TV-Kritik
Gabriels Schoßhunde gegen Illners Pitbulls

Für die einen ist es ein Meilenstein der Energiewende, für die anderen eine Unverschämtheit: Die Reform der Ökostrom-Förderung spaltet die Republik – und auf absehbare Weise auch Maybrit Illners Talkgäste.
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Nord gegen Süd, Wind gegen Biomasse, Mittelstand gegen stromintensive Unternehmen – das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) bietet eine Menge Konfliktpotenzial. Nachdem Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Anfang der Woche die Novelle der Ökostrom-Förderung vorgestellt hatte, lud Maybrit Illner in ihrer ZDF-Talkshow am Mittwochabend zur Debatte über die Reform. Unter dem Titel „Energiewende ist, wenn Schwarz-Rot jubelt und der Bürger zahlt?“ prallten, wie vor der Sendung bereits abzusehen war, zwei angestachelte Lager aufeinander.

Mit dem ehemaligen Bundesumweltminister und heutigen Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) erteilte die Moderatorin dem prominentesten Kopf der Runde zuerst das Wort: „Das ist die große Chance, dass die Energiewende gelingt und bezahlbar bleibt“, sagte Altmaier. Und auch Olaf Scholz (SPD), der erste Bürgermeister von Hamburg, konnte sich dem frenetischen Tonfall seines Vorredners nicht entledigen und nannte die Reform einen „Meilenstein der Energiewende.“

Nicht nur optisch bildeten die beiden Politiker mit ihren magentafarbenen Krawatten an diesem Abend ein Team. Weil sie sich in ihren Argumentationen unterstützen und viele ihrer Sätze mit den Worten „wie der Wirtschaftsminister gesagt hat“ begannen, präsentierten sie sich als die gemeinsamen Schoßhunde von Sigmar Gabriel.

Denen gegenüber saß am halbrunden Talkshow-Tisch ein Block der Reformkritiker. Die einzige Frau und Oppositionspolitikerin in der Sendung, die Grünen-Vorsitzende Simone Peter, hielt den Regierungsvertretern vor, dass sie die Verbraucher durch die weiter steigenden Industrierabatte belasten würden. „Skandalös“ nannte diese Praxis Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Hinzu kommt der 20 Milliarden Euro schwere Rucksack an Altlasten, den Deutschland mit sich herumtragen muss“, sagte Krawinkel.

Auch Familienunternehmer Karl Tack ärgert sich über die Neugestaltung des Ökostrom-Gesetzes: Wenn die EEG-Umlage steige, könne er keinesfalls neue Arbeitsplätze schaffen sondern müsse sie teilweise abbauen. Zwar wäre es ein „Irrsinn“, wenn man die Rabatte für die großen Industriekonzerne zurückfahren würde. „Aber die werden mehr verhätschelt als Familienunternehmen“, betonte Tack.

Er komplettierte das Gegengewicht zum Schoßhund-Duo Altmaier-Scholz. Mit gezielten Nachfragen und Zuspitzungen stachelte Maybrit Illner die drei Kritiker immer wieder an – schon die Titelfrage spielt ihnen in die Karten. Aber nur selten konnte die Moderatorin die Talk-Show-Gäste auch in verbale Kampfhunde verwandeln.

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  • Dieses absurde Schablonen"denken". Nach Auffassung der Lobbyisten kommen offenkundig die Arbeitnehmer von einem anderen Stern als die Verbraucher - ähnlich wie Radfahrer und Fußgänger. Aber was nützt dem Verbraucher der niedrigere Strompreis, wenn er dafür seinen Job verliert? Man kann sich eben drehen und wenden wie man will, das Ganze ist nur auflösbar, wenn man Camerons Rat befolgt und endlich Schluss macht mit dem Grünen Irrsinn.

  • Mal ganz ehrlich, worüber beklagt ihr euch. Habt ihr diese Mischpoke nicht selbst gewählt?

  • Die ARD kann einfach nur Doofe Filme machen. Primitive Szenen, Blasmusik im Hintergrund - Dummheit pur.

    Der Krimi "Frauchen und die Deiwelsmilch" sagt schon vom Titel her, dass hier wieder ein Dummheits-Krimi angesagt ist, obwohl Daniela Katzenberger durchaus für intelligente Rollen geeignet wäre, für einen echten spannenden Krimi.

    Aber das kann ARD nicht.

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