TV-Kritik Günther Jauch

„Stellen Sie sich vor, Athen geht aus der Euro-Zone und keiner merkt's“

Bei Günther Jauch diskutierten die üblichen Verdächtigen kontrovers über die Folgen eines möglichen Exit Griechenlands - und darüber, wie „futsch“ die Milliardenkredite für Athen schon sind.
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Günther Jauch und seine Gäste talken zum Thema Grexit.
Günther Jauch und seine Gäste

Günther Jauch und seine Gäste talken zum Thema Grexit.

BerlinEin Erkenntnisgewinn unmittelbar während einer Talkshow ereignet sich eher selten. Aber am Sonntagabend bei Günther Jauch geschah es. In den nächsten zwei Wochen stehe wirklich „das Finale“ bevor, leitete der Gastgeber spannungschürend seine Sendung mit dem Titel „Grexit – Katastrophe oder Chance für den Neuanfang?“ ein. Schließlich war erst wenige Stunden zuvor ein Vermittlungsversuch des EU-Kommissionschefs Jean-Claude Juncker gescheitert.

Nein, Thema und Problem würden „uns erhalten bleiben“, auch wenn bis Ende Juni eine Einigung der Kreditgeber-Institutionen mit der griechischen Regierung zustande kommt, lautete am Ende Jauchs Fazit - schon, weil es bereits im Juli und August um noch größere Summen als im Juni gehen wird.

Zwischendurch gab es eine zeitweise intensive Diskussion. Viele Argumente waren schon oft ähnlich zu hören gewesen – darunter von zwei der üblichsten Verdächtigen, dem SPD-Politiker und Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, und CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, dem Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses. Beide hatten schon oft in Talkshows über Griechenland diskutiert. Beide betonten aber selbst, um was für eine unendliche Geschichte es sich handelt, und so wurde es doch interessant.

Zunächst formulierte Schulz, wie er es gerne tut, Appelle - sehr allgemeine für mehr Wachstum und spezielle an den vermutlich nicht zuschauenden Ministerpräsident Tsipras, die ausgestreckte Hand doch endlich anzunehmen. Es war nicht ganz eine halbe Stunde vergangen, da brachte Schulz die Situation aber tatsächlich auf den Punkt: „Es kann sein, dass der Grexit verpufft, es kann sein, dass er eine ökonomische Katastrophe auslöst“, sagte er. Niemand wisse im Moment, welche Folgen der Austritt eines Landes aus der Eurozone nach sich ziehen würde.

Dazu gelang Schulz seine gern eingenommene präsidiale Pose recht überzeugend. Auch wenn Deutschland einen griechischen Euro-Austritt zunächst ohne große Schäden überstehen würde, wären Frankreich und Italien „sofort unmittelbar betroffen“. Die Folgen für die EU- und G7-Partner würden dann zurückwirken. Daher müssten Politiker in den Parlamenten eine „Güterabwägung vornehmen“.

Als er dabei Bosbach für den Bundestag ansprach, rutschte ihm ein „Du“ raus, obwohl die beiden sich sonst öffentlich siezten. Dennoch und trotz der großen Koalitionen, die seine und Schulz' Partei im Europäischen Parlament wie auch im Bundestag verbindet, widersprach Bosbach tatsächlich zusehends deutlicher. „Jeder der Kritik äußert, wird sofort in die antieuropäische Ecke gestellt“, klagte er, und Deutschland würde schon seit Jahren „in eine Rettungsgemeinschaft gepresst, mit verheerenden Folgen für die Sparerinnen und Sparer“. Wenn in den kommenden Monaten weitere Milliardenzahlungen beschlossen würden, sei „der Weg in die Transferunion nicht mehr zu bremsen“, obwohl seine Partei im Wahlkampf das Gegenteil versprochen habe.

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35 Kommentare zu "TV-Kritik Günther Jauch: „Stellen Sie sich vor, Athen geht aus der Euro-Zone und keiner merkt's“"

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  • "Zwei weitere Gäste spielten kleinere Rollen, waren aber gut besetzt. Ulrike Herrmann, die Wirtschaftskorrespondentin der „taz“, hält einen Grexit für die teuerste Variante für die deutschen Steuerzahler. Dann werde der Euro "von innen gesprengt"."

