gewinne, die Unternehmer machen, haben wir auch diesem Land zu verdanken" für höhere Steuern plädierte. Er war es, der immer wieder die vorgegebenen, für den Staat planbaren Steuern gegen volatile freiwilligen Spenden verteidigen musste. Mir tat er als einziger gestandener Mann und Unternehmer mit Lebenserfahrung in dieser Runde richtig leid. Also heißt es

    # Herr Prost stieß in bemerkenswerter Klarheit der Moderatorin Bescheid: "Abwegig" sei ihre Vorstellung, staatliche Kernaufgaben durch freiwillige Zahlungen der Bürger regeln zu wollen. #

    Allein schon eine solche Idee ist schon hirnrissig.

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