TV-Kritik Guttenberg-Film: Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire

TV-Kritik Guttenberg-Film
Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire

Der Privatsender Sat1 wagte sich an einen Film über Aufstieg und Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg. „Der Minister“ bot viel Diskussionsstoff auf unterschiedlichen Niveaus – und funktionerte als flottes TV-Ereignis.
  • 14

BerlinAm Dienstagabend mussten viele Fernsehzuschauer vermutlich zunächst suchen, wo auf ihrer Fernbedienung Sat.1 noch mal gespeichert war: Um 20.15 Uhr zeigte der Privatsender, der seit dem Verlust der Fußball-Champions League-Rechte kaum noch Fernseh-Ereignisse bietet, die Filmsatire „Der Minister“. Die getreue Nachinszenierung der Aufstiegs- und Fall-Story des ehemaligen Wirtschafts- und Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bot eine Menge Anknüpfungspunkte an den Hype, dem von 2009 bis 2011 kaum ein deutscher Medienkonsument entgangen war – und funktionierte zumindest so flott, wie man das von heimischen Komödien kaum gewohnt ist.

Um die Guttenberg-Story in Spielfilmform zu bringen, gestatteten sich Regisseur Uwe Janson und Drehbuchautorin Dorothee Schön die Einführung eines Ich-Erzählers neben dem in Franz Ferdinand von und zu Donnersberg umbenannten Aufsteiger (gespielt von Kai Schumann) als fiktionalen Kniff: Sein ältester Freund Max Drexel (Johann von Bülow) schrieb im Filmplot schon als Schulkind in „Donnis“ Namen und wurde später sein Wahlkampfstratege und Büroleiter; mit seinem Ausstieg begann Donnersbergs Abstieg. Auch die ominöse Doktorarbeit hat, der Filmhandlung zufolge, dieser Drexel zusammenkopiert – und am Ende dadurch, dass er den Blick der Öffentlichkeit darauf lenkte, Donnersbergs Absturz ausgelöst.

Dass Drexel am Rande des Films mit seiner Frau eine gefühlige Liebesgeschichte erlebt, ohne die bei Sat.1 kaum ein Film auskommt (wie die Programmtrailer in den Werbepausen ausgiebig bewies), war allerdings herzlich überflüssig.



Die eigentliche Story begann damit, dass der sehr unbedarfte junge Donnersberg die Idee seines Vaters, ihn „in irgendeinem Aufsichtsrat unterzubringen“, langweilig fand, daher in die Politik strebte und im Bundestag landete. Auf einer Party in Berlin lernte er über die Ähnlichkeit ihrer gegelte Frisuren und sonstigen Erscheinungen – inklusive begleitender Gattinnen – den Chefredakteur Breitmann des „Blitz-Kuriers“ kennen. In dieser Rolle anverwandelte sich Thomas Heinze großartig die jovial-schleimige Gefährlichkeit, die Kritiker der „Bild“-Zeitung mit dem Vorbild dieser Figur, Chefredakteur Kai Diekmann, verbinden. Auf Empfehlung des aus seinem Eisenbahnkeller heraus telefonierenden bayrischen Parteichefs (Donnersberg habe „von Wirtschaft definitiv keine Ahnung, aber gute Manieren“), ernannte die Bundeskanzlerin Donnersberg bald darauf zum Wirtschaftsminister.

Die Kanzlerin des Films hieß Murkel, der Autokonzern, dessen staatlicher Rettung sich Donnersberg verweigert, hieß Forpel statt Opel. Und der Fernsehmoderator, der mit dem zum Verteidigungsminister beförderten Donnersberg nach Afghanistan flog, um ihn dort zu interviewen – was mit dem echten Guttenberg bekanntlich der damalige Sat.1-Moderator Johannes B. Kerner tat –, hieß Hannes C. Kernmann. Solche schlichten Namenswitze konnten am Sat.1-Film durchaus nerven.

Seite 1:

Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire

Seite 2:

Luftgitarren-Sessions zu AC/DC

Kommentare zu " TV-Kritik Guttenberg-Film: Hoppla, deutsches Fernsehen kann ja doch Satire"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich finde auch, dass die Blöcke viel zu lang sind und dass man in der Zeit natürlich was anderes macht... Das haben wir aber einer EU Direktive zu verdanken, die besagt, dass Spielfilme maximal 4x unterbrochen werden dürfen, entsprechend vollgepackt sind die Blöcke dann. Mit kürzeren Unterbechungen von 2 Min. wäre allen gedient. Lang genug, um noch aufs Klo zu gehen, Kurz genug, um sie sich auch mal anzuschauen...Und man kann sie dramaturgisch besser platzieren, sie würden nicht alles zerreißen.

  • Klar, Sat1 lebt von ehrlicher Werbung. Aber mal ehrlich: Tun Sie sich die Werbung denn wirklich an? Ich nicht. Ich zappe weiter, ich schalte in den Videotext um (ohne Ton!) und lese mir dort den neuesten Klatsch & Tratsch durch, ich gehe zur Toilette (aber nur einmal), ich hole mir ein Bier, ich lüfte die Wohnung, ich surfe im Internet (per Tablet), ich füttere meine Goldfische, ich gieße meine Blumen, ich kraule meinen Hund, ich mache Gymnastik, ich telefoniere mit meinen Fans und und und...

  • Werbeunterbrechungen: Es gibt eben noch Sender, die sich auf ehrliche Weise ihr Geld verdienen müssen...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%