    Die Frage ist doch, wann der Euro nicht gesprengt wird und wann dies für die Beteiligten in Griechenland und Deutschland am "günstigsten" ist. Solange diese Hängepartie andauert, geht es in Griechenland nicht wieder aufwärts und die deutschen Sparer erhalten in der Zwischenzeit ihr Geld auch nicht zurück.

    So wie es aussieht haben die Politiker die Gelder der Sparer und die Altersvorsorge der Rentner verspielt. Schäuble als Hütchenspieler zu bezeichnen ist wahrscheinlich sehr zielnah.

    Die große Gefahr die auch ich sehe, ist, dass in Griechenland Unruhen ausbrechen und diese an der Landesgrenze nicht halt machen. Die Bürger könnten sich durchaus aus unterschiedlichen Gründen an den Politikern rächen. Das könnte einen Flächenbrand auslösen und die USA, die alles unternehmen, das Feuer nicht ausgehen zu lassen, zu neuem Glanz verhelfen.

    Man muss davon ausgehen, dass zahlreiche deutsche Politiker aus Unkenntnis oder gar vorsätzlich die Bürger falsch informieren.

    Letzteres ist bereits für jedermann erkennbar - auch wenn er nicht versteht, was hier gespielt wird - , dass Weber als Bundesbankpräsident zurück getreten ist. Gleiches gilt für Stark und der amtierende Bundesbankpräsident wandelt auf spitzem Grad. Es geht hier um vielmehr als wirtschaftliche Vernunft. Wir haben hier mit einer Teilausprägung eines Finanzkriegs, der Vernichtung des Euros und in der Folge mit einer Vernichtung der EU zu tun.

  • Oh hätten wir doch die EWG noch. Dieser Zusammenschluss wäre die ideale Vereinigung Europas gewesen. Jeder Staat behält seine Identität sein Kulturen, seine Gepflogenheiten und Eigenarten.
    Jetzt haben wir in Brüssel/Luxemburg einen Moloch sitzen, der nur noch Verteilung und Selbsterhaltung übt. Die Idee eines vereinten politischen Europas ist ja nicht schlecht, aber wie auch der reine Kommunismus - auf Dauer eine pure Illusion !

  • So ist es!

    Aber man muss gestehen, dass diese Gruppe es sich nicht genommen haben sondern es wurde ihnen von den Politikern gegeben.

    Peer Steinbrück kann ein Lied davon singen, wie man an Kick Back-Zahlungen heran kommt.

  • @ JP Keller,
    "Dennoch glaube ich immer noch an die Europäische Idee ".
    Gegen eine "Union der Staaten von Europa" spricht nach wie vor nichts.
    Mit Einbindung von Staaten nur auf Grund des politischen Willens in EUROPA wurde die Idee verwässert.
    Mit Vorteilsnahme und Begünstigung der finanzstarken Schicht (global operierende Konzerne) wurden sämtlikche Bürger Europas von den jeweiligen Regierungen regelrecht bestohlen. Dazu gehört auch "nicht die Griechen wurden gerettet, sondern die Banken".
    Mit Bruch des Vertrages von Maastricht (jeder Staat haftet für seine Schulden) wurde der Untergang eingeläutet.
    Auch heute sollte überlegt werden ob GR dazu bewegt werden kann sich unter Kuratell zu begeben (das hätte vor, bzw. ohne Bruch des Maastricht Abkommen viel früher in Betracht gezogen werden müssen - und zwar alternativlos) und insbesondere die Staatsfinanzen "von außen" in Ordnung bringen zu lassen. Die Frage ist nur wer könnte von "außen" sein?
    DIESE Frage könnte zudem bei Überschuldung für jeden Staat relevant werden.
    Im übrigen; Deutschland hat unverändert weit über zwei Billionen Staatsschulden!
    Die Europäische Idee hat immer noch ihre Brillanz.
    Was fehlt sind Visionen FÜR diese Idee einer Europäischen Gemeinschaft und keine Energie zur Mehrung von Vorteilen Weniger.

  • Wenn man nicht will, dass in Europa Menschen verhungern, muss man helfen. Aber zuerst muss der Grexit kommen

  • Gelegentlich verursacht bei mir der Dampfplauderer und ehemalige Buchhändler aus dem Niederrheinischen auch Brechreiz. Nur seine Empörung darüber, dass die Griechen nicht willens und in der Lage sind. ihre Steuern einzutreiben, nehme ich ihm ab.

