TV-Kritik
„Ich habe nicht gedient“

Frauen-Power bei Günther Jauch: Ursula von der Leyen und Andrea Nahles waren die politischen Stars beim Talk. Doch die Show blieb aus. Größte Erkenntnis: Jugendliche verstünden unter „Groko“ gerne „großes Kotzen“.
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Eigentlich hätte am gestrigen Sonntag der aus Jugendschutzgründen auf 22 Uhr programmierte, nun in den Januar verschobene WDR-„Tatort“ laufen sollen. Stattdessen durfte Günther Jauch ran – und in seiner letzten Talkshow des Jahres 2013 die ersten Minister der neuen Bundesregierung begrüßen: Die designierte Überraschungs-Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und deren Nachfolgerin im Arbeitsministerium, die Neu-Ministerin Andrea Nahles (SPD).

Die Koalitionärinnen demonstrierten zupackend ihre Entschlossenheit zum Regieren. Nahles strahlte sichtlich und lobte immer wieder den intensiv und gut verhandelten Koalitionsvertrag. Auch von der Leyen bewies ihre bekannten Qualitäten. Leider war Jauch in besonders schlechter Form. Er legte gleich mit Fragen los wie der, ob die SPD nicht mehr erreicht hat als nach ihrem schlechten Wahlergebnis zu erwarten war, und der, ob die Unionsparteien der SPD nicht sehr viele Zugeständnisse gemacht hätten – Fragen also, die in den vergangenen drei Monaten schon x-mal gestellt worden waren, darunter in vielen Talkshows. Zum Lohn bekam er die bekannten Antworten.

Auch die drei weiteren Gäste brachten die Ministerinnen kaum in Zugzwang. Linken-Fraktionsvorsitzender Gregor Gysi, den Jauch als „Oppositionsführer“ im Bundestag vorstellte, hat in dieser Funktion in letzter Zeit schon in allerhand Talkshows gesessen, und wiederholte seine Argumente. Elisabeth Niejahr, Journalistin der Wochenzeitung „Die Zeit“, hätte mit ein paar fundierten Kurzanalysen Substanz in die Sendung bringen können, wenn jemand darauf eingegangen wäre. Ein echter Überraschungsgast in der ARD-Talkshow war Ingo Zamperoni – der Moderator der ARD-„Tagesthemen“, der demnächst als Korrespondent nach Washington geht.

So zurückhaltend-neutral, wie es als Nachrichtenmoderator angemessen sein mag, gab er Pseudo-flapsiges („Posten-Bingo“; Jugendliche würden „Groko“ als „großes Kotzen“ verstehen) und etwas gewundene Binsenweisheiten (der SPD-Mitgliederentscheid sei ein „ausgefuchstes Damoklesschwert“ gewesen) zum Besten. Die Frage, was genau er in einer Talkshow-Gästerunde zu suchen hatte, blieb offen.

Leidlich interessant war die Gesprächspassage zu der Frage, wie es zur am Sonntag erst bekannt gewordenen Verteilung der Ressorts gekommen ist. Von der Leyen enthüllte, dass sie das Verteidigungsministerium erst am Donnerstagabend angeboten bekommen hat, die Bundeskanzlerin aber schon „längerfristig an diesem Plan gearbeitet“ habe.

Kommentare zu " TV-Kritik: „Ich habe nicht gedient“"

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  • Jeder AZUBI muss härtere Qualifikationen vorzeigen als Minister für ihr Amt, da hängt alles an der Parteizugehörigkeit , leider. Ähnlich wie bei van der Leyen ist es mit Nahles,die ins Amt der Arbeitsministerin befördert wird, von Arbeit hat sie so viel Ahnung wie ein Fisch vom Fahrrad fahren, schließlich rutsche sie vom Studium gleich in die Politik, sie hat nie den rauen Wind des Arbeitsmarkt erfahren.

  • nicht schlecht, wie weit man es bringen kann, wenn man nichts kann.
    bin mal gespannt, welchen Käse Uschi dieses Mal so von sich gibt. bei der Bundeswehr kann die bestimmt voll mitreden.
    Armes Deutschland.

    dazu noch der Dobrindt ... auweia ...
    gegen den sieht ja sogar Söder noch kompetent aus.

    sieht so aus, als würde Mutti auf der Bergabfahrt gerne etwas beschleunigen ...
    hoch lebe der freie Fall !!!

  • Wäre der Kommentar in den tagethemen gestern von einem H(artz)IVler gekommen der das für umme macht oder jemanden der anderweitig kein Geld dafür bekommt wäre das die eine Sache gewesen. Aber die Gebühren für die GEZ-Zwangsbeglückung mit solchem BULLSHIT kann man ja nicht einmal durch ABO-KÜNDIGUNG aus Protest vermeiden (allerdings könnte die private Werbeindustrie (also ohne die ganzen teilstaatlichen Betriebe) aus solchem, also Protest, keine Werbespots in der ARD mehr schalten).

    DÜMMLICHER KOMMENTAR EINES BEZAHLTEN JUBELPERSRES DER VON EINEM INTENDANTEN VON POLITIKERS GNADEN AUF KOSTEN DES GEBÜHRENZAHLERS DENSLBEN AUCH NOCH BESCHIMPFT.

    Ich bin kein Masochist. Als Verfasser (selbstverstädnlich KLUGER) Internet-Kommentare laße ich mich von einem Angesttellten des von mir fianzierten öffentlichen Rundfunks nicht beschimpfen. Ich hoffe der fliegt ohne Pensionsanspruch raus. Man stelle sich mal vor die (sagen wir mal) FAZ würde ihre Leser beschimpfen was das mit Auflage der analog dazu im Internet zu nennenden Traffic (Clicks, Pageviews und -impressions) machen würde.

    Für ÖFFENTLICH Bedienstete gibt es keinerlei Anrecht auf Unverschämtheit, weil meist keine Alternative / Konkurrenz zur Inanspruchnahme derer Dienste zur Verfügung steht.

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