TV-Kritik Günther Jauch
„Pegida ist ein Misstrauensvotum gegen die CDU“

Welche Bürger gehen für Pegida auf die Straße, warum ist die Bewegung so stark geworden? Das wollte Günther Jauch im Talk am Sonntag herausfinden. Stattdessen wurde seine Sendung eine One-Man-Show des Bernd Lucke.
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Woche für Woche gehen in Dresden und auch in anderen deutschen Städten immer mehr Bürger als „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße. Am Sonntagabend wollte Günther Jauch in seiner Talkshow herausfinden, wer diese Demonstranten überhaupt sind, und was sie auf die Straße treibt. Am Ende ging es aber eigentlich nur noch um die AfD.

Für die saß Partei-Chef Bernd Lucke in der Runde. Seine Partei hat als einzige der größeren deutschen Parteien kein wirkliches Problem mit Pegida, noch vor der Sendung verkündete Lucke, dass die Anliegen der Bewegung völlig legitim seien. In der Sendung wollte der Wirtschaftswissenschaftler das dann aber schon nicht mehr so gesagt haben – wie so oft an diesem Abend. So war Luckes Rolle als Pegida-Befürworter schnell gefunden, als sein größter Widersacher in der Runde stellte sich Jens Spahn heraus, Mitglied im CDU-Parteipräsidium. Der wurde eingangs noch mit seinem provokanten „Burkas gehen gar nicht“-Statement vorgestellt, dennoch wollte er sich nicht per se als Islamkritiker verstanden wissen. Burkas seien für ihn eine Unterdrückung der Frau, dabei bleibe er. Sonst stehe er dem Islam offen gegenüber.

Die übrigen Diskussions-Teilnehmer versuchten zu Beginn, die Ursprünge der Pegida-Bewegung zu finden. So stellte der Dresdner Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Donsbach Ergebnisse einer eigenen Untersuchung vor, nach der jeder fünfte Sachse fremdenfeindliche Tendenzen aufweist. Das fand Ex-Bams-Chef Michael Spreng sehr verwunderlich, angesichts von nur 4000 Muslimen in Sachsen und nur einem Prozent Ausländeranteil in Sachsen: „In Sachsen gegen Islamisierung auf die Straße zu gehen, ist wie auf Sylt gegen Bergbahnen zu demonstrieren. Das gibt es dort ja eigentlich gar nicht.“ Spreng sieht das Problem tiefsitzender, für ihn gehen in Dresden „Frustbürger“ aus sozialen Ängsten auf die Straße.

Ähnlich sieht es die Ex-Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan, die in der deutschen Bevölkerung eine große Ressentimentbereitschaft feststellt, auch in der Mittelschicht. Denn Pegida wird mit Nichten nur von strammen Nazis getragen, vor allem in Dresden gehen ganze Familien auf die Straße, zusammen mit Rentnern und jungen Leuten. „Das Bürger der Mittelschicht zuzuordnen sind, heißt noch lange nicht, dass sie auch Demokraten sind. Wir leben in einer Gesellschaft mit einer hohen Endsolidarisierung. Viele Leute haben Angst, abzustürzen, auch Ingenieure zum Beispiel“, erklärte Schwan. Auch Wolfgang Donsbach sieht in Dresden nach zuletzt nur 2,8 Prozent NPD-Wählern bei der Stadtratswahl keinen Hort des Rechtsradikalismus.

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  • Erinnern wir uns: Vor einigen Tagen bezahlte eine junge Türkin ihren sehr couragierten Einsatz für zwei von jungen Männern bedrängte Mädel mit dem Leben. Der Täter wurde in den Medien als polizeibekannter Serbe bezeichnet. In einem anderen Forum verstieg sich ein Türke zu der Feststellung, daß nun, da ja ein Christ diesen Mord an einer Muslimin begangen hätte, eine Entschuldigung von Seiten der Christen an die Muslime fällig sei, so, wie dies bei Morden im Namen des Islam immer wieder von Muslimen gefordert wird. Man klärte ihn auf, daß dieser Mord nicht im Namen des Christentums erfolgt sei und mit dem Christentum nichts zu tun hätte.
    Dann lese ich Tage später in einer in Berlin erscheinenden Wochenzeitung, daß dieser Täter zwar einen serbischen Paß habe, aber albanisch-kosovarischer Muslim sei. Unsere Qualitätsmedien klären darüber nicht auf, die Politik schweigt.
    Pegida betreffend überschlagen sich die Medien damit, die Demonstranten in die rechte Ecke zu stellen, sie als fremden- und islamfeindlich und die von ihnen u.a. stattfindende Islamisierung Europas als „angeblich“ bzw. „nicht existent“ zu bezeichnen. Prof. em. Dr. Bassam Tibi („selig sind die Belogenen“) warnt schon seit Jahrzehnten davor, ein US-Geheimdienstler stellte dies ebenfalls vor Jahren fest und prophezeite Bürgerkriegszustände in deutschen Ballungszentren zwischen Einheimischen und Muslimen und deutsche Medien und Politik verharmlosen das Offensichtliche.

  • @ Jürgen

    Sarkasmus hin oder her, Sie werden diese Leute nicht erreichen, denn denen ist unsere Meinung egal. Sie sonnen sich in der Gewißheit prominent zu sein, die Unbill des Lebens mit Zuwanderern der Unterschicht werden sie nie kennen lernen und auch nicht wollen. Sollte es tatsächlich einem Bürgermeister einfallen denen einen Container mit Asylanten vor die Tür zu stellen, ist der und der Bürgermeister schneller weg, als der Aufbau gedauert hat, die Genossen werden schon dafür sorgen.

  • Wie rechts ist Pegida wirklich?
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    Gestern Abend haben 15.000 Bürger in Dresden demonstriert.
    Und die Politik ist ratlos. Sie nimmt die Bürger nicht ernst.
    Ganz im Gegenteil, sie beschimpft die Demonstranten auch noch.

    ■ Heiko Maas (SPD) nennt sie „Eine Schande für Deutschland“.
    ■ Ralf Jäger (SPD) bezeichnet sie als „Nazis in Nadelstreifen“.
    ■ Özdemir (Grüne) nennt sie „Mischpoke“. „Auf die damaligen Rufe "Wir sind das Volk" können wir als Deutsche alle stolz sein. Dass das da missbraucht wird von dieser komischen Mischpoke (…) für niedrige Instinkte, gegen Fremde, gegen Zuwanderer, das tut mir in der Seele weh. Das, was da in Dresden stattfindet, ist nichts, worauf man stolz sein kann.“
    ■ Merkel (CDU) warnt vor Pegida, sie sollen sich nicht instrumentalisieren lassen.
    ■ Yasmin Fahimi (SPD) hat die Kundgebungen der islamfeindlichen Gruppierung Pegida als Gift für das "politische Klima" im Land bezeichnet, diese Demonstrationen schürten Hass und die Organisatoren dahinter trieben ein "gefährliches Spiel mit fremdenfeindlichen Ressentiments und tumben Vorurteilen".

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