  • ich stimme Ihnen voll zu, bis auf die Worte der Kanzlerin. Erstens scheitert nicht Europa sondern die EU, was aber auch schlimm genug ist. Der Euro wurde unter Voraussetzungen eingeführt, die eine gemeinsame Währung nicht rechtfertigten. Dann haben ausgerechnet Deutschland und Frankreich gegen die Kriterien verstoßen. Danach ging es immer weiter abwärts. Ich befürchte auch für die EU Schlimmes, wenn wir den Euro nicht bald geregelt abwickeln. Ob Griechenland dann noch dabei ist oder nicht, ist eher von geringer Bedeutung.

  • Die Situation ist total verfahren. Der Euro hat breite Schichten bei uns in die Armut getrieben und keiner will das wahr haben. Die Griechen erhalten im Schnitt annähernd die gleiche Rente wie bei uns mit dem Unterschied, dass sie bislang bereits mit 55 Jahren in Rente gehen konnten. Das kann man nur noch als pervers bezeichnen. Andererseits sind die Forderungen an Griechenland angesichts des Umstands, dass man bei uns 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer kein einheitliches Rentensystem hat, geradezu obszön. Die Politik hat sich so sehr in den Sumpf gefahren, dass sie nicht mehr rauskommt. Der Grexit wäre so etwas ähnliches wie ein kleiner Befreiungsschlag, aber das scheint den Amerikanern nicht zu schmecken. Auf deren Druck wird die Alimentierung wohl so lange weiter gehen, bis wir selber platt sind...

  • Das Geld ist nicht weg
    "...wie „futsch“ die Milliardenkredite für Athen schon sind."
    Das Geld ist nicht weg, es haben nur andere. Hauptsaechlich Banker, griechische Oligarchen, Politiker, Beamte und Rentner. Wobei fairer Weise zu sagen ist das der Loewenanteil an die Banker geflossen ist.
    Einzige dauerhafte Loesung, 100% Schuldenschnitt und raus aus dem Euro. Das dient dann auch als Beispiel fuer andere die es mit dem Haushalten nicht so genau nehmen.

  • Als Ökonom und Mittelständler bin ich Politikern skeptisch gesinnt. Dennoch glaube ich immer noch an die Europäische Idee - als die nach wie vor beste Antwort auf Krieg und Hass aus den letzten Jahrhunderten. Der Friede bewahrt sich nicht von allein.

    Aber auch das Europäische Haus darf nicht auf Lügen, Betrug und Realitätsverweigerung aufbauen. Die Griechen, auch unter dieser Regierung, wollen unsere Realität nicht anerkennen und singen weiter ihr Lied. Sie haben jedes Vertrauen und jeden Anspruch auf Solidarität verspielt.
    Dem Kanlzerin-Wort würde ich heute zustimmen: "versagt der Euro, sprengt dies die Europäische Union". Nun scheint es aber so, dass Frau Merkel nicht mehr den Euro, sondern Griechenland retten will. Und hier liegt sie falsch.
    Entweder wir hören mit dem jämmerlichen Versteckspiel auf und lassen Griechenland in den selbst gewählten Untergang fallen, oder aber der Euro und die EU werden uns schon innert eines Jahres um die Ohren fliegen. In November wählen die 46 Mio. Spanier eine neue Regierung. Sollten die Spanier sehen, dass die Griechen faule Kompromisse zugestanden erhalten, sind die Podemos-Kommunisten in Madrid so gut wie gewählt. Damit wäre die Wirtschaft Spaniens innert Wochen dem Untergang geweiht... Brüssel würde noch versuchen zu helfen...aber alles wäre zu spät.
    Heute gibt es keine guten Lösungen mehr. Wir müssen das geringere Übel wählen. Dragi, Lagarde, Schäuble, Dijsselbloem scheinen dies zwar verstanden zu haben. Aber sie wurden alle mit Maulkorb zurückbeordert. Derzeit scheinen Merkel und Juncker die Gespräche ganz allein fertig zu führen. Also eine Frau, die niemand wirklich einzuschätzen vermag und ein schwer alkoholkranker Provinzclown aus Luxembourg. Gute Nacht Europa.

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