TV-Kritik
Heißer Daten-Brei bei Maybrit Illner

Big Data ist keine Atombombe. Aber Geheimdienste und ihre digitalen Aktivitäten sind ein spannendes Thema: großes, dennoch sehenswertes Durcheinander in der ZDF-Talkshow.
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BerlinWas am späten Donnerstagabend nach dem Frauenfußball in Maybrit Illners ZDF-Talkshow diskutiert wurde, lässt sich in einem Text kaum zusammenfassen. Einerseits deswegen, weil selbst für deutsche Talkshows überdurchschnittlich häufig durcheinander geredet wurde, andererseits auch wegen der nicht rundum gelungenen Simultanübersetzung des amerikanischen Gastes Jacob Appelbaum.

Zeitverschwendung war es dennoch nicht, die Sendung anzusehen. Wie nur sehr selten ließ sich spüren, dass das einkreisende Drumherumreden engagierter Gäste einem heißen Thema galt. "US Allmächtig: Kalter Krieg um unsere Daten?", lautete der Titel der Sendung. Es ging also wieder um Edward Snowdens Enthüllungen und die "Prism"-Ausspäh-Aktivitäten des amerikanischen Geheimdienstes.

Appelbaum, der zum Wikileaks-Umfeld zählt und kürzlich ein E-Mail-Interview mit Snowden geführt hat, konnte zwar weder sagen, wie es diesem gerade geht, noch welche Enthüllungen folgen werden. Jedoch nannte er Behauptung, Snowdens Gastländer China und Russland hätten seine Daten kopiert, eine Propaganda des amerikanischen Geheimdienstes, und stellte immer wieder kluge Fragen. In der letzten Fragerunde kurz vor Mitternacht legte er richtig los, lobte einerseits Deutschland für seine Verfassung, die Pressefreiheit und die intensiven Diskussionen über die NSA-Aktivitäten, wies andererseits auf die obskure Rolle deutscher Geheimdienste bei den NSU-Morden hin sowie darauf, dass auch die Drohnen, mit denen amerikanische Dienste Tötungsaktionen ausführen, digital gesteuert werden. Das führte dazu, dass der bedauernswerte Simultandolmetscher kaum hinterherkam (etwa die Gamma Group, einen umstrittenen britisch-deutschen Softwarehersteller, mit der GEMA verwechselte). Andererseits bewies es, dass die kurzweilige Sendung ruhig noch weiter gehen können.

Für deutsche Geheimdienste stellen sich zurzeit bekanntlich zwei brisante Fragen: ob sie von den NSA-Aktivitäten in Deutschland wussten oder (wie ihre Vertreter behaupten) nicht, und welche Antwort eigentlich schlimmer wäre. Für die Dienste hatte Illners Redaktion als kompetenten Vertreter Bernd Schmidbauer gewonnen - zu Helmut Kohls Bundeskanzlerzeiten der Geheimdienstkoordinator. Mit "Das können Sie nicht als Zusammenarbeit bezeichnen" neigte Schmidbauer zur Ansicht, die deutsche Dienste hätten wenig gewusst. Allerdings vermochte er die Rolle des distanzierten Grandsigneurs aus der "kaltschnäuzigen" Welt der Geheimdienste in der Hitze der Wortgefechte vor allem mit dem Blogger Sascha Lobo nicht durchgängig auszufüllen. "Wenn die handfesten Beweise da liegen", dann müsste das Verhältnis zum US-Geheimdienst neu bestimmt werden, verzettelte sich Schmidbauer etwa - so als seien "handfeste Beweise" im Geheimdienstbereich alltäglich. Oder als das CDU-Mitglied ausgerechnet dafür plädierte, Snowden als Zeugen Asyl in Deutschland zu gewähren.

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  • Diese Sendung war anders als die Anderen.
    Hier wurde mehr Tacheles gesprochen.
    Besonders beeindruckend waren die Wortbeiträge von Herrn Lobo und Herrn Mascolo. Klar struckturiert, mit Fakten untermauert, der ungesetzmäßige Status und auch die Folgen darstellend.
    Ergebnis war: unrechtmäßig und verstoßend gegen deutsches GG und Datenschutz auf deutschem Boden.

    Schönen Tag noch.

  • das terrorargument der pro-überwacher für D ist immer wieder die sauerlandgruppe und irgendwelche natürlich nicht öffentlich zu machende vorfälle - da geheim -.

    da sollte man doch mal ganz genau hinguggen, was dieser einzige öffentliche fall in D war! . wer zeit zum lesen hat, hier : kein "verschwörer", sondern von der deutschen welle:

    http://www.dradio.de/download/104169/

    und wer keine zeit hat, mein fazit:
    man ahnt, dass der geheimdienst erst die täter unterstützt und dann dazu bringt straftaten zu begehen.


  • es nervt wahnsinnig,wenn frau illner jede frage grinsend stellt. egal wie ernst das thema ist,sie grinst. man hat den eindruck,daß sie sich darùber freut,was ihr fùr eine tolle frage eingefallen
    ist. einfach,wie ein guter moderator,fragen und die antwort abwarten.

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