TV-Kritik „Hart aber fair“
„Schwarzer tut sich keinen Gefallen“

Ist Alice Schwarzer eine gefallene Moralinstanz? Oder das Opfer sensationslüsterner Medien? Diese Fragen wurden bei „Hart aber fair“ besprochen – und nicht beantwortet. Einig war man sich: Sie kommuniziert ungeschickt.
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KölnGisela Marx  ist enttäuscht von Theo Sommer, dem ehemaligen Verleger der „Zeit“, weil der Steuern hinterzogen hat. Das sagte sie am Montagabend bei „Hart aber fair“. Ob sie dann nicht auch enttäuscht sein müsste von ihrer langjährigen Freundin Alice Schwarzer, fragte Moderator Frank Plasberg, verwundert über die unvorsichtige Aussage. Marx druckste herum. „Ich bin enttäuscht von ihrer Argumentation“, sagte sie. „Aber ich habe auch Verständnis dafür.“ Obwohl diese Antwort reichlich Spielraum um Nachhaken böte, beließ es Plasberg dabei. Vielleicht wollte er Marx diesen Disput nicht zumuten – denn sie hatte wahrlich genug zu tun in dieser Sendung

Ihre Aufgabe war es, Alice Schwarzer zu verteidigen, ihre Weggefährtin und Freundin. Am Sonntag war bekannt geworden, dass Schwarzer Steuern hinterzogen hatte, sich schließlich selbst angezeigt hat und ihre Steuerschuld – das, was nicht verjährt ist – beglichen ist. Eine enorme öffentliche Diskussion brach los, Schwarzer wurde scharf kritisiert, worauf sie wiederum mit Kritik an der Kritik reagierte. Plasberg fragte am Montag in seiner Sendung: „Was, die auch –  kein Recht auf Steuergeheimnis für Alice Schwarzer?“

Man müsse „an den Menschen, die Frau Alice Schwarzer“ denken, „wie sie sich gefühlt hat, als sie den Artikel gelesen hat“, sagte Marx. Da sei ihre Reaktion doch wohl verständlich. Und damals, in den 80er Jahren, da war das Unrechtsbewusstsein ja auch noch ein anderes. Mit Verve verteidigte Marx die Ehre ihrer Freundin. Und dennoch: Nur Minuten später nannte sie Theo Sommers Verfehlung enttäuschend und fragte sich, wie Karl-Heinz Rummenigge nur so dumm sein könne, zwei Uhren zu schmuggeln. Besser hätte Marx nicht zeigen können, wie emotional – und mitunter irrational – die Diskussion um Steuermoral geführt wird. Zumal wenn sie mit polarisierenden Personen verknüpft ist, wie einer Feministin oder Fußball-Funktionären.

Entsprechend verfahren war die Debatte bei „Hart aber fair“ an manchen Stellen: Vom Steuergeheimnis über das Verhalten der Medien zu Schwarzers Lebenswerk und zurück zur generellen Praxis der Selbstanzeige schaffte es die Diskussion innerhalb weniger Minuten.  Für jede der unterschiedlichen Ebenen des Themas hatte die Runde einen Gast parat.

FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki war in dieser „Hart aber fair“-Ausgabe – anders als gewohnt – eher der Mann der nüchternen Analyse. Er trat vor allem in seiner Funktion als Strafverteidiger auf. „Steuerhinterziehung ist eine Straftat“, sagte er. Aber nach der Selbstanzeige verzichte der Staat auf Verfolgung, wiederholte er immer wieder. Also: „Der Fall ist abgeschlossen.“ Gleichzeitig sei die Berichterstattung über den Fall aber keineswegs Rufmord, denn es sei ja nur die Wahrheit berichtet worden. Verwerflich sei nur, dass die Information überhaupt an die Medien gelangt sei.

Kommentare zu " TV-Kritik „Hart aber fair“: „Schwarzer tut sich keinen Gefallen“"

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  • Andere Leute vorverurteilen, Moralapostel spielen, aber
    dann doch fleißig Steuer hinterziehen!

    Und dann erbost kommentieren, daß es nun alle erfahren
    haben.
    So eine Heuchlerin!

  • Mein persönliches Rechtsempfinden hierzu habe ich in einem Kommentar zu heutigen Beitrag Wolfgang Kubikis dargelegt. Wir sind nicht so weit auseinander, wie Sie vielleicht annehmen. Allerdings würde ich nicht so weit gehen, zu unterstellen, das in der Schweiz angelegte Geld sei ebenfalls unversteuert. Das nichtversteuern der Einkünfte aus dieser Anlage ist jedoch unbestreitbar.

  • Tja, so sind sie halt die einstigen 68-iger-Kreischer